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Von Akne bis Entzugserscheinung

Beim medizinischen Dienst werden die Gefangenen untersucht und - wenn nötig - an Fachärzte weitervermittelt: Dietmar Gutke ist einer der drei Pfleger, die in der Abteilung arbeiten. Er kümmert sich unter anderem um den Bereich Hygiene.
Beim medizinischen Dienst werden die Gefangenen untersucht und - wenn nötig - an Fachärzte weitervermittelt: Dietmar Gutke ist einer der drei Pfleger, die in der Abteilung arbeiten. Er kümmert sich unter anderem um den Bereich Hygiene. © Foto: MOZ/Inga Dreyer
Inga Dreyer / 05.04.2014, 08:01 Uhr - Aktualisiert 07.04.2014, 10:30
Beerbaum (MOZ) Es ist eine eigene Welt hinter dicken Mauern: Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Wriezen. Bis zu 198 männliche jugendliche und heranwachsende Strafgefangene werden hier auf ein Leben in Freiheit vorbereitet. In einer MOZ-Serie stellen wir den Alltag in der JVA vor. Heute: der medizinische Dienst.

Eine Untersuchungsliege, ein Schreibtisch, Schubfächer mit Verbandsmaterial - alles sieht aus wie in jedem anderen Behandlungszimmer. Und es funktioniert auch so.

"Die Gefangenen haben das gleiche Recht auf medizinische Behandlung wie draußen", sagt Sylvia Göttel, die Leiterin des medizinischen Dienstes. Mit ihren Kollegen Kerstin Gellendin und Dietmar Gutke sichert die Krankenschwester von montags bis samstags die medizinische Grundversorgung in der JVA Wriezen.

Zweimal in der Woche hält ein Internist eine allgemeinmedizinische Sprechstunde ab, einmal in der Woche ist ein Zahnarzt und einmal im Monat ein Psychiater im Haus.

Wenn kein Arzt da ist, entscheiden die Krankenpfleger, wie es weitergeht. Bei Notfällen werden die Gefangenen in das Krankenhaus Wriezen geliefert. Die Zusammenarbeit sei sehr gut, betont Sylvia Göttel. "Wir sind froh darüber. Da muss man das Krankenhaus und die Rettungsstelle loben." Wenn jedoch ein stationärer Aufenthalt bevorsteht und die erkrankten Häftlinge transportfähig sind, werden sie nach Brandenburg an der Havel gefahren. Denn die dortige JVA verfügt über eine externe Bettenstation, die entsprechend gesichert ist.

Erkältungen, Sportverletzungen und Hautkrankheiten seien die häufigsten Gründe, warum Häftlinge den medizinischen Dienst aufsuchen, erklären die Krankenpfleger. "Es sind ja Jugendliche und die wollen sich bewegen", sagt Sylvia Göttel. Da passieren Unfälle. Wie alle anderen jungen Menschen haben auch viele der Häftlinge unter pubertätsbedingten Hautproblemen zu leiden.

Zu Beginn ihrer Haftzeit durchlaufen alle Gefangenen eine Zugangsuntersuchungen. Viele von ihnen leiden anfangs unter Entzugserscheinungen. Die häufigste Droge sei Cannabis, aber es seien alle Arten von Drogen im Spiel - bis hin zum Heroin, erklärt Sylvia Göttel. Wer drogensüchtig ist, wird vom Arzt medikamentös eingestellt, um die Symptome des Entzugs zu lindern. Viele Gefangene leiden unter psychischen Problemen. Nur unter Aufsicht der Bediensteten dürfen die Gefangenen Psychopharmaka einnehmen. Deswegen bringen die Krankenpfleger bringen Medikamente in die einzelnen Abteilungen.

Auf den drei Mitarbeiter des medizinischen Dienstes lastet eine hohe Verantwortung. Und das unter erschwerten Bedingungen. Denn sie müssen auch sich selbst schützen. "Man muss immer auf der Hut sein", erklärt die Krankenschwester Kerstin Gellendin. Oft wisse man nicht, was die Jugendlichen im Schilde führen. "Sie sind teilweise unberechenbar", sagt auch Dietmar Gutke.

Er kümmert sich unter anderem um den Bereich Hygiene, erstellt beispielsweise Desinfektionspläne. Der Arbeitsbereich des medizinischen Dienstes umfasst ein breites Spektrum an Aufgaben, darunter viel Bürokratie. Zu ihren Aufgaben gehöre auch, die Mitarbeiter medizinisch zu betreuen, berichtet Sylvia Göttel.

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