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Zwischen Boltenhof und Qualzow wurde wieder geboßelt / Frühlingswetter "ungünstig"

Eine "ruhige Kugel geschoben"

Diesmal kamen die Boßel-Aktivisten sogar ins Schwitzen: Uwe Riest (zweiter von links) hatte aber in seinem Bollerwagen genügend Erfrischungsgetränke parat.
Diesmal kamen die Boßel-Aktivisten sogar ins Schwitzen: Uwe Riest (zweiter von links) hatte aber in seinem Bollerwagen genügend Erfrischungsgetränke parat. © Foto: MZv
Thomas Pilz / 10.03.2014, 23:41 Uhr
Boltenhof (win) Sonnenschein pur, blauer Himmel, warme Temperaturen: Der Sonntag lieferte einen Vorgeschmack auf den Frühling. Nur die Feuermörser in Boltenhof waren nicht zufrieden. Es war einfach kein Boßel-Wetter. "Dafür muss Schnee liegen", betonte Ingeborg Riest. "So wie im vorigen Jahr."

Seit gut 13 Jahren ist der Verein der Feuermörser in der kleinen Gemeinde nahe Blumenow ein Garant für kulturelle Veranstaltungen. Rund 30 Mitglieder kümmern sich um das Wohl der Dorfbewohner. Jedes Jahr aufs Neue ziehen einige von ihnen mit einem Bollerwagen voll Schnaps und Bier los, um Kugeln vom Ortsausgang ins 2,5 Kilometer entfernte Qualzow zu werfen. Boßeln nennt sich das. Ingeborg Riest hat es in die Ortschaft gebracht.

Vor Jahren liefen die Vorbereitungen zum geplanten Winterfest eher mau, erzählte sie. Eine Idee musste her. Die hatte sie sogleich. Ingeborg Riest stammt ursprünglich aus der Ecke um Oldenburg. "Dort nimmt man Boßeln sehr ernst", berichtete ihr Mann Uwe Riest, der stellvertretende Vorsitzende der Feuermörser. Seitdem wird jährlich rund um den Frauentag geboßelt.

Am Sonntag war es wieder so weit. Nur die Beteiligung war nicht so gut. Schon weit über 20 Teilnehmer hätten sie gehabt, erzählte die Initiatorin. Doch bei Frühlingswetter par excellence würden die Menschen wohl lieber Fahrrad fahren oder Ausflüge unternehmen. 2013 lag zu der Zeit noch Schnee. Eisiger Wind fegte übers Land. "Es war fürchterliches Wetter, ganz stürmisch", erinnerte sich Uwe Riest. Fürs Boßeln also ideal.

Auch Margot Schröder aus Gransee kennt den Sport nur bei Kälte. "Es muss Frost sein", sagte sie. "Die Ostfriesen hätten das heute wohl ausfallen lassen." Daher komme der Sport nämlich. Ihr macht das Boßeln Spaß. Schon im vorigen Jahr war sie dabei. "Man ist unter Menschen und sitzt nicht vor dem Fernseher. Mir geht es um die gesellschaftliche Anbindung, und man lernt etwas Neues kennen."

Helga Stiefel aus Blumenow sieht das ähnlich. Als sie nach Blumenow gezogen ist, hat sie geschaut, welcher Gruppe sie sich anschließen könnte. "Früher haben hier viele Kinder mitgemacht", blickte sie nachdenklich zurück. "Doch die meisten sind weggezogen und die Alten sind zu alt oder gestorben."

Doch selbst mit der kleinen Truppe ließ es sich gut kugeln. "Das ist egal, dass wir heute so wenige sind", betonte Uwe Riest. "Wir haben dennoch unseren Spaß." Der Anfang verlief allerdings etwas holprig. Gleich das erste von Riest angestoßene Geschoss rutschte ins Aus. Minutenlang suchten alle die aus Oldenburg importierte Boßel-Kugel. Selbst Langhaardackel Emily fand sie nicht.

Dabei hatte sie die Hunde-Dame fast mit der Nasenspitze berührt, als sie an ihr vorbei sauste. "Wir hätten sie besser abrichten sollte", scherzte jemand in der Gruppe.

Doch Entwarnung: Die Kugel wurde gefunden, das Boßeln nahm seinen Lauf. In zwei Mannschaften schoben die Herrschaften ihre Kugeln ruhig vor sich hin, vorbei an grünen Roggenfeldern und der Eichenallee. Bei der ersten Rast wurde dann der Apfelwein ausgepackt, den Schnaps hoben sich alle für den Endspurt auf.

Noch ein Argument für niedrigere Temperaturen, fand Uwe Riest. "Je kälter es ist, desto mehr Glühwein kann getrunken werden", lächelte er.

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