Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Nach 25 Jahren erstmals Urlaub

Kennt jedes seiner 60 Tiere: Bauer Herbert Gesche aus Buchholz im Kuhstall seines Familienbetriebes.
Kennt jedes seiner 60 Tiere: Bauer Herbert Gesche aus Buchholz im Kuhstall seines Familienbetriebes. © Foto: MOZ /Gerd Markert
Gabriele Rataj / 26.05.2014, 07:03 Uhr
Buchholz (MOZ) Die UNO hat das Jahr 2014 offiziell zum Internationalen Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe erklärt. In Altlandsbergs kleinstem Ortsteil Buchholz zählt der Landwirtschaftsbetrieb von Katrin und Herbert Gesche dazu.

"Ich kaufe immer Produkte der Marke, die die Molkerei produziert, wo unsere Milch hinkommt. Auch wenn sie vielleicht ein paar Cent teurer sind als andere. Ich bilde mir dann ein, das heraus zu schmecken", sagt Kat-rin Gesche, wohl wissend, dass es zig andere Milcherzeuger gibt, von denen die Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft Milch auf- und an Molkereien verkauft.

Die Verbindung zum eigenen Produkt soll in gewisser Weise erhalten bleiben. So, wie sie zu den 60 schwarz-bunten Kühen und deren Nachkommen im Stall hinter dem Bauernhof besteht. So, wie ein Bauer mit der eigenen Scholle verwachsen ist, wenn die Größenordnung überschaubar bleibt.

Das braucht es, um einen Familienbetrieb zu mögen und zu erhalten. Denn einfach ist das Leben mit einem landwirtschaftlichen Familienbetrieb beileibe nicht. Schon gar nicht, wenn hinterm Haus auf der Weide bzw. im Stall Milchkühe stehen.

2013 haben Gesches das erste Mal seit 25 Jahren Urlaub gemacht - als der Landwirt und die gelernte Baufacharbeiterin beide 50 alt geworden waren. Das erste Mal seit 25 Jahren haben sie die Wirtschaft für zwei Wochen anderen überlassen und sich selbst mit einer USA-Reise einen Traum erfüllt. "Doch das haben wir fast ein Jahr vorbereiten müssen", gesteht Herbert Gesche.

Klar, da war ihr Mitarbeiter Günter Kalisch, ohne den so eine Aktion nicht denkbar gewesen wäre. Doch zusätzlich musste eine Hilfskraft organisiert und über etliche Wochen eingearbeitet werden: Arbeiten auf dem Hof, das Futter, im Stall - bis auf das Melken, das Kalisch vorbehalten blieb. Und dann war da noch der Sohn, der nach seiner Arbeit in der Altlandsberger Landfarm zu Hause nach dem Rechten sah.

Dass alles korrekt zugeht, ist wichtig für die Qualität der Milch. Jede Kuh gibt am Tag etwa 20 Liter davon. Damit fließen gut 1000 Liter täglich in Gesches Milchtank. Bei 3,5 Grad wartet sie auf den alle zwei Tage am Hof haltenden Milchtransporter, der sie in große Molkerei-Kühltürme bringt. In der Molkerei wird Butter, Sahne, Joghurt, Pudding und mehr aus der Milch.

Doch das ist nicht alles, was bedacht sein wollte, bevor sich das Ehepaar den lange verdienten Urlaub gönnen konnte. Keine Kuh durfte in dem Zeitraum kalben, der Tierarzt musste Bescheid wissen, die Vertreter, die Service-Leute, die bei Problemen am Fischgräten-Melkstand schnellstens hätten reagieren müssen.

Und dann waren da noch die Feldwirtschaft und der Garten. Gerade Anfang Mai, wo je nach Witterung so viele Arbeiten auf dem Acker anfallen. Nach der Heimkehr ging es gleich wieder in die Vollen. "Wir haben geknüppelt wie die Kaputten", sagt Herbert Gesche. Sie haben es geschafft. Doch so schnell leisten sich Katrin und Herbert Gesche eine solche Pause nicht wieder.

"Ganz Buchholz hat sich mit uns gefreut", erinnert sich Kat-rin Gesche. Kein Wunder, sind die Bauern doch mit dem Ort verwurzelt. Wenn jemand Heu braucht, mit Körnern beliefert werden will, wenn die Frauentagsfeier organisiert und der Winterdienst gemacht werden muss, beim Storchenfest genauso wie zum Weihnachtsbaumverbrennen - Gesches sind zur Stelle.

Dieses Zusammenspiel halten Gesches für wichtig für einen Landwirtschaftsbetrieb mit Flächen ums Ort herum.  Denn so selbstverständlich, wie die Holstein-Friesländer an der nahen Chaussee weiden, ist Landwirtschaft hierzulande längst nicht mehr. Pachtflächen gilt es zu behalten, möglichst zu erwerben, bevor Investoren mit hohen Preisen locken. "Wenn ein Angebot kommt, muss man zugreifen", sagt der Landwirt, "sonst arbeiten bald keine Leute mehr von hier auf dem Feld."

Auf das Ackerland ist Gesche angewiesen, er braucht eine bestimmte Größenordnung, um das Futter für das Vieh zu sichern, Fruchtfolgen einhalten zu können. Dazu gehört der Raps als Bodenverbesserer genauso wie Mais, der als Silage zugefüttert wird. "Nicht für eine Biogasanlage", betont Herbert Gesche, "die wollen wir nicht." Winter- und Sommergetreide, ein paar Nischenprodukte, wie Zuckerrüben gehören ins Profil des Betriebes. "Aber Letztere wird es wohl bald nicht mehr geben", denkt der Landwirt. Nach dem Fall der EU-Marktverordnung würden Zuckerfabriken den Transport nicht mehr bezahlen. 200 Kilometer bis nach Könnern fallen ins Gewicht.

Denn da sind noch andere Kosten: Der Kredit für die Stallanlage muss bedient werden, die Investition in die Tankstelle mit Öllager, die Drille, den Trecker. Und die Beiträge für den Wasser- und Bodenverband. "Warum gibt es nicht, wie bei der Grundsteuer, eine Differenzierung für Eigenheimbesitzer und Flächenbewirtschafter?", fragt Herbert Gesche.

Der schwankende Grundpreis für die Milch macht ihm Sorgen. "Wenn der an die 40-Cent-Grenze je Liter käme, das wäre toll." Unter solchen Umständen ist Nachwuchs für die Landwirtschaft schwer zu finden. Sohn Berthold ist damit aufgewachsen, fand im benachbarten Altlandsberg eine Lehrstelle, wurde übernommen, will seinen Meister machen. Hoffnung für den Gesche-Hof.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG