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In Mehrow gibt es Streit über wieder in Betrieb genommene Ställe / Für Kreisverwaltung sind Beeinträchtigungen hinzunehmen

An den Schweinen scheiden sich die Geister

Sabine Rakitin / 22.02.2014, 06:55 Uhr
Mehrow (MOZ) Wann ist ein Dorf ein Dorf? An dieser Frage scheiden sich zurzeit in Mehrow die Geister. Während die einen Schweine, Rinder und Federvieh füttern und die Felder bestellen, fühlen sich die anderen von Geruch und Lärm belästigt. Längst ist der Streit ein Fall für die Kreisverwaltung Barnim geworden.

Torsten Rahlf ist ein umtriebiger Mann. Der 50-Jährige führt nicht nur eine Firma, die sich auf Kommunaltechnik und Winterdienst spezialisiert hat, sondern machte vor ein paar Jahren aus seinem Hobby ein weiteres Geschäft. Er gründete in Mehrow einen bäuerlichen Hof.

200 Schweine, 40 Ziegen, 20 Rinder und 500 Hühner gehören zu dem Familienunternehmen, dass Rahlf und seine Frau, seine beiden Söhne und die Schwiegertöchter gemeinsam bewirtschaften. Artgerechte Tierhaltung und naturnahe Landschaft sind den Rahlfs wichtig, beteuert das Familienoberhaupt. Sattelschweine und Jersey-Rinder kommen deshalb, sobald der Winter vorbei ist, ins Freigehege und auf die Weide. Die Produkte des Hofes - Fleisch und Wurst, Eier, Käse und Milchprodukte, Brot und Kuchen - werden im eigenen Laden, gleich am Ortseingang von Mehrow, verkauft.

Doch der bäuerliche Hof ist nicht von allen Dorfbewohnern gelitten. Insbesondere die Schweine, die auf einem ehemaligen LPG-Gelände untergebracht sind, sorgen für Beschwerden.

Beim Bauordnungsamt ging bereits Anfang des vergangenen Jahres eine Anzeige ein. Die ehemaligen LPG-Ställe, die die Rahlfs gepachtet hatten, waren von ihnen ohne erforderliche Genehmigung in Betrieb genommen worden. Daraufhin erließ die untere Bauaufsichtbehörde am 22. Januar 2013 eine "Nutzungsuntersagung für Stall Nr. 1 (für Sauen/Ferkel und präventiv für Milchkühe), für Stall Nr. 3 (für Federvieh) und in den Koben (für Schweine)". Statt das Gelände, wie die Beschwerdeführer hofften, nun zu räumen, stellte Torsten Rahlf aber nachträglich einen Bauantrag zur Nutzungsänderung der Ställe und reduzierte den Tierbestand. Am 2. Januar dieses Jahres wurde den Eheleuten Rahlf die Baugenehmigung zur Nutzungsänderung für zwei Ställe erteilt.

Im Kreistag hatte Johannes Madeja (Brandenburger Vereinigte Bürgerbewegungen/Freie Wählter) aber doch noch weitere Fragen an den zuständigen Dezernenten und Vize-Landrat Carsten Bockhardt. Warum in diesem Falle kein Umweltverträglichkeitsgutachten angefertigt worden sei, wollte der Finowfurter unter anderem wissen. Dieses sei in einem solchen Falle zwar nicht erforderlich, antwortete Bockhardt. Dennoch habe Torsten Rahlf eine Beurteilung der Staub- und Geruchsemissionen durch ein Fachplanungsbüro vorgelegt. "Alle nach dem Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz möglichen Schwellenwerte sind unterschritten worden", erklärte der Dezernent. Außerdem seien das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, die untere Naturschutzbehörde und die untere Wasserbehörde am Verfahren beteiligt worden. Bockhardt kam zu dem Schluss: "Die von diesem Standort ausgehenden Emissionen stellen hinzunehmende Beeinträchtigungen dar".

Doch so einfach wollen diejenigen, die sich durch die Tiere belästigt fühlen, die Entscheidung der Kreisverwaltung nicht hinnehmen. Sie verteilten Handzettel an alle Haushalte in Mehrow und riefen dazu auf, bei der unteren Bauaufsichtsbehörde Widerspruch gegen die erteilte Genehmigung einzureichen. Insgesamt sechs sind bislang in Eberswalde eingegangen. Für Carsten Bockhardt sind die Mehrzahl davon "Dritt-Widersprüche" aus der näheren und weiteren Umgebung der Rahlfschen Ställe. Die Bearbeitung solcher Widersprüche ist kostenpflichtig. "Das wissen offenbar viele nicht", sagt der Dezernent. Wenn die untere Bauaufsicht einen Widerspruchsbescheid erlasse, werde gemäß der Brandenburgischen Baugebührenordnung in Verbindung mit dem Paragraf 18 des Gebührengesetzes des Landes Brandenburg eine Gebühr von jeweils 1000 Euro fällig. "Auch wenn ein Widerspruch zurückgenommen wird, muss immer noch eine Gebühr von 250 Euro gezahlt werden", erklärt er. Im Übrigen versteht der 55-Jährige die Aufregung nicht. "Ein Dorf ist nun einmal ein Dorf. Wer dorthin zieht, muss damit rechnen, dass es Tiere und Landwirtschaft gibt."

Auch Torsten Rahlf und seine Familie lassen sich nicht mehr beeindrucken. "Die Leute, die 50 Meter vom Stall entfernt wohnen, wie unsere Ortsteilbürgermeisterin, die beschweren sich nicht", weiß er. Und überhaupt: "Die Tiere liegen auf Dickstroh, da fällt gar keine Jauche an", sagt der 50-Jährige. "Es riecht wirklich nicht doll."

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Viktor 23.02.2014 - 00:21:51

Was ist denn Mehrow dann, Her Krause?

Eine Großstadt? Ist doch lächerlich. Mehrow ist ein Dorf und auf einem Dorf gibt es eben auch Landwirtschaft. Da riecht es eben nicht immer nach Channel No5, sondern eben auch mal nach odeur de animal. Sie sind auch wieder so ein St.-Florian, Fleisch will man haben, nur um die Ecke soll es nicht gezüchtet werden.

Jens Krause ( ein Nachbar der Schweinehaltung) 22.02.2014 - 19:34:37

Lächerlicher und geschönter Artikel

Ha ha, dass ich nicht lache! Von wegen Dorf. Dümmer geht gar nicht. Mehrow ist schon lange kein Dorf mehr. Sollen doch die Dorf- und Landwirtschaftsverliebten in die Uckermark ziehen, wo ihnen vielleicht keiner auf "die dreckigen Finger" schaut! Hier nervt Familie Rahlf einfach nur noch durch ihre rücksichtslose Profitgier!!!

R . Blicker 22.02.2014 - 08:05:24

Gut so ! Gegen den "Gutmenschen-Terror!

Machen Sie weiter Familie Rahlf und lassen sich weder beirren, noch entmutigen! Ich find's prima, dass ein Dorf auch einen dörflichen Charakter bewahrt und dazu gehören unzweifelhaft Nutztiere. Auch Dank an Herrn Bockhardt für klare Worte pro Dorfkultur.

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