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Familie Bienes Acosta wandert nach Norwegen aus / Montag bricht sie mit dem Auto in die neue Heimat auf

Abschied von Kohlsdorf

Auf ihrem Grundstück in Kohlsdorf: Nestor, Louisa und Beatrix und Bienes Acosta (v.l.) nehmen Abschied
Auf ihrem Grundstück in Kohlsdorf: Nestor, Louisa und Beatrix und Bienes Acosta (v.l.) nehmen Abschied © Foto: MOZ
Ruth Buder / 24.07.2014, 19:25 Uhr
Kohlsdorf (MOZ) Die Kohlsdorfer Familie Bienes Acosta wandert nach Norwegen aus. Die Möbel sind schon dort in der neuen Wohnung, am Montag früh um 5 Uhr startet die 20-stündige Fahrt mit dem Auto in die neue Heimat.

Nein, ganz ohne Wehmut geht Beatrix Bienes Acosta nicht. Schließlich hat sie 15 Jahre in dem von ihnen sanierten Bauernhaus Kohlsdorf gewohnt, war hier viele Jahre im Ortsvorstand und Ortsbürgermeisterin. Bei der letzten Wahl im Mai kandierte sie nicht mehr. Da war klar, dass sie und ihre Familie endgültig nach Norwegen gehen werden. "Es ist eine Entscheidung für die Familie", betont die 53-Jährige, die zuletzt als Geschäftsführerin in der Wohnstätte für psychisch Kranke des Vereins Beeskomm eine ausgefüllte Arbeit hatte.

Schon seit 2006 arbeitet ihr Mann Nestor in dem skandinavischen Land. Er ging aus Deutschland weg, weil er als Zimmermann ständig die Arbeitsstellen wechseln musste, weil er unzufrieden war mit seinen Jobs, Firmen oft Pleite gingen. Auf seiner letzten Arbeitsstelle auf der Insel Juist hatte er 2005 einen Norweger kennengelernt, der ihn zum Wechsel bewegte. "Es ist alles so eingetroffen, wie er es mir beschrieben hatte, die Arbeit macht Spaß, es ist alles viel sozialer, die Menschen helfen einander. An den Wochenenden ohne meine Familie war ich dort nie allein", lobt Nestor Bienes Acosta, ein gebürtiger Kubaner, der zu DDR-Zeiten bei Leipzig in einem Chemiewerk gearbeitet und hier seine Frau kennengelernt hat.

Zwei Kinder gingen aus der Ehe hervor: Daniel ist 28 und wohnt in Bremen, Töchterchen Louisa ist 15 und wird ab August in Norwegen zur Schule gehen. In Holmestrand, einer Kleinstadt 80 Kilometer von Oslo, werden sie leben. Weil es Skype und Handy gibt, ist Louisa guter Dinge, dass sie weiter Kontakt zu ihren Freunden in Deutschland halten kann. Und sie ist sich sicher, dass sie in den nächsten Sommerferien zu Besuch kommt. In all den Jahren, als sie mit ihrer Mutter getrennt vom Vater leben musste - er kam nur alle sechs Wochen nach Hause - hatte sie ihn sehr vermisst. "Das wurde mir bewusst, als er einen schweren Unfall hatte, und wir konnten nicht schnell bei ihm sein", sagt das Mädchen. Nestor Bienes Acosta hatte sich einen Finger abgesägt, aber er ist nach neunstündiger Operation wieder dran.

Während der Vater natürlich bereits Norwegisch beherrscht, müssen Mutter und Tochter noch lernen. Beide sind aber optimistisch, dass das mit Intensivkursen in kürzester Zeit gelingt.Und mindestens einen guten Freund haben sie auch schon: Kàre Berg wird die Familie am Montag in Kohlsdorf abholen und in die neue Heimat bringen.

Es soll ihr letzter großer Umzug sein, die Eltern haben vor, auf lange Sicht in Skandinavien zu bleiben. "Mir gefällt der offene, freundliche Umgang der Menschen, es ist alles sehr sozial und ruhig", hat Beatrix Bienes Acosta auf ihren Besuchen erfahren. Es werde also alles fast wie in Kohlsdorf sein, "was meine erste wirkliche Heimat war."

Ob das ständige gemeinsame Leben unter einem Dach funktioniert, hoffen sie, dafür wollen alle drei gemeinsam etwas tun. "Wir sind es ja nicht gewohnt, dauerhaft beieinander zu sein", sagt die Beatrix Bienes Acosta. Das Haus in Kohlsdorf, wo schon seit Wochen die norwegische Flagge weht, ist ausgeräumt und bereits verkauft, auf zahlreichen Abschiedsfeiern wurden Hände gedrückt und Tränen vergossen. Ganz rührend war für die Familie die Verabschiedung von den Kohlsdorfern beim Dorffest am 5. Juli. Die Bürger hatten gesammelt für ein Gemälde, das die idyllische Dorfstraße zeigt. "Darüber haben wir uns sehr gefreut und es wird einen würdigen Platz bekommen", verspricht die ehemalige Ortsbürgermeisterin.

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