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Breydiner Unternehmen an Aktion der IG Metall und des Bundesverbandes Windenergie beteiligt

Warnminute für sauberen Strom

Die Frühschicht traf sich um fünf vor zwölf, um auf die Gefährdung von Arbeitsplätzen durch das neue Erneuerbare-Energie-Gesetz aufmerksam zu machen.
Die Frühschicht traf sich um fünf vor zwölf, um auf die Gefährdung von Arbeitsplätzen durch das neue Erneuerbare-Energie-Gesetz aufmerksam zu machen. © Foto: MOZ/Brigitte Horn
Brigitte Horn / 20.03.2014, 07:50 Uhr
Breydin (MOZ) An der Aktion "Eine Warnminute für die Windenergie in Norddeutschland" hat sich am Mittwoch der Windradhersteller Senvion in Breydin und Eberswalde beteiligt. Initiiert wurde sie von der IG Metall Küste und dem Bundesverband Windenergie, um Arbeitsplätze in der Branche zu sichern.

Ein rauer Wind pfiff über den am Rande von Breydin stehenden Betrieb des Windradherstellers Senvion, früher Repower. Die in Sichtweite stehenden Windkraftanlagen dürften am Mittwoch reichlich Strom erzeugt haben. Voller Energie war auch die komplette Frühschicht am Senvion Standort in Breydin, um gegen eine Kehrtwende beim Gesetz für Erneuerbare Energien zu demonstrieren. "Ich bin hier dabei, um für den Erhalt der Arbeitsplätze einzutreten", sagte Produktionsleiter Gutmundt Ertel. Mechaniker Morten Brunnert unterstützt die Aktion "auch aus allgemeinem Interesse und weil man an die Zukunft denken muss".

Da befürchtet wird, dass das neue Erneuerbare-Energie-Gesetz die bisherige positive Entwicklung stoppen könnte, gibt es weniger Investitionssicherheit, machte der Betriebsratsvorsitzende Thomas Rex auf eine Seite des Problems aufmerksam. "Wenn weniger Windkraftanlagen gekauft werden, gibt es auch weniger Arbeitsplätze", sagte er.

Mit den Gefahren, die aus der Atomkraft resultieren, verwies Siegfried Wied, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Ostbrandenburg, auf eine andere Dimension, die für die Förderung der erneuerbaren Energien spreche. Selbst aus Schleswig-Holstein stammend, habe er gegen das Atomkraftwerk Brokdorf gekämpft, sagte er in seiner Ansprache vor dem Werktor in Breydin.

Während nach Tschernobyl noch niemand aufgewacht war, habe Fukushima zum Umdenken geführt. Doch jetzt drohe wieder ein Schritt rückwärts. "Flächen und Kilowattstunden werden begrenzt. Das darf nicht zugelassen werden", sagte er und erinnerte an die katastrophalen Folgen bei den Kürzungen im Bereich der Photovoltaik. Dort haben Unternehmen wie Firstsolar erst Millionen Euro Gewinn machen können und mussten dann ein Werk mit 1100 Beschäftigten schließen. Jetzt sei es so, dass insgesamt 120 000 Arbeitsplätze im Bereich der Windenergie gefährdet seien.

Demgegenüber sprach sich Wied aber auch gegen die lückenlose Subventionierung eines Industriezweiges aus. Doch dürfte keiner damit rechnen, dass die privaten Energiekonzerne den Strompreis senken, wenn die EEG-Zulage wegfalle. Besser wäre es, die Menschen würden durch Lohnzuwachs in die Lage versetzt, den momentan noch etwas größeren Aufwand für erneuerbare Energien tragen zu können. Durch sie gäbe es keine Gefahren durch Atomstrahlung, Umweltverschmutzung und Abbaggerung von Dörfern.

Um schließlich auch die Akzeptanz für Windenergie zu erhöhen, mahnte er die Investoren, auf kommunalen Flächen Windräder zu bauen, so dass alle etwas vom finanziellen Erlös haben, sagte er unter der Beifall der Teilnehmer des Ausstands. Für deren Beteiligung dankte Wied ebenso wie Andreas Sult, der für den DGB Ostbrandenburg an der Aktion am Mittwoch in dem Breydiner Betrieb von Senvion teilgenommen hat.

Das Unternehmen beschäftigt an dem Standort zusammen mit einer Außenstelle in Eberswalde etwas mehr als 200 Personen. Nicht ohne Stolz teilt der Betriebsratsvorsitzende mit, dass seit einem halben Jahr wieder tarifgebundener Lohn gezahlt werde. Das bedeute, dass ein frisch ausgebildeter Jungfacharbeiter 13 Euro pro Stunde erhalte. Außerdem gebe es pro Jahr 30 Azubis bei Senvion, die in der Regel auch ins Unternehmen übernommen würden.

Produziert werden von der Belegschaft die Maschinenhäuser der Windräder, die Naben mit vollständigem Innenleben. Bis zu 65 Prozent der Produktion geht in Ausland. Frankreich gehört zu den größten europäischen Kunden. Geliefert wird aber auch nach Skandinavien und Kanada.

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