Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Aufgeschreckte Plötzen

Wasser von oben und unten: 30 Meter vorm Ziel gab es die lang erhoffte Erfrischung für die Starter beim Köpernitzer Seelauf. Auch der Berliner Georg Donner nutzte diese Chance. Er lief hinter Holger Schlötcke und Ulrich Herzberg auf Bronze.
Wasser von oben und unten: 30 Meter vorm Ziel gab es die lang erhoffte Erfrischung für die Starter beim Köpernitzer Seelauf. Auch der Berliner Georg Donner nutzte diese Chance. Er lief hinter Holger Schlötcke und Ulrich Herzberg auf Bronze. © Foto: MZV
Matthias Haack / 09.06.2014, 21:19 Uhr
Köpernitz (MZV) Laufen durch Regionen, wo Hase und Igel sich gute Nacht sagen, das ist üblich beim Köpernitzer Seelauf. Diesmal aber wurden auch die Plötzen gestört.

"Oh, Alter, ist das geil." Stimmen zweier junger Männer schallten am Sonnabend über den Köpernitzer See. Sie badeten jüngst in dem Moment, als die Sportler den Uferweg nahmen und dabei zwei Meter an offenbar eiligst abgeworfenen Klamotten vorbeiliefen. Stefan Schulz und Holger Schlötcke bekamen das gar nicht mit. Die Führenden des Teilnehmerfeldes hatten jene Badestelle bei Kilometer drei längst passiert, als Paul Knospe und Jonas Berger aus dem ersten Drittel des Läuferpulk ausscherten, ihre Hosen ablegten und das Bad nahmen.

Stefan Schulz war das Zwölf-Kilometer-Rennen, dessen Start der Zühlener beinahe verpasst hätte, hart angegangen. Am ehesten konnte Holger Schlötcke (7,5 Kilometer-Läufer) folgen und aufschließen, weil zunächst ein offener Schnürsenkel den Führenden aus dem Tritt brachte und er später Seitenstiche bekam. "Ich bin eine Weile mit dem Zweiten gelaufen", fasste Schulz im Ziel zusammen. Doch Karsten Donner musste den hoch Aufgeschossenen ziehen lassen. Die Zieluhr blieb für Schulz nach 50:26 Minuten stehen. "Ich wollte eine 48er laufen", gestand er eine andere persönliche Vorgabe. Aber die Ursache war klar: Schwere Beine in der vergangenen Woche. Schulz, auch ein Fußballer beim RSV Maulwürfe, hatte sich am Sonntag, 1. Juni, bereiterklärt, seinem Verein aus der Personalnot zu helfen. Dass er sowohl in der zweiten Elf als auch der ersten zum Einsatz kam, das hatte Spätfolgen. Dennoch reichte es zum Sieg vor Karsten Donner und Andreas Lösecke. Er zählt zum Quintett des Ruppiner Triathlonvereins, das dieses Laufevent als Training nutzte. Mit Ulrich Herzberg und Mario Loskant ging es auf den Rennrädern eineinhalb Stunden vorm Wettkampf von Neuruppin nach Köpernitz (23 Kilometer). Nach der Siegerehrung folgte die Rücktour: fünf Kilometer zum erneuten Erwärmen der Muskulatur, um "auf der weniger befahrenen Waldstrecke bis Alt Ruppin richtig Feuer zu machen", wie Loskant sagte. Er wurde zuletzt zum zweiten Vorsitzenden des Vereins gewählt und wurde in 57:14 Minuten Sechster. Andreas Lösecke (52:18) lief trotz leichter Kniebeschwerden zu Bronze.

Hinter Holger Schlötcke (30:48 Minuten) belegte Ulrich Herzberg Rang zwei (32:59). Kurz dahinter folgte unter anderem Jörg Piekarski. Der Lokalmatador strahlte vor Freude über seine Zeit: 36:13 Minuten, "das sind vier Minuten schneller als noch im vorigen Jahr". Piekarski trainiert jetzt intensiver, "meistens zweimal die Woche".

Sehr zufrieden zeigte sich Judith Tolander mit Silber in 38:31 - die einzige Starterin aus dem Triathlonverein. "Am Freitag habe ich in der Zeitung gelesen, dass hier gelaufen wird." Also nutzte sie beim "Heimaturlaub" diese Chance. Tolander studiert in Zwickau und war zuletzt über Ostern zu Hause.

Als Drittplatzierter ins Ziel gekommen und dennoch mit viel Applaus bedacht: Werner Risse ließ es sich nicht nehmen, trotz der Extremhitze die Laufschuhe zu schnüren. Der Wittstocker kehrte nach 27:57 Minuten von der Drei-Kilometer-Strecke zurück - eigentlich eine Distanz für bis zu 13-Jährige. Dass Risse diese Grenze um 78 Jahre überschritt, "duldete" der Veranstalter nicht nur, Moderator Dietmar Cuba honorierte dies mit sehr warmen Worten. Schnellster im Ziel waren der neunjährige Frederick und die elfjährige Amelie Schmücker.

Auch Paul Knospe und Jonas Berger querten mit nacktem Oberkörper die Ziellinie - mit einer erstaunlichen Zeit von etwa 48 Minuten: das Aufschrecken der Hasen, Igel und Plötzen abgezogen, hätte dieses Duo durchaus um den Pokal mitkämpfen können. Aber beide hatten sich nicht als offizielle Starter eingetragen, sind nur aus Freude mitgelaufen. "Sonst wären es 50 gewesen", frohlockte Dietmar Cuba. Das sind zwar 22 weniger als beim Rekord im Jahr 2008, aber auch das Fünffache der Starterzahl beim Debütlauf im Juni 1996.

Im kommenden Jahr begeht die Mannschaft um Wolfgang Schönberg, die wieder eine erstklassige Erbsensuppe überm offenen Feuer hinzauberte und eine umfangreiche Tombola für die Läufer organisierte (beinahe jeder bekam ein Präsent), ein Jubiläum: 20 Jahre Köpernitzer Seelauf, getragen von einer kleinen Gruppe laufbegeisterter Bewohner des Rheinsberger Ortsteiles. Anfang Juni 2015 öffnen Schönberg, Cuba & Co. also ein neues Kapitel.

Übrigens gibt es zwei, die an allen 19 Auflagen dabei waren: Margit Sandke aus Frankfurt/Oder sowie Gerd Auricht aus Rheinsberg. Ihn begleitete auf den letzten Metern sein Enkel ins Ziel. "Mensch, ist das eine tolle Geste", schallte es um 11.20 Uhr durchs Mikrofon über die Köpernitzer Dorfstraße.

Kommentare

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG