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Ines Glötzl-Simon (49) ist Revierförsterin / Rund 1600 Hektar Landeswald stehen unter ihrer Obhut

Wie der Vater so die Tochter

Am richtigen Platz in Leben und Beruf: Försterin Ines Glötzl-Simon betreut das Revier Schönholz seit 24 Jahren.
Am richtigen Platz in Leben und Beruf: Försterin Ines Glötzl-Simon betreut das Revier Schönholz seit 24 Jahren. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Ellen Werner / 09.03.2014, 07:45 Uhr
Melchow (MOZ) 14 Reviere gehören zur Oberförsterei Chorin. Nur zwei werden von Försterinnen betreut. Ines Glötzl-Simon gehört zu den wenigen starken Frauen in dem männerdominierten Beruf. 1990 fing sie im Forstrevier Schönholz an. Die 49-Jährige ist Herrin über 1600 Hektar Landeswald.

Es sind solche Momente wie neulich. Ines Glötzel-Simon zeichnete Lärchen an. Die Sonne schien zwischen den Bäumen hindurch. Sie musste einfach mal innehalten. "Du hörst die Vögel zwitschern und sagst: Schön!"

Doch nicht nur von den schönsten Augenblicken in ihrer Arbeit berichtet die 49-Jährige mit diesem Funkeln in den Augen. Unzweifelhaft - die Wahl für einen Lebensweg, die sie schon als Mädchen getroffen hatte, fiel aus Leidenschaft. Seit 1990 ist sie Revierförsterin. "Und ich sage immer noch: Es war das Richtige", äußert sie mit Nachdruck.

Den Grundstein dafür legte der Vater der gebürtigen Lunowerin. Der Revierförster von Lunow nahm die Tochter, die seinen Beruf toll fand, häufig mit in den Wald. Ihm nachzueifern, davon riet nur die Großmutter ab. Ines wäre bei Wind und Wetter draußen und müsste echte Männerarbeit verrichten, warnte sie.

"Man muss es als Frau schon wollen, in einer Männerdomäne zu arbeiten", bestätigt Ines Glötzl-Simon heute. Für sie stand das außer Frage. Männerdominiert sind die Forstberufe aber wie zur Zeit ihrer Ausbildung. Beim Forstingenieursstudium in Raben Steinfeld bei Schwerin stellten die 18 Frauen, die alle einen Berufswunsch teilten, fast die Hälfte ihres Semesters. "Es sind aber nur sehr wenige wirklich Revierförsterinnen geworden", weiß die Melchowerin.

Angefangen hat sie mit einer Lehre als Forstfacharbeiterin, die tatsächlich nur wenige Mädchen in Angriff nahmen. Bei allen Arbeiten, die für die Waldarbeiter anfielen, packte sie mit an. Mit 18 hatte sie ihren Lkw-Führerschein in der Tasche. "Nur die Motorsägen waren damals noch so schwer und groß, dass Frauen unter Anleitung höchstens mal Trennschnitte machen durften", erzählt Ines Glötzl-Simon. Drei Jahre arbeitete sie anschließend in Revieren am Parsteinsee.

Heute sei es noch viel schwieriger, ein eigenes Revier zu bekommen. "Aber es war auch damals keineswegs leicht", unabhängig vom Geschlecht, sagt die Försterin. "Ich hatte das Glück." Mit ihrem Vorgänger, der in den Ruhestand ging, lief die damals 25-Jährige erst einmal ein halbes Jahr mit.

Die Waldarbeiter besuchte sie anfangs auf einer roten Simson. Ihre Wege waren aber nicht ganz so weit wie heute. Im Revier Schönholz ist Ines Glötzl-Simon inzwischen die Herrin über rund 1600 Hektar Landeswald. Ein Revier mit spannenden Herausforderungen, das sich zwischen Spechthausen, Schönholz und der Bahnlinie in Melchow erstreckt und seit der jüngsten Forstreform teilweise bis ans Nonnenfließ reicht. "Dadurch, dass wir mit dem Landeskompetenzzentrum Forst zusammenarbeiten, gibt es viele Versuchsflächen, unter anderem mit Fremdländerbaumarten und sehr schönen Buchenbeständen", erläutert die Forstbeamtin.

Zurzeit stehen viele Holzeinschläge an, sind Forstunternehmen und Waldarbeiter einzuweisen, Holz für die Sägewerke abzumessen, aber auch schon die Flächen für Pflanzungen vorzubereiten. Als örtliche Bewirtschafterin fährt sie auch mit Hausbesitzern in den Wald, die Brennholz brauchen. "Es ist der Beruf, der mir Freude macht. Er ist so vielfältig und man kann soviel auch verändern und sich einbringen."

Als ihre Söhne, mittlerweile zehn und 20 Jahre alt, zur Welt kamen, blieb sie nach der Geburt jeweils nur drei Monate zuhause. Auch das hat sie nicht bereut. Ein Revier braucht eben ständige Zuwendung. Und so wie sie damals mit ihrem Vater in den Wald ging, sind ihre eigenen Kinder oft bei der Arbeit dabei gewesen. Früher habe sie gern gezeichnet und gestrickt, erzählt Ines Glötzl-Simon. Für Hobbys im Haus, das sie mit ihrem aus Bayern stammenden Mann in zweiter Ehe in Melchow gebaut hat, ist aber schon lange keine Zeit mehr übrig. Zumal die Familie auch nach Feierabend nicht selten im Wald anzutreffen ist. Während der erste Sohn Schornsteinfeger wurde, ist der zehnjährige Erik ein ebenso großer Naturfan. "Und mein Mann ist ein leidenschaftlicher Jäger", sagt Ines Glötzl-Simon. "Wir sind viel draußen."

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