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Raubtier hat vier Schafe gerissen

Brian Kehnscherper / 22.09.2014, 17:48 Uhr
Katerbow (MZV) In Katerbow sind auf einem umzäunten Gelände vier Schafe gerissen worden. Zwei der Tiere wurden sofort getötet, zwei mussten wegen der schweren Verletzungen eingeschläfert werden. Vieles deutet darauf hin, dass ein Wolf der Täter war.

Wolfsexperte Robert Franck aus Rheinsberg hatte den Fall begutachtet. "Es ist nicht auszuschließen, dass es ein Wolf war. Es können aber auch Hunde gewesen sein", sagt er. Franck formuliert den Verdacht absichtlich vorsichtig. Er möchte einer abschließenden Auswertung des Genmaterials nicht vorweg greifen und auch keine Panik vor Wölfen hervorrufen. Dass der Gutachter den Wolf als möglichen Täter in Betracht zieht, genügt aber schon, dass die Eigentümer der getöteten Schafe vom Land Brandenburg Schadensersatz erhalten.

Tatsächlich deutet laut Franck vieles darauf hin, dass ein Wolf der Täter war. Das Tier habe sich unter dem Zaun durchgewühlt und mit gezielten, kräftigen Bissen in die Kehle schnell getötet. Die meisten Hunde hingegen würden verspielter an ihre Beute gehen und eher Wunden in den Keulen und in anderen Regionen reißen. Zudem deutet das Fressverhalten auf einen Canis lupus hin. "Der Wolf frisst keine Innereien. Dafür wurden starke Knochen durchgebissen, das macht ein Hund normalerweise nicht", so Franck. Auch der Abstand der Zahnabdrücke auf den getöteten Schafen passe zum Isegrim. "Es sind viele Puzzle-Teile, die im Gesamtbild den Schluss zulassen, dass es sich um einen Wolf handelt." Absolute Sicherheit kann aber erst die Analyse des genetischen Materials geben. Da die DNA des Wolfs, der nachweislich in der Kyritz-Ruppiner Heide lebt, bereits entschlüsselt ist, lässt sich dann auch feststellen ob dieser die Schafe gerissen hat. Wie viele Wölfe im Kreisgebiet tatsächlich leben, ist laut Franck unbekannt. Ein Rudel gebe es dort aber nicht. Auch Nachwuchs habe sich in diesem Jahr nicht feststellen lassen. "In ganz Brandenburg leben etwa 90 Wölfe. Es gibt aber auch Abwanderer und eine hohe Sterblichkeitsrate bei Jungtieren", so der Experte. Franck ist ein Befürworter, der Wiederansiedlung der Rasse in Brandenburg.

Nutztierhalter hingegen fürchten um ihre Herden. Zwar gibt es die Möglichkeite, Wölfe mit stabilen Zäunen, die sich nicht leicht untergraben lassen, oder elektrischen Einfriedungen ihre Tiere zu schützen. Die Anlagen kosten aber viel Geld. "Große Betriebe sind schon gut ausgestattet. Kleinere Betreiber müssen aber vom Land unterstützt werden. Die darf man mit dem Problem nicht allein lassen", fordert Franck.

Dass die selbe Herde in nächster Zeit erneut angegriffen wird, hält er indes für unwahrscheinlich: "Der Wolf geht immer gegen den Wind und folgt dem Geruch seiner Beute. Der wird jetzt nicht jeden Tag nach Katerbow gehen" - zumal das Tier meist ein großes Revier hat und innerhalb einer Nacht lange Strecken zurücklegen kann. "Er kann heute in Lindow sein und am nächsten Tag ist er in Zechlinerhütte oder Fürstenberg", so Franck.

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