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Pflegestation für Wildtiere Melchow entlässt gefiederte Gäste wieder in die Freiheit / Team zog in den vergangenen Wochen acht Jungvögel auf

Zeit der Störche

Mit kräftigem Flügelschlag: Die Jungstörche, die in der Melchower Pflegestation aufgezogen wurden, müssen sich jetzt selbst behaupten.
Mit kräftigem Flügelschlag: Die Jungstörche, die in der Melchower Pflegestation aufgezogen wurden, müssen sich jetzt selbst behaupten. © Foto: Sören Tetzlaff
Viola Petersson / 06.08.2014, 02:45 Uhr - Aktualisiert 07.08.2014, 10:35
Melchow (MOZ) Es dauert keine fünf Minuten. Zunächst erkunden sie zu Fuß das Terrain, schreiten vorsichtig das Grün vor der Voliere ab. Dann stellt der erste seine Flügel an - und hebt ab. Im Nu folgen die anderen Sieben. Und schon sind alle Jungstörche in der Luft, kreisen über dem Teich. Mit kräftigen Flügelschlägen gewinnen die Vögel schnell an Höhe. Und die Schaulustigen an der Wildtier-Pflegestation Melchow quittieren das Spektakel mit einem staunenden "Oh".

Es ist ein Schauspiel, das sich alle Jahre vollzieht. Anfang August entlässt Andreas Valentin jene Vögel, die er und seine Mitstreiter über Wochen oder Monate kuriert und aufgezogen haben, in die Freiheit. An diesem Wochenende sind es acht. Die Weißstörche sind jetzt groß und kräftig genug, um auf eigenen Beinen zu stehen, um sich selbst zu versorgen und sich auf die lange Reise in Richtung Süden vorzubereiten. Und alle Jahre wieder begeistert der Moment, da die Tiere die Station verlassen und die Lüfte erobern, Naturliebhaber.

Bis etwa Ende August, so erklärt der promovierte Tierarzt den Zuschauern, bleiben die Jungstörche noch in der Region. Sammeln hier weiter Kräfte und Kondition. Dann geht es zu den Sammelplätzen in den Elbniederungen. Von dort brechen sie im Spätsommer in großen Zügen auf zu den Winterquartieren in Afrika oder Spanien.

Zu den acht aufgezogenen Jungstörchen gehören unter anderem drei aus Müllrose und zwei aus dem Zoo Eberswalde. Deren Eltern, so verrät Valentin, waren bzw. sind flugunfähig. Zeitweilig waren in Melchow - eine echte Rarität - sogar Schwarzstörche zu Gast. Denn: Der einzige Horst, den es im Barnim gibt, war heruntergefallen und dabei zerstört worden. Unterdessen gebe es Ersatz und die vorübergehend obdachlosen Vögel konnten das Notquartier wieder verlassen. Bevor Andreas Valentin den Vögeln ihre Freiheit zurückgibt, werden sie "beringt".

So ließe sich der weitere Weg der einstigen Patienten nachvollziehen. Ein Jungstorch aus dem Jahr 2007 etwa, berichtet der Veterinärmediziner den Gästen, sei in diesem Jahr in Malchow gesichtet worden. Er sei also in die Region zurückgekehrt. Und ein verletzter Adebar aus 2012 - der Altvogel war damals aufgrund einer Schussverletzung am Ellenbogen in Melchow operiert worden - wurde zunächst in der Schweiz und in diesem Jahr in Polen "geortet". Bleibt abzuwarten, wohin es die Kandidaten von 2014 zieht.

Andreas Valentin ist gespannt. Ebenso wie Andreas Bergener. Der 46-jährige Melchower durfte diesmal die Voliere öffnen. Ein Ritual, für das der Verein jedes Jahr einen Engagierten auswählt. Bergener, Tischler von Beruf und gleichzeitig Gemeindevertreter im Dorf, hat für den Verein einen Schaukasten gebaut. Eine Informationstafel soll noch folgen. Natürlich kenne man sich, erzählt Bergener. "Dr. Valentin ist der Tierarzt unseres Vertrauens", so der Hundebesitzer. Da komme man bei Praxisbesuchen ins Gespräch - und helfe gern. "Ich bin wirklich überrascht", freut sich Bergener über diese Form der Anerkennung.

Pro Jahr kümmert sich der 1995 gegründete Verein professionell und fachlich versiert um etwa 500 bis 700 tierische Patienten - vom Igel bis zum Reh. Eine Arbeit, die das Team ansonsten weitestgehend unspektakulär und abseits der Öffentlichkeit leistet.

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