Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Heute öffnet in Althüttendorf neue Dauerausstellung über Fischerei am Grimnitzsee / Von falschen Perlen bis Karpfenintensivzucht

Der große Fang

Volle Netze: Heute bewirtschaftet die Seenfischerei Angermünde den Grimnitzsee. Auf dem Foto hält Fischer Stephan Krabbe das mit Karpfen gefüllte Netz.
Volle Netze: Heute bewirtschaftet die Seenfischerei Angermünde den Grimnitzsee. Auf dem Foto hält Fischer Stephan Krabbe das mit Karpfen gefüllte Netz. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 20.06.2014, 06:45 Uhr
Althüttendorf (MOZ) Über die Fischerei am Grimnitzsee informiert eine neue Ausstellung im Naturbeobachtungsturm. Die kleine Exposition spannt den Bogen von den Anfängen Ende des 17. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Und sie fängt fast Vergessenes ein, wie das Kapitel der unechten Perlen.

Es ist die Geschichte vom falschen Schein bzw. vom falschen Schmuck. Gewonnen aus dem Schuppenkleid der Ukelei, einem relativ kleinen karpfenartigen Fisch. Die Geschichte reicht zurück ans Ende des 19. Jahrhunderts. Damals hatte Fischer Gustav Otto, dessen Familie schon seit Generationen den Grimnitzsee bewirtschaftete, das Sagen. Ein umtriebiger Mann. Dank Aalzucht ist er zu Wohlstand gekommen. Bis zu 200 Zentner soll er im Jahr aus dem Wasser geholt haben.

Die Ukelei indes war kaum von Bedeutung. Im Gegenteil. Sie war Otto sogar ein Dorn im Auge. Bis er sich einer "Erfindung" besann: der Herstellung von "Fischsilber" aus den Schuppen. Aus den Guaninkristallen in den Schuppen lässt sich eine sogenannte Perlenessenz gewinnen. Otto ließ die Ukelei im Grimnitzsee mit engmaschigen Zugnetzen fangen, Frauen schuppten die Fische, die Schuppen wurden in Fässern eingesalzen, verpackt - und zur Weiterverarbeitung nach Berlin versandt. Um schließlich als Silber- und Fischsilberlack in Lauscha, dem Zentrum der damaligen Glasperlenindustrie, bei der Produktion künstlichen Schmucks Verwendung zu finden. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 brach das Geschäft zusammen.

All dies und noch mehr erfährt der Besucher des Naturbeobachtungsturms in der Ausstellung "Fischerei am Grimnitzsee". An Stelen, in Zeitdokumenten, alten Unterlagen und Fotos - sowie in einem Video unter dem Titel "Schön, aber falsch". Produziert vom TV-Sender rbb. "Nein, dieser Film ist kein Auftragswerk von uns", sagt Christine Nieter, Tourismuskoordinatorin im Amt Joachimsthal (Schorfheide). Den Streifen gebe es schon seit einigen Jahren. Aber er passe perfekt in die Exposition, findet sie. Eine Ausstellung, die Sagenhaftes festhält und die die wechselvolle Geschichte der Fischerei am Grimnitzsee dokumentiert. Mit all ihren Höhen und Tiefen. Mit einer relativ natürlichen Bewirtschaftung, aber auch mit der Karpfenintensivhaltung zu DDR-Zeiten. Zu Spitzenzeiten (um 1970) wurden immerhin 250 Tonnen Speisekarpfen gefischt. Was nicht ohne Konsequenzen etwa auf den Bestand anderer Arten blieb.

"Früher", so erinnert sich Althüttendorfs Bürgermeister Siegfried Ortlieb, "hat der See viele Menschen ernährt." Nicht nur wegen des Fisches. Das Schilf wurde geerntet und in der Bauwirtschaft eingesetzt. Im Winter wurde Eis gesägt oder geschnitten - als Kühlmittel beispielsweise für Fleischereien. "Und das Wasser hat den Bauern ernährt", fügt Olaf Keller, Vorsitzender des örtlichen Heimatvereins, hinzu. Derweil reparieren Burkhard Sauermann und Ralf Hilbert draußen noch einen alten Angelkahn. Einen Holzkahn, wie er über Jahrhunderte auf dem Grimnitzsee im Einsatz war. "Auch eine Schilfschneidemaschine bauen wir noch auf", kündigt Christine Nieter an.

Die Idee für diese Exposition, verrät sie, bestand schon seit Längerem. Im vorigen Jahr nahm das Projekt schließlich Gestalt an. Mit einem Votum des Althüttendorfer Gemeinderates - und natürlich der Bereitstellung finanzieller Mittel, etwa 38 000 Euro. Die Firma Iconda erhielt den Zuschlag für die künstlerische Umsetzung. Inhaltlich zeichneten vor allem Ortschronist Jürgen Kutschke aus Joachimsthal, Ewald Dersinske, früher Direktor des VEB Binnenfischerei Frankfurt (Oder), sowie Amtsdirektor Dirk Protzmann verantwortlich. Wobei Gemeinde und Heimatverein sozusagen Hand in Hand arbeiteten. Und so sind Siegfried Ortlieb sowie Olaf Keller überzeugt, dass Althüttendorf mit der kleinen Schau ein wirklich großer Wurf gelungen ist.

Ausstellungseröffnung: heute, 19 Uhr, im Naturbeobachtungsturm am Ufer des Grimnitzsees; Öffnungszeiten in der Saison: Montag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr, Sonntag von 13 bis 16 Uhr

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG