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"Einmal Igelspagat, bitte"

ellen werner / 03.02.2010, 08:06 Uhr
Böhmerheide () Verletzten Igeln zieht sie schon mal mit der Pinzette Würmer aus dem Leib. In ihrer privaten Igelstation in Böhmerheide gewährt Gabriele Dunst den Stacheltieren Winterquartier. Angefangen hat alles vor zehn Jahren.

Igel aus Stoff, Igel aus Papier und Igel aus sonstigem Material bevölkern das Haus von Gabriele Dunst. Vor allem aber Igel aus Fleisch und Blut. So wie Kuddel aus Ahrensfelde. Der Stachelknabe ist seit dem 1. November ihr Gast. 382 Gramm hat er da gewogen - zu wenig, um Winterschlaf zu halten. "Der Igel nimmt im Winterschlaf ein bis zwei Drittel seines Gewichtes ab", erklärt die Igelpflegerin. Auf die nötigen 800 Gramm bringt es Kuddel jetzt knapp. Eingeschlafen ist er trotzdem noch nicht. Im Moment tropft ihm die Nase, wenn sie ihn ins Wohnzimmer holt. "Viele husten, wenn sie ins Warme wechseln", sagt Gabriele Dunst. Und nicht nur dann. Der Husten ist ein Hinweis auf den Befall mit Lungenwürmern. "Verwurmt sind die Igel zu 98 Prozent."

Deshalb kommen sie nach ihrer Ankunft im Zeisigsteg erst einmal ins Wohnzimmer und kriegen eine Wurmkur. Den Winterschlaf halten sie dann im Außengehege in ihrem Garten. Dort war es bei dem starken Frost der vergangenen Wochen zu kalt für die Tiere. Neun Igel behausen derzeit die Innengehege im "Kombi-Raum". "Fünf sind wach, der Rest schläft - das ist fast schon langweilig", meint die gelernte Arzthelferin. 70 Tiere sind allein seit dem Herbst durch ihre Hände gegangen. Aus Finowfurt etwa wurde eine "proppere Mami" gebracht, die bereits der Familienhund im Maul hatte. Die sechs zugehörigen Igelbabies, die am 2. Lebenstag gerade einmal 18 Gramm wogen, noch blind und taub waren, hat Gabriele Dunst per Hand aufgezogen. "Vier habe ich durchgekriegt und ausgewildert."

Einen Namen erhält jedes Stacheltier, das bei ihr ankommt. Passend zum jeweiligen Geschlecht: "Mach mal Igelspagat, bitte", sagt sie zu Kuddel und zeigt den kleinen Unterschied, den "Igelwutz".

Angefangen hat alles vor zehn Jahren. "Mein damaliger Mann fand einen kleinen Igel vor dem Tor. Dann war's Liebe auf den ersten Blick - seitdem riecht es hier etwas strenger." Sie hat Literatur besorgt, sich mit Tierärzten beraten und die Igelstation eingerichtet, 2002 bekam sie eine offizielle Hegegenehmigung von der Kreisverwaltung.

"Kein niedliches Hobby", meint die Böhmerheiderin. Urlaub ist nicht drin. Als Pflegemama rührt sie für die Kleinen alle vier Stunden Welpenmilchpulver mit Fencheltee an, auch nachts. Dazu kommen Füttern, Säubern der Schlafkisten, tägliches Wiegen, Pflegeprotokolle, Arztbesuche ... Eher nebenbei besorgt Gabriele Dunst jede Menge Zeitungspapier. Daraus schreddert sie "Bettwäsche" für die stachligen Bewohner.

Am meisten zu tun hat sie aber ab September, "wenn kleine Igel hilflos herumirren". Zwei Mal im Jahr werfen die Tiere. Zu diesen Zeiten, sagt Gabriele Dunst, klingele das Telefon dann bis zu 40 Mal am Tag. Anrufe von ratsuchenden Igelfindern kommen aus dem ganzen Bundesgebiet. Und weil ihre Igelstation im Umkreis von 25 Kilometern die einzige sei, kommen auch die Igel oft von weiter her. Nicht selten sind sie verletzt, humpeln, haben "aufgeschlitzte Bäuche" - nicht nur von natürlichen Feinden, sondern oft genug von Rasentraktoren.

Im März, nach dem Winterschlaf, sieht sich Gabriele Dunst ihre Igelkinder ganz genau an. Wenn es ihnen gut geht, kommen sie in die freie Natur. Viele, die die Tiere abgegeben haben, holen sie dann aber auch zurück in den Garten. Kuddel hat deshalb ein paar rote Stacheln auf dem Rücken. Markiert mit Nagellack - "damit ich ihn wieder erkenne."

Die Igelstation ist unter Tel.  33393 66286 zu erreichen.

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