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Zeitzeugin hilft bei Gefallenensuche

Spurensuche: Podelzigs Bürgermeister Alfred Nowak (l.) lässt sich an den Grundmauern von Schloss Klessin von Melanie Herz und Stefan Krasenbrink die Ergebnisse des Arbeitseinsatzes erläutern.
Spurensuche: Podelzigs Bürgermeister Alfred Nowak (l.) lässt sich an den Grundmauern von Schloss Klessin von Melanie Herz und Stefan Krasenbrink die Ergebnisse des Arbeitseinsatzes erläutern. © Foto: Johann Müller
Ulf Grieger / 05.05.2014, 07:37 Uhr
Klessin (MOZ) Heinz Mutschinski hat es wieder getan: Alljährlich kommt der Kriegsveteran aus Zeuthen ins Oderbruch, dorthin, wo er und seine Freunde im Frühjahr 1945 die Rote Armee bei ihrem Vormarsch auf Berlin aufhalten sollten. 20 Jahre jung war er damals. Dort, wo seine Freunde gefallen waren, streut er Blumensamen aus: Scilla und Vergissmeinnicht.

Vor allem aber hilft er den diesmal 25 Teilnehmern eines Arbeitseinsatzes des Vereins zur Bergung Gefallener in Osteuropa mit seinem Wissen darüber, wo überall Stellungen waren. Seit 2005 kooperiert der Verein dort mit dem Heimatverein Wuhden. In diesem Jahr wurden die Helfer von einer Zeitzeugin unterstützt, die auf Schloss Klessin aufgewachsen war: Barbara von Albedyll. Sie war 18, als sie vor der Front fliehen musste. "Sie hat uns genau gezeigt, wo hier was gestanden hat. Es war auch für sie eine aufregende Sache", berichtet Vereinsvorsitzender Albrecht Laue. Dabei zeigt er auf den Eingangsbereich zum Schloss, der bei diesem Arbeitseinsatz freigelegt wurde. Dank der Zeitzeugin sind nun viele Details bekannt.

Freigelegt wurden zunächst die Umrisse des Gutsschlosses, das Innere ist noch ein überwucherter Schuttberg. Von größtem Interesse sind die Gewölbe. Denn dort hatten die deutschen Verteidigern die eingekesselte Stellung im März 1945 unter unsäglichen Bedingungen gehalten.

In der Perspektive soll das Schlossareal einmal zu einem mahnenden, parkähnlichen Denkmal werden, sagt Reinhard Tietz, stellvertretender Vorsitzender des Wuhdener Heimatvereins. Bis es so weit ist, ist das Areal jedoch strengstes Sperrgebiet, schon um sogenannte Kriegssouvenirjäger abzuhalten.

Der Hamburger Verein von Albrecht Laue geht mit der Akribie von Archäologen vor. Das wurde auch deutlich, als die drei Gefallenen geborgen wurden, die bei diesem Arbeitseinsatz entdeckt worden waren. Schicht um Schicht wurden sie aus dem Erdreich herausgelöst, in dem sie seit Kriegsende lagen. So weit es geht, soll ihre Identität festgestellt werden. Dann bekommen sie eine würdige Bestattung. In gleicher Weise arbeitet derzeit ein russischer Partnerverein bei Petersburg, erzählt Laue. Mit ihrer Arbeit haben die Vermisstensucher bereits auch zu einem Umdenken in Russland gesorgt. Beitragen wird dabei sicher auch ein Dokumentarfilm über den Einsatz bei Klessin, den die Moskauer Filmemacherin Maria Tsvetkova mit ihrem Team vor Ort über Heinz Mutschinski gedreht hat.

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