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Altglobsow erinnert an Johanna Pirl

Ihr war die Freude über den historischen Augenblick anzumerken: Bärbel Backwitz (im Vordergrund) erinnerte in Altglobsow an die Glashüttenbesitzerin Johanna Pirl.
Ihr war die Freude über den historischen Augenblick anzumerken: Bärbel Backwitz (im Vordergrund) erinnerte in Altglobsow an die Glashüttenbesitzerin Johanna Pirl. © Foto: Sabine Slatosch
Sabine Slatosch / 14.04.2014, 01:00 Uhr
Altglobsow (MZV) "Ohne die Glashüttenbesitzerin Johanna Louise Pirl gäbe es Globsow - Alt und Neu - vielleicht nicht", resümierte Sabine Hübner, Gleichstellungsbeauftragte des Landes Brandenburg. Zu Ehren der Unternehmerin wurde am Sonnabend die 38. Frauen-Orte-Tafel am Weg zur Wässering in Altglobsow - unterhalb des Hügels, auf dem einst die Hütte stand - feierlich enthüllt. Die Gedenktafeln sind ein Projekt des Frauenpolitischen Rates im Land Brandenburg. Mit ihnen werden bekannte und unbekannte Frauen gewürdigt, die emanzipatorisch auf politischem, wissenschaftlichem, sozialem oder kulturellem Gebiet gewirkt haben.

Johanna Louise Pirl (1733- 1810) übernahm die Glashütte in Globsow, heute Altglobsow, nachdem ihr Vater nach nur zwei Jahren Selbständigkeit in finanzielle Schwierigkeiten geraten war und starb. Sie führte das Unternehmen erfolgreich weiter. Sie setzte sich über Konzessionen hinweg und lieferte Apothekenglas für die Waisenhausapotheke der "Franckeschen Stiftungen zu Halle". Die von ihr entwickelte Marke "GLOBSO" für Gebrauchsglas wurde begehrt. Als das Holz knapp wurde, verlegte sie die Glashütte an den Dagowsee und gründete dazu eine Brauerei, um den Bouteillen den passenden Inhalt zu geben. Der Ruhm ihrer Marke machte aus dem kleinen Glasmacherdorf das bekannte "Neuglobsow". Weitere Glashütten baute Pirl in Steinförde an der Havel und in Friedrichsthal bei Oranienburg sowie in Neufriedrichsthal in Posen.

"Ich hatte den Eindruck, dass Johanna Louise Pirl sich selbst erfinden musste als Unternehmerin", so Hübner. Sie habe ihre Visionen verwirklicht, sei innovativ gewesen, habe ein klares Profil für ihr Unternehmen entwickelt.

Sie habe analytisch gedacht und gehandelt wie ein Mann, lachte Bärbel Backwitz von der Initiative Zernikow verschmitzt. Sie habe geklagt, wenn die Havel nicht richtig geflossen ist und wenn der Schinder sie verärgerte. Den Auflagen der Forst, ohne Holz zu heizen, begegnete sie mit Torf als Brennstoff. Alles sei Grund genug, um diese Frau - die sagenumwobene "weiße Frau von Globsow, Madame Pirl" - zu ehren.

Nach der Enthüllung der Tafel lud der Bürgermeister der Gemeinde Großwoltersdorf, Ingo Utesch, die Anwesenden zu Kaffee und Kuchen in das Café Seeblick. Er dankte den Initiativen und würdigte, dass es überhaupt noch Leute gibt, die sich mit der Geschichte der Orte befassen und mit Menschen, die die Geschichte und die Region geprägt haben.

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