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Die Häuserretter

Wolfgang Thiede von der Firma iBS putzt jeden alten Ziegelstein der verfallenen Gutsscheune per Hand.
Wolfgang Thiede von der Firma iBS putzt jeden alten Ziegelstein der verfallenen Gutsscheune per Hand. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Daniela Windolff / 23.07.2014, 22:00 Uhr - Aktualisiert 24.07.2014, 17:04
Gellmersdorf (MOZ) Sie mauern mit alten Feldsteinen, putzen historische Biberschwanzziegel, stampfen Lehm und wickeln in die Wände Stroh vom Roggen, den sie auf dem Acker hinterm Haus selbst angebaut haben - weil er langstielig sein muss. Sie bauen wie vor hundert Jahren, legen Streuobstwiesen an und machen Heu.

Matthias "Matze" Ciupka, der Zimmermann, Theatermensch und Buchautor aus Berlin, baut mit seiner Familie in Gellmersdorf an seinem Lebenswerk. Mit Thomas Heiduck, dem Tischler aus Gellmersdorf, und anderen wandernden Handwerkergesellen hauchen die Häuserretter mit der Bedächtigkeit und Gründlichkeit des uckermärkischen Landlebens dem 300 Jahre alten Kossätenhof wieder seine Seele ein.

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Das Bauen braucht Zeit, nicht nur, weil die Handwerker auf vielen Baustellen der Region, wo historische Bausubstanz gerettet werden soll, unterwegs sind, sondern auch, weil alles Handarbeit ist, jedes historische Detail des verfallenen und vergammelten Hauses behutsam originalgetreu aufgearbeitet oder nachgestaltet wird, vom ursprünglichen Lehmgefache bis zum Holzsprossenfenster. Und sogar die typische Holzlaube vor der Eingangstür haben die neuen Hauseigentümer nach dem einzigen historischen Foto des Hofes wieder aufgebaut. "Mich hat es immer aufs Land gezogen, ich wollte als Kind Bauer werden", erzählt der Westberliner, der Zimmermann lernte und sich nun in Gellmersdorf seinen Traum erfüllt. Irgendwann zieht Ciupka mit seiner Frau, eine Architektin, und den fünf Kindern ganz nach Gellmersdorf.

Tochter Emma (12) kann sich das gut vorstellen. Sie verbringt gerade die Sommerferien beim Papa auf der Baustelle, radelt durchs Dorf oder ins benachbarte Lunow zum Reiten und liebt es, im Wolletzsee zu baden. "In Gellmersdorf kann man eine tolle Kindheit erleben", bestätigt auch Thomas (26), der Tischler, aus eigener Erfahrung, der nach acht Jahren Berlin wieder ins Heimatdorf zurückkehrte und beim Sanieren alter Häuser bleibende Spuren hinterlässt.

Auch mitten im Dorf sind Häuserretter am Werk. Der Gellmersdorfer Bauunternehmer Ferenc Sarközi hat sich eines der verfallensten Gebäude auf dem ehemaligen Gutshof angenommen und will den Schandfleck in ein Schmuckstück verwandeln - ein Abenteuer. In der Stallruine sollen drei altersgerechte Wohnungen entstehen. "Wir haben jetzt schon Anfragen aus dem Dorf, wann das Haus fertig wird", berichtet Ehefrau Gisela. Eigentlich wohnen Sarközis in Stolpe. In Gellmersdorf sanierten sie ein altes Haus, etablierten dort ihre Baufirma iBS, beschäftigen Angestellte aus dem Dorf. Gisela ist Mitglied im Dorfverein, Ferenc im Angelverein. "Wir fühlen uns als Gellmersdorfer."

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matthias ciupka 03.01.2017 - 22:41:16

Die Häuserretter / Richtigstellung

Zu ihrem Artikel muss ich hier im Zuge unserer Tätigkeit als Häuserretter etwas klar stellen. Sie als Verfasserin des Artikels benutzen oder zitieren einen stark prägenden Terminus, Begriffe wie: vom "zerfallene Gutsscheune", "Schandfleck" , "Das verfallenste Gebäude". Nichts von dem stimmt. Der in Ihrem Artikel angesprochene lange Kuhstall, zum Gutshaus gehörig war völlig intakt und wurde mutwillig einmal in der Mitte zersägt und dieser Mittelteil abgerissen. Wir als Häuserretter müssen uns deshalb hier von diesem Artikel distanzieren, da er unseren "Namen" und sogar Firmennamen trägt aber nur zur Hälfte wahr ist, da WIR Häuser retten und nicht zerstören. Häuserretter Kiri Westphal und Mats Ciupka

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