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Kenneth Anders kritisiert den Umgang mit dem Oderbruch / Landschaftstag angedacht

"Als Wähler nicht ernstgenommen"

© Foto: moz
Nadja Voigt / 12.09.2014, 03:22 Uhr
Croustillier (MOZ) Eine Interessenvertretung für das Oderbruch hat Regionalwissenschaftler Kenneth Anders vorgeschlagen. Auf einem Landschaftstag könnten Fragen der Regionalentwicklung und des Hochwasserschutzes debattiert werden.

Anlass für den Entwurf sind die Debatten in der Gemeinde Oderaue zum Hochwasserschutz und vor allem die Frustration der Gemeindevertreter gegenüber dem von Anita Tack (Linke) geführten Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. "Das ist eine zynische Politik, die in Potsdam betrieben wird. Dort bezieht man sich nicht auf uns, sondern auf die Haltung: Wozu der ganze Aufwand", erklärte Kenneth Anders auf der Gründungsveranstaltung der Aktionsgruppe in der vergangenen Woche im Oderbruchzoo Altreetz seine auf Tagungen und bei Referaten gesammelten Erfahrungen. Dabei hatten sich Unternehmer aus dem nördlichen Oderbruch zusammengefunden, um einen Brief in Sachen Hochwasserschutz an den Ministerpräsidenten zu formulieren. "Im öffentlichen Diskurs gibt es zwei Spielarten dieser Haltung. Entweder man wartet ab, bis der Deich bricht, oder lässt den Biber weiter wirtschaften und sorgt so für eine schleichende Vernässung", erklärte Anders den Anwesenden. Sehr populär sei der "Ruf nach Wildnis". "Viele meinen, wenn sich der Mensch zurückzieht, sei das immer noch die beste Alternative."

Er erinnerte an das Engagement des Landrates Gernot Schmidt (SPD), in einer Veranstaltungsreihe aktuelle politische Themen zu erörtern. "Davon ist genau ein Termin zustande gekommen. Im Vorfeld war der Abteilungsleiter Kurt Augustin nicht bereit, Absprachen zu treffen und kam dann schlecht vorbereitet zu der Diskussion", erinnerte sich Kenneth Anders. "Man betrachtet uns dort nicht als ernsthaftes Wahlvolk." Jeder, der etwas kritisiert, werde als Idiot dargestellt. "Uns wird immer unterstellt, wir hätten keine Ahnung", ärgert sich der Regionalwissenschaftler.

Deshalb hege er Zweifel, ob es überhaupt Sinn mache, Briefe an den Ministerpräsidenten oder das Ministerium zu schicken. "Man muss zu denselben Symbolen greifen", schlussfolgert Anders. Analog zur CCS-Initiative müsse man über Wochen und Monate politischen Druck ausüben.

Seine Idee: einen Landschaftstag Oderbruch zu veranstalten, auf dem Fragen der Regionalentwicklung und des Hochwasserschutzes aufgeworfen werden können. Reihum könnte er von den Amtsverwaltungen und Städten ausgerichtet werden. Und diene einer Art Bestandsaufnahme der wasserwirtschaftlichen Situation im Oderbruch und der politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen, aber auch zu Themen wie Kultur, Bildung und Infrastruktur. "Auf der Basis dieser Bestandsaufnahme könnten dann gemeinsame politische Forderungen artikuliert und zudem für das folgende Jahr Maßnahmen geplant werden, um diesen Gewicht zu verleihen", führt Kenneth Anders seine Idee aus. Voraussetzung: Der Amtsausschuss des Amtes Barnim-Oderbruch bringt die Idee ein.

Teilnehmer wären seinem Vorschlag zufolge 70 bis 100 Vertreter aus dem gesamten Oderbruch, die sich aus den Amtsausschüssen und aus von den Gemeinden zu benennenden Bewohnern des Oderbruchs, zusammensetzen. Zudem könnten Abgeordnete des Kreis- und Landtages sowie der Landesregierung eingeladen werden.

"Das Oderbruch ist eine Landschaft mit besonderen naturräumlichen und kulturellen Prägungen. In einer Zeit, die zunehmend von städtischen Perspektiven auf die ländlichen Räume geprägt wird, ist es wachsenden politischen und planerischen Fehleinschätzungen ausgesetzt, die bis zu Forderungen seiner Entsiedlung reichen.", begründet Kenneth Anders seinen Vorstoß. "Die Bewohner des Oderbruchs und seine vielfältigen Nutzer müssen deshalb lernen, ihre Interessen klarer und langfristig in der Gesellschaft zu artikulieren. Die dafür nötigen Strukturen können sich nicht parallel zur kommunalen Selbstverwaltung entwickeln, sie müssen aus dieser hervorgehen und die dafür vorhandenen Potenziale nutzen."

Kommentare

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Ostopa 13.09.2014 - 11:23:45

Als Wähler und Mensch nicht ernstgenommen

Wie war das mit dem Zauberlehrling ? Biber und Wolf wurden gerufen und nun wird man sie nicht mehr los. Aber vielleicht frißt der Wolf bald die Biber. - Oder man siedelt Mammuts an, die haben ja schließlich hier auch einmal gewohnt. Die können dann die Trecker aus dem Matschboden ziehen!

ReKe 13.09.2014 - 10:32:57

An den "Mahner"

Ihr Kommentar zeigt deutlich: Sie haben nichts begriffen! Herr Anders spricht vielen aus der Seele, und nicht nur das. Er tut auch was. Wie ist das mit Ihnen?

Mahner 12.09.2014 - 08:50:09

Bock zum Gärtner

Das Dr. Anders jetzt den empörten gibt ist für mich völlig unverständlich. Hat er doch mit seinen Szenarien vor Jahren in den Potsdamer Amtsstuben ein klares Bild eines entvölkerten Oderbruchs installiert. Das die links-ökologischen hochbezahlten in schicken neuen Häusern ungefährt lebenden Beamten in ihren sozial romantischen Mußestunden davon Träumen wie einst Tom Sawyer den Missisimmpi die Oder im Delta des Oderbruchs mit einem Floss zu befahren kann ich mir lebhaft vorstellen. Die existenzielle Sicherheit der Einwohner vergessen sie leider bei diesen Träumereien.

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