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Auferstanden aus Disco-Ruine

Rene Wernitz / 08.05.2014, 14:38 Uhr - Aktualisiert 12.05.2014, 16:18
Döberitz (san) Es war 1993 als der Mönchengladbacher Manfred Hüsges mit einem Freund eine Spritztour durch Thüringen machte und ihm die Autos der Marken Trabant und Barkas begegneten. "Da flog nen Virus rum oder so", scherzt er. Der Beginn einer Leidenschaft. Noch im selben Jahr erwarb er seinen ersten Barkas-Kleintransporter und einen Trabant.

Schon bald als "Trabi-Manni" bekannt, brachte es An- und Verkäufer Manfred Hüsges in Spitzenzeiten auf 60 Trabis und 10 Barkas. Zur Sammelleidenschaft für DDR-Autos kam schnell die für DDR-Spielzeug. Auf Flohmärkten begann er vor über 15 Jahren zu erwerben, was andere nicht mehr haben wollten. In seinen Trabbis hing ein Schild "Suche DDR-Spielzeug", und auf zahllosen Trabi-Treffen brachten ihm die Leute ihr altes Spielzeug.

Als die Sammlung immer umfangreicher wurde, reifte die Idee, die Schätze öffentlich auszustellen. Erste Versuche einen DDR-Park zu eröffnen bzw. ein altes Fabrikgebäude im Erzgebirge zu kaufen, scheiterten. Zufällig lernte er vor vier Jahren über den Internetverkauf einer Bauanleitung für die unter DDR-Kindern sehr beliebten PEBE-Steine den Premnitzer Peter Klapp, ebenfalls eingefleischter DDR-Sammler, kennen. Man kam ins Gespräch und schnell kristallisierte sich heraus, dass sich die Sammlungen der Beiden ergänzen. Manfred Hüsges wusste erst gar nicht, wo Premnitz eigentlich liegt, aber die Idee, dort eine Immobilie für ein gemeinsames DDR-Museum zu erwerben, ließ ihn nicht mehr los.

Gefunden wurde schließlich das ziemlich herunter gekommene Haus im Bammerweg 5 inTrotz eingestürztem Dachstuhl erwarb Hüsges die ehemalige Diskothek und machte sich an die Arbeit, Umzug mit seiner gesamten Sammlung ins Havelländische inklusive.

Bis zehn Minuten vor der Eröffnung wurde noch geschraubt, aber am 1. Mai war es soweit. Jetzt können die Besucher von Mittwoch bis Sonntag zwischen 10.00 und 17.00 Uhr auf über 400 Quadratmetern staunen. Es wurde jeder Winkel genutzt, um Exponaten einen Platz zu geben. Vitrine reiht sich an Vitrine, Regal an Regal. Im großen Saal sind die Autos zu sehen: Der eine oder andere besonders schöne Trabi aus Manfred Hüsges Sammlung sowie natürlich auch Barkas-Kleintransporter. So steht zum Beispiel ein voll ausgestatteter Krankenwagen neben einem Unikat: Der Prototyp eines Trabant-Transporters. Heutzutage würde man wohl Pick-Up-Trabi dazu sagen. Gedacht für Bäcker oder andere Handwerker ist das hinten mit einer Plane versehene Auto allerdings nie in Serie gegangen. Manfred Hüsges entdeckte ihn bei einem Förster: "Der kurvte mit dem Einzelstück durch den Wald, das konnte ich natürlich nicht zulassen." Nach zähen Verhandlungen konnte er dem Mann den außergewöhnlichen Trabant abkaufen. Liebevoll aufgearbeitet ist der grüne Pappkamerad mit originaler Plane im Museum besser aufgehoben.

Neben den Autos hat es das DDR-Spielzeug Manfred Hüsges besonders angetan. Mit circa 370 Barkas-Modell-Autos besitzt er die wohl größte Sammlung dieser Art. "Jedenfalls ist mir keine Größere bekannt", so Hüsges.

Doch nicht nur Autos kann man im Museum bewundern, auch vieles Andere, das in der DDR alltäglich war. Landschaften aus PEBE-Bausteinen nehmen ein ganzes Zimmer ein, ebenso wie die Modelleisenbahn ergänzt durch unzählige Loks und Waggons in Vitrinen. Daneben laden hunderte Exponate sonstiger Spielzeuge und DDR-Gebrauchsgegenstände von Fernseher und Fernglas über Uniformen und Kleidung bis zu Büchern und dem voll ausgestatteten Konsum zum Eintauchen in die vergangene Zeit ein. Ständig entdeckt man etwas, das man aus der eigenen Vergangenheit wiedererkennt. Längst ist nicht alles zu sehen, ungefähr die doppelte Menge ist noch im Lager, schätzt Hüsges. Bevor Exponate im Museum landen, wird alles durchgesehen, gereinigt, vervollständigt oder rekonstruiert. Basteln ist nämlich ein weiteres Hobby der Beiden.

Mehr Infos unter 0152/57335389, per E-Mail an trabi-manni@freenet.de, auf Facebook oder auf http://ddr-museum-döberitz.de.

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