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Das verspätete Jubiläum

Der Anführer: Linows Feuerwehr feiert im August ihr 105-jähriges Bestehen. Mehr als ein Drittel dieser Zeit ist Burkhardt Stranz Mitglied. 1977 trat er bei. Seit 20 Jahren ist er Einheitsführer.
Der Anführer: Linows Feuerwehr feiert im August ihr 105-jähriges Bestehen. Mehr als ein Drittel dieser Zeit ist Burkhardt Stranz Mitglied. 1977 trat er bei. Seit 20 Jahren ist er Einheitsführer. © Foto: MZV
Brian Kehnscherper / 14.07.2014, 16:16 Uhr
Linow (RA) Ihren 100. Geburtstag konnte die Linower Feuerwehr nicht feiern. Das Gründungsdatum der Einheit war damals nicht offiziell bestätigt. Nun holen die freiwilligen Retter die Jubiläumsparty nach und feiern das 105-jährige Bestehen ihrer Wache.

Lange galt 1932 als Gründungsjahr der Feuerwehr in Linow. Eher durch Zufall stieß Einheitsführer Burkhardt Stranz bei einem Bekannten auf historische Unterlagen, aus denen hervorging, dass der damalige Gemeinderat bereits 1909 den ersten Spritzenmeister in Linow bestätigte.

Dieser Hinweis genügte dem Kreisfeuerwehrverband jedoch nicht, um das Gründungsjahr zu korrigieren. Stranz recherchierte weiter. Im Potsdamer Landesarchiv fand er Unterlagen, die seine Vermutung bestätigten. Ein Amtsrat Henning erkundigte sich 1907 danach, was notwendig wäre, um in Linow eine Feuerwehr zu gründen. In einem Protokollbuch fand Stranz eine Liste mit nötigen Reparaturen an Einsatzgeräten. Und der Einheitsführer stieß erneut auf besagten ersten Spritzenmeister, der 1909 ernannt wurde. 2010 wurde jenes Jahr als Gründungsjahr anerkannt - zu spät, um das 100.Jubiläum zu begehen.

Also holen die Linower ihre Feier zu einem unrunden Jahrestag nach. Am 29. und 30.August wird das 105-jährige Bestehen der Wehr zelebriert. Beim großen Festumzug durchs Dorf werden neben Einheiten aus allen 15 Ortsteilen Rheinsbergs, der befreundeten Einheit aus Lindow und dem Technischen Hilfswerk alle Vereine Linows dabei sein. Und das sind nicht wenige - Heimat- und Kulturverein, Kindergartenverein, Sport- und Schützenverein, um nur einige zu nennen. Ohnehin ist das ehrenamtliche Engagement in dem Ort groß. Allein in der Feuerwehr sind mit Jugendabteilung, Aktiven sowie Alters- und Ehrenabteilung 56 der 360 Einwohner beteiligt.

Und Wehrführer Stranz hat selbst einen großen Teil der Geschichte der Einheit mitbekommen. 1977 trat er als 16-Jähriger bei. Seit 20 Jahren ist er Einheitsführer. Dass er bei der 105-Jahr-Feier also ein persönliches Jubiläum zelebrieren kann, daraus möchte er kein großes Aufheben machen. Lieber schwelgt er in Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit seinen Kameraden. Dabei fallen ihm nicht nur schöne Dinge ein. In den 1970er-Jahren hielt ein Brandstifter das Dorf in Atem. "Fast jeden zweiten Samstag ging die Sirene", so Stranz. Weil sich niemand verdächtig machen wollte, sei in der Gaststätte keiner mehr allein auf die Toilette gegangen. Zwölf Mal brachen Feuer aus. 26 Brände wurden entdeckt und gelöscht, bevor sie großen Schaden anrichten konnten. Der Täter wurde nie erwischt. "Entweder ist er gestorben oder weggezogen. Auf einmal war Schluss", so Stranz.

Für den Einheitsführer gehört neben den Einsätzen auch das gesellige Beisammensein zum Feuerwehrleben dazu. "Bei den Feiern wird schon mal was getrunken", sagt er lachend. Schließlich stärke das auch den Zusammenhalt. Der wird ohnehin groß geschrieben in Linow. In Eigeninitiative bauten die Mitglieder Mitte der 1990er Jahren eine Garage mit zwei Stellplätzen an die Wache an. "Wie viele Arbeitsstunden wir da reingesteckt haben, kann man gar nicht aufzählen", sagt der stellvertretende Einheitsführer Bodo Rieck. Und schon zu DDR-Zeiten haben die freiwilligen Retter eine alte Scheune zu einem Versammlungsraum ausgebaut. Ohnehin gehören Improvisation und Beharrlichkeit offenbar seit jeher zu den Grundtugenden der Linower Feuerwehrleute. Stranz erzählt, dass die Linower es in den ersten Jahren der Wehr schafften, einen Schlauchwagen zu bekommen, obwohl sie noch gar nicht an der Reihe waren. Aber die Bauern sammelten Getreide und stellten ein Schlachtschwein, das sie den Entscheidungsträgern gaben. Schon hatte Linow sein gewünschtes Fahrzeug. Und weil es in den 1970er Jahren keinen Einsatzwagen gab, besorgten sich die Kameraden einen Militärtransporter und malten diesen rot an.

Der Ruf, trinkfest zu sein, der wohl allen Feuerwehren vorauseilt, wird in Linow auf die Schippe genommen. Für Veranstaltungen hat die Einheit eine Showtruppe, die einen Löschangriff mit einer alten Spritze nachgestellt, die noch per Hand bedient werden muss. Dafür wird ein altes Plumpsklo angezündet. "Wenn die Jungs zehn Meter gerannt sind, haben sie natürlich erst mal Durst und müssen was trinken", schildert Stranz. Und wenn sie merken, dass vorne Wasser ankommt, wird wieder ein Schluck fällig.

So launig diese Einlage ist, beim Jubiläum wird sie wohl nicht zu sehen sein. Anlässe anzustoßen wird es dennoch zu Genüge geben - auch mit fünf Jahren Verspätung.

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