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Herrenhaus illegal abgerissen

Gutsanlage Beerbaum: Sie besteht aus Brennerei (r.), Schäferhaus, Schaf- und Kuhställen, Wohnhaus, Gutsarbeiterhaus und Gutspark. Das Herrenhaus (hinten Mitte) wurde offenbar mutwillig zum Teil abgerissen. Den Schuttberg sieht man neben dem Haus liegen.
Gutsanlage Beerbaum: Sie besteht aus Brennerei (r.), Schäferhaus, Schaf- und Kuhställen, Wohnhaus, Gutsarbeiterhaus und Gutspark. Das Herrenhaus (hinten Mitte) wurde offenbar mutwillig zum Teil abgerissen. Den Schuttberg sieht man neben dem Haus liegen. © Foto: Cornelia Hendrich
Cornelia Hendrich / 11.04.2014, 20:06 Uhr
Beerbaum (MOZ) Das Landesdenkmalamt bezeichnet das Ensemble beim Herrenhaus Beerbaum als unschätzbar. Der Eigentümer soll jedoch vor Kurzem einen Teil des Herrenhauses niedergerissen haben.

Temperamentvoll soll sie gewesen sein, Julie Gräfin Dönhoff. König Friedrich Wilhelm II. verliebte sich sofort in sie und machte sie zu seiner Geliebten. Doch dann mischte sich die kluge Frau zu sehr in seine politischen Geschäfte ein, er trennte sich von ihr und Sophie Juliane Friederike Gräfin Dönhoff, so ihr voller Name, kaufte die Gutsanlage in Beerbaum und ließ sich dort 1817/18 ein Herrenhaus errichten, im Volksmund auch Schloss Beerbaum genannt. Ihr Grab befindet sich auch im Ort. Als es 2010 eine neue Grabplatte bekam, reiste der Hochadel in Beerbaum an.

Die Gutsanlage in Beerbaum ist von "unschätzbarem Wert", sagt Ingetraud Senst vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege. Es gebe nichts Vergleichbares in der Region, so die anerkannte Denkmal-Expertin. Am 14. März war das Landesamt jedoch davon in Kenntnis gesetzt worden, dass das Herrenhaus mutwillig zerstört wurde. Offenbar ist es teilweise vom Eigentümer abgerissen worden.

Daraufhin forderte das Landesdenkmalamt in einem Schreiben an den Kreis den Wiederaufbau durch den Eigentümer, das bestätigt jetzt Carla Bork vom Bauordnungsamt des Landkreises.

"Es ist ein trauriger Anblick, wenn man es jetzt sieht", sagt Ingetraud Senst. Wenn man davor stehe, werde einem das Ausmaß der Zerstörung bewusst. "Wir sind überrascht und maßlos entsetzt", sagt sie.

Offenbar hatte es einen Sturmschaden am Haus gegeben und der Besitzer ist dem Haus zusätzlich mit schwerem Gerät zu Leibe gerückt, da sind sich die Experten sicher. Zuvor habe es bereits Probleme mit dem Eigentümer gegeben, er sei mehreren Aufforderungen zur Sicherung des Herrenhauses nicht nachgekommen, heißt es vom Landkreis. "Er wurde immer wieder von uns dazu aufgefordert", sagt Carla Bork. Der Eigentümer hatte das 674 Hektar große Gut im Jahr 2000 erworben und betreibt dort Landwirtschaft und auch eine Brennerei.

Jetzt soll er einen Teil des Herrenhauses zerstört haben. "Das konnten wir so nicht hinnehmen", so Ingetraud Senst. Der überregionale Denkmalwert des Herrenhauses, das seit 200 Jahren die Gutsanlage prägt, ist durch seine besondere orts-, bau- und kunstgeschichtliche sowie städtebauliche Bedeutung begründet, sagt Ingetraud Senst. Die Bedeutung erkläre sich durch die direkte Verbindung der Bauherrin zum preußischen Königshof. Zudem sei das Haus ein "einmaliges klassizistisches Zeugnis preußischer Landbaukunst in Brandenburg", heißt es in ihrer Begründung des Denkmalwertes des Gutshauses.

Hinzu kommt, dass das Haus bis 1945 in Familienbesitz gewesen war, eine lange Zeit, und deshalb einen ganz besonderen Stellenwert unter den märkischen Adelssitzen hat. Zudem habe es fast 200 Jahre lang sein äußeres Erscheinungsbild bewahrt.

Die Sache liegt nun auf dem Schreibtisch des Bauordnungsamt des Landeskreises. Wie wahrscheinlich ist es, dass das Amt den vom Landesdenkmalamt geforderten Wiederaufbau an den Eigentümer weitergibt? "Sehr wahrscheinlich", sagt Carla Bork.

Das auch "Chateau" genannte Herrenhaus mit seiner wohlproportionierten Gliederung und dem sparsamen Dekor ist als "Ergebnis des künstlerischen Anspruches seiner Bauherrin auf der Höhe seiner Zeit und kann sich durchaus mit annähernd zeitgleichen Herrensitzen wie etwa dem Schloss Paretz messen", so Ingetraud Senst.

Dass der Wiederaufbau eines Herrenhauses gefordert wird, ist äußerst selten. "Ich habe es noch nicht erlebt", sagt sie.

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