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Allen Rückschlägen zum Trotz

Der Ofen steht schon: Diethelm Bubbel hat eine neue Idee, um wieder mehr Menschen für sein Zollhaus zu interessieren. Er möchte dort Veranstaltungen organisieren. Dafür hat er auch einen steinernen Ofengrill bauen lassen.
Der Ofen steht schon: Diethelm Bubbel hat eine neue Idee, um wieder mehr Menschen für sein Zollhaus zu interessieren. Er möchte dort Veranstaltungen organisieren. Dafür hat er auch einen steinernen Ofengrill bauen lassen. © Foto: MZV
Brian Kehnscherper / 23.06.2014, 18:24 Uhr
Dierberg (RA) Diethelm Bubbel hat sein Leben einem Ziel gewidmet: Er will das ehemalige Zollhaus bei Dierberg erhalten und für die Öffentlichkeit erlebbar machen. Dabei hat er immer wieder Rückschläge hinnehmen müssen. Nun plant der Rentner, das historische Gebäude zu einem Ort für Kleinkunst zu machen.

Musikkonzerte, Kabarettabende, Kunstausstellungen - all das möchte Diethelm Bubbel hinter dem alten Zollhaus an der B122 zwischen Dierberg und Köpernitz anbieten. "Bubbels Art Pub", so könnte das Gebäude später heißen. Als Veranstalter selbst möchte der Rentner aber nicht fungieren. Zu groß ist ihm der behördliche Aufwand. Vielmehr möchte er sein Grundstück an Leute vermieten, die eine Bühne oder einen Veranstaltungsort suchen. Diese Möglichkeit will er in dem Gebäude hinter dem Backsteinhaus bieten.

Die kleine Holzhütte hinter dem denkmalgeschützten Zollhaus ist Diethelm Bubbels Atelier. Aquarelle des 65-Jährigen hängen an der Wand. Dazwischen befindet sich eine kleine Chronik des Zollhauses und ein Brief von Loriot. Zwei Mal war Vicco von Bülow, so Loriots bürgerlicher Name, zu Gast in dem Haus an der B 122. Damals betrieb Bubbel mit seiner Ehefrau dort noch eine Gaststätte. Zur Mittagszeit war diese regelmäßig gefüllt. Loriot schien es dort so gut gefallen zu haben, dass er eine Zeichnung mit Widmung hinterließ. Darauf ist Bubbel besonders stolz.

Die Tage der Gaststätte sind lange vorbei. 2009 musste Bubbel sie schließen. Seine Frau hatte einen Arbeitsunfall erlitten. Seitdem ist sie pflegebedürftig. Allein schaffte Bubbel es nicht mehr, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Er schloss die Gaststätte mit einem Minus von 60000Euro. Seitdem bietet er gelegentlich Getränke für Autofahrer an, die Rast am alten Zollhaus machen. Viel Geld verdient er damit nicht. "Da kommen vielleicht mal zwei am Wochenende vorbei", sagt er. Ohnehin hatte er mit dem Gebäude immer wieder Pech. Dabei hegt er eine solche Leidenschaft dafür.

Das "Geldeinnahmehaus Dierberg", wie es in der preußischen Verwaltung hieß, wurde 1875 errichtet. Die Chaussee von Lindow nach Rheinsberg, die 1849 fertiggestellt wurde, sollte über Mautabgaben finanziert werden. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Objekt überflüssig.

Im Alter von 26 Jahren stieß der damalige Ostberliner auf das Zollhaus und verliebte sich darin. Zwar war es bereits zerfallen, doch Bubbel hatte eine Vision. Er wollte dort eine Ausstellung über das Zollwesen und Oldtimer machen. Er selbst war passionierter Sammler alter Fahrzeuge. 1975 erwarb er das Gebäude. Sanieren konnte er es nicht. Erst nach der Wende war es ihm möglich. "Es waren quasi nur die Grundmauern übrig. Das Dach war kaputt, die Fenster raus, die Böden waren marode, es gab keinen Strom und kein Wasser", erinnert er sich. Er steckte mehrere 100000Euro in die Sanierung. Aus seinem Ziel, dort ein Museum einzurichten, wurde nichts. Die Rheinsberger Stadtverwaltung stellte sich gegen die Pläne. Bubbel meint, sie hatte daran kein Interesse. Schon Anfang der 1990er Jahre war ihm bereits der Betrieb einer Pension verwehrt worden. Der dazu nötige Anbau wurde nicht genehmigt. Also eröffnete er die Gaststätte "Zum alten Zollhaus".

Inzwischen dient das Gebäude vor allem als Wohnort für Bubbel und seine Frau. Den Ruhestand nutzt der 65-Jährige zum Schreiben. "Ausschließlich Biografisches", wie er sagt. Seit 2012 wurden Texte von ihm in dem Band "Prosa De Luxe" veröffentlicht. Erinnerungen an seine Zeit in der DDR wurden in das Werk "Damals wars" aufgenommen. Sein vergeblicher Kampf um den Betrieb eines Museums im Zollhaus ist in "Die großen Themen unserer Zeit - Autoren im Dialog 2012" im Frieling-Verlag erschienen. Gemeinsam mit 17 weiteren Autoren schreibt er darin über das Thema "Wut- oder Mutbürger".

Trotz all der Rückschläge möchte Diethelm Bubbel sich nicht entmutigen lassen. "Ich bin zwar 65, habe aber noch viel vor. Wer nicht plant, ist schon tot", sagt er. Bevor er sein nächstes Projekt "Bubbels Art Pub" ernsthaft angeht, möchte er in einem Testballon sehen, wie gut das Zollhaus als Veranstalttungsort funktioniert. Er hat viele Leute zu einer Privatfeier eingeladen. Drei Bands sollen auftreten. Sollte der Abend erfolgreich werden, hofft er, dass sich weitere Künstler für sein Gebäude interessieren. "So lange ich lebe, will ich es erhalten und Menschen zugänglich machen."

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