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Spaß ohne Gaspedal

Da flog die Kuh, trotz etwas weniger Besuchern: Alteingesesene Fans und junges Gemüse können dem Bullenderby immer wieder etwas abgewinnen.
Da flog die Kuh, trotz etwas weniger Besuchern: Alteingesesene Fans und junges Gemüse können dem Bullenderby immer wieder etwas abgewinnen. © Foto: MZV
Marco Winkler / 28.04.2014, 01:34 Uhr - Aktualisiert 28.04.2014, 15:51
Baumgarten/Keller (MOZ) Wenn zwischen Keller und Baumgarten am Sonnabend die Straße gesperrt wird, der Acker voller Autos steht und skurrile bis ulkige Seifenkisten den Abhang herunter rasen, dann kann das nur eins bedeuten: der Startschuss zum traditionellen "Bullenderby" wurde gegeben.

Das Bullenderby zwischen Keller und Baumgarten 2014 Seifenkistenrennen
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Bullenderby 2014 Keller-Baumgarten

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Ein paar Tage länger als alle anderen wird sich Tim Mohring an das diesjährige Rennen erinnern. Der Rauschendorfer sorgte für einen kurzen Schock auf der Strecke. Tim fiel spektakulär aus seinem Holzgefährt. Er kam jedoch mit Schürfwunden davon. Es war der erste Durchlauf für Tim. Die Kiste - ein Bausatz - hatte er selbst zusammen getüftelt. "Ich habe einen Tag dafür gebraucht", erzählte der Vierzehnjährige im Nachhinein. Er habe sie für den Granseer Rotkreuz-Jugendclub "Old School" gebaut. Mitten im Rennen kam sein Gefährt ins Schlenkern. "Das Lenkrad ist auf einmal rumgerissen, da konnte ich nichts machen." Nach kurzem Straucheln überschlug er sich mit der Seifenkiste. Die Zuschauer hielten für einen Moment den Atem an. Sanitäter und Jugendclubleiter Steffen Bauer eilten sofort zur Hilfe. Doch die Entwarnung kam prompt: Alles okay, nichts passiert. "Ihm geht's gut", rief Bauer den Besuchern zu. "Alles halb so wild", sagte Tim. Nicht so glimpflich davon kam seine Seifenkiste. "Die vordere Achse ist komplett weggebrochen", berichtete Jugendclub-Chef Bauer. Fürs zweite Rennen wurde die Kiste ausrangiert. "Ich werde aber versuchen, sie zu reparieren", so Tim.

Für Mitorganisator Uwe Flock von der Mobilen Jugendarbeit Lindow war der Sturz eine Schrecksekunde. Er selbst wollte mit einer Kiste an den Start gehen. Beim Probelauf passierte jedoch ein ähnlicher Unfall. "Heute kam die Seifenkiste dann nicht durch unseren TÜV." Vor Ort sorgte Andreas Bruchmann von der Dekra tatsächlich dafür, dass alle Mobile verkehrstechnisch einigermaßen in Ordnung waren.

Steffen Melle aus Neuruppin brachte seine zwei Maschinen sicher durch den Check des Fachmanns. "Er war ganz begeistert von unseren Konstruktionen", erzählte der Familienvater, der mit seiner Frau und Tochter Maya (7) anreiste. Die Neuruppiner bestritten das Rennen nicht etwa mit klassischen Seifenkisten. Sie hatten eine Badewanne und ein Bettgestell dabei. Beide waren die Hingucker auf der Strecke. Die zum Rennfahrzeug umgerüstete Wanne hat sich bewährt. Seit vier Jahren fegen die Melles damit über die Brandenburgs Rennstrecken. Im Laufe der Zeit haben sie ihre Wanne immer wieder aufgerüstet, verbessert. "Zuerst hatten wir eine Wanne aus Glasfasern. Die sind dann wegen des Drucks beim Rennen gerissen." Jetzt düsen sie in einer Blechwanne die Asphaltpiste entlang. Mir ihrer Eigenkreation ist sogar schon RBB-Wetterfee Ulrike Finck den Abgang herunter gerollt.

Das fahrende Bett ist ebenfalls selbst gebastelt. Das Gestell im Internet ersteigert, an den Untersatz Rollstuhlteile geschraubt, Trommelbremsen anmontiert: fertig war die etwas andere Seifenkiste. Etwas kritisch sieht Steffen Melle, dass das Bullenderby immer mehr zum Technikwettstreit der Eltern mutiert. "Wir haben in der Familie alles zusammen in Eigenanleitung gebaut, aber hier gibt's auch Bausätze, die eigentlich nicht in Ordnung sind und professionelle Senior-Seifenkisten. Das ist schon etwas unfair."

Eine der Profi-Karren fuhr Elena Oldorf. Wie eine silberne Rakete raste sie den Hügel runter. Am Ende reichte es ganz klar für Platz eins in der Kinderwertung. Gezählt wurden zwei Läufe. Elena fuhr insgesamt 506 Meter mit ihrem Silberflitzer. Einen neuen Rekord der Kinder ab 13 Jahren stellte Familienvater Marcus Petruschke auf. Ganze 846 Meter legte er in seiner Kiste zurück. Seine Töchter Tara und Kira belegten Platz zwei in der Kinderdisziplin.

Die zwei Erstplatzierten setzten sich gegen 20 Konkurrenten durch. Die Teilnehmerzahl sei stabil, so Uwe Flock. Nur die Besucher, die werden seit Jahren immer weniger. "Plakate und Poster als Werbung reichen wohl nicht mehr", sagte er. Um den Abwärtstrend zu stoppen "müssen wir jetzt Ideen sammeln." Kinder, die älter als 13 Jahren sind zu animieren, eine Kiste zu bauen, ist nicht einfach, meinte er. Vielleicht habe sich die Seifenkisten-Sause erschöpft.

Panik wolle er aber keine schieben. Zumal die Vernetzung mit dem Norden Oberhavels immer besser werde. Die Jugendclubs aus Gransee, Löwenberg und Fürstenberg haben sich in diesem Jahr stark miteingebracht. Da sich die Sportschule Lindow nicht beteiligen konnte, halfen ferner Jugendliche vom Lindower Jugendparlament bei der Organisation. "Nächstes Jahr gehen wir wieder an den Start", gab sich Uwe Flock optimistisch. Die Stammfahrer wie Familie Petruschka und Familie Melle würden das nicht anders wollen.

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