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Landrat und Unternehmervereinigung suchen Gespräch vor Ort / Firmenbesuch in der Landwirtschaft

Wirtschaftskraft vom Acker

Treffen am Feldrand: Landrat Dietmar Schulze (2. v. l.) im Gespräch mit Landwirt Heinz Frick (r.), Siegmund Bäsler und Kathrin Grothe von der Unternehmervereinigung sowie dem Angermünder Stadtverordneten Olaf Theiß (l.)
Treffen am Feldrand: Landrat Dietmar Schulze (2. v. l.) im Gespräch mit Landwirt Heinz Frick (r.), Siegmund Bäsler und Kathrin Grothe von der Unternehmervereinigung sowie dem Angermünder Stadtverordneten Olaf Theiß (l.) © Foto: MOZ
Daniela Windolff / 09.05.2014, 06:45 Uhr
Gellmersdorf (MOZ) Landwirtschaft ist der prägende Wirtschaftszweig in der Uckermark. In der Unternehmervereinigung spiegelt sich das allerdings nicht wieder. Nur zwei Landwirtschaftsunternehmen sind Mitglied dieses Interessenverbunds. In der Region Angermünde ist Heinz Frick aus Gellmersdorf der einzige Landwirt.

Spricht man von Wirtschaft in der Uckermark sind meist das PCK, die Papierfabrik oder Enertrag gemeint. Dabei ist die Uckermark traditionell ein Agrarkreis, in dem Landwirtschaft dominiert, von der großen Agrar GmbH bis zum kleinen Familienbauernhof. 63 Prozent der gesamten Kreisfläche wird landwirtschaftlich genutzt. Immerhin jeder 12. Erwerbstätige arbeitet in der Landwirtschaft. Das ist weit über dem Landesdurchschnitt.

Kein Wunder, dass die Unternehmervereinigung Uckermark auch großes Augenmerk auf diesen wichtigen Wirtschaftszweig in der Region legt, auch wenn sich das in der Mitgliederzahl nicht niederschlägt. Und so stand mit Heinz Frick in Gellmersdorf auch das einzige landwirtschaftliche Mitglied der Region Angermünde auf dem Besuchsprogramm des Landrates, der regelmäßig mit der Unternehmervereinigung Firmen der Region besucht, um ins Gespräch zu kommen.

Heinz Frick hat einiges auf dem Herzen, was er dem Landrat Dietmar Schulze und dem Chef der Unternehmervereinigung, Siegmund Bäsler mit auf den Weg geben möchte, von überteuerten Bodenpreisen über enorme Biberschäden bis zur schwierigen Betriebsnachfolge.

Mit Dietmar Schulze trifft der Gellmersdorfer den richtigen Gesprächspartner. Für den ehemaligen Amtsleiter für Landwirtschaft und Agrarminister ist die Branche Herzenssache. Er kennt sich aus und spricht die Sprache der Bauern, versucht jedoch auch vermittelnd auszugleichen, zum Beispiel, wenn es um Windräder geht, von denen Gellmersdorf genug hat. Immerhin fällt etwas Erlös für den Dorfverein ab.

Für Schulze steht und fällt die Akzeptanz auch mit einem unmittelbaren finanziellen Nutzen, den betroffene Kommunen aus Windanlagen ziehen sollten, richtet er sein Unmut in Richtung Gesetzgebung. Auch mit dem laufenden Flurbereinigungsverfahren im unteren Odertal versuche man, Interessenkonflikte zwischen Naturschutz und Landnutzern auszugleichen. Dabei sei zudem viel Geld für Investitionen in die Gemeinden geflossen. Auch Gellmersdorf profitiert.

Heinz Frick ist nicht nur Landwirt, sondern auch Ortsvorsteher in Gellmersdorf und sieht es mit Freude, wenn ein altes Bauernhaus nach dem anderen im Ort saniert wird. Auch darauf weist er den Landrat hin. Unterstützung und Förderung sei auch für dörfliche Infrastruktur und Baukultur wichtig. Gerade nimmt sich ein Unternehmer eines Schandflecks mitten im Dorf an und müht sich mit der aufwändigen Sanierung eines alten Stallgebäudes.

Heinz Frick hat nach der Wende selbst mit seinem Bruder Johann die ehemaligen LPG-Ställe übernommen. Eigentlich ist er Maler von Beruf. "1992 hat mich mein Bruder überzeugt, in die Landwirtschaft einzusteigen. Bereut habe ich es nicht", erzählt er. Begonnen haben die Fricks mit einem kleinen Nebenerwerb. Heute bewirtschaftet Heinz Frick rund 300 Hektar und betreibt seit 1993 im ehemaligen LPG-Kuhstall eine Entenaufzucht. Zwei Gellmersdorfer sind bei ihm angestellt. Heinz Frick denkt ans Aufhören. Er ist 67, sein Bruder 75. Die Nachfolge ist schwierig.

Siegmund Bäsler informiert über ein neues Programm der IHK, das durch Einstiegsteilzeit jungen Menschen neue Berufsperspektiven eröffnen und Unternehmen Fachkräfte sichern will.

Gerade haben sich Fricks ein zusätzliches Standbein aufgebaut: In einem ehemaligen Schweinestall sind Ferienwohnungen im urigen Landhausstil entstanden, gefördert durch ILE-Mittel.

Landrat Dietmar Schulze sieht es mit Wohlwollen, dass Förderprogramme nicht nur direkt der Landwirtschaft nützen, sondern auch auf andere Bereiche verteilt werden, um dörfliche Identität und zusätzliche Einkommen auf dem Lande zu sichern.

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