Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Bonbonbuntes an heiligen Mauern

Im hohen Foyer-Raum: Astrid Kaupert, Tobias Biering, Pfarrerin Jutta Biering und Kristian Novack vor dem Werk von Tobias Biering. "Ich liebe das Leben" steht auf dem Bild
Im hohen Foyer-Raum: Astrid Kaupert, Tobias Biering, Pfarrerin Jutta Biering und Kristian Novack vor dem Werk von Tobias Biering. "Ich liebe das Leben" steht auf dem Bild © Foto: Cornelia Hendrich
Cornelia Hendrich / 25.09.2014, 00:42 Uhr
Gersdorf (MOZ) Abstrakte Formen mit bonbonbunten Farben in alterwürdigen Kirchen-Gemäuern: Dieser Gegensatz bei der Ausstellung in Gersdorf ist durchaus anregend.

Die Gruppe "Landgang" gibt es schon lange, es sind Künstler, die einen Bezug zur Region haben. Alle eint, dass sie einmal auf dem Kunsthof Ackermannshof arbeiteten. Seit 16 Jahren stellen sie nun schon im Oderland aus. Was nicht ganz einfach sei, weil sie sich moderner Kunst verpflichtet fühlen, sagt Tobias Biering.

Für die Leute vor Ort sei dies ein Lernprozess, sie müssen ihr Auge erst dafür schulen, sagt Pfarrerin Jutta Biering-Sieberhain. Am Anfang sei man schon einmal auf Verständnislosigkeit gegenüber den Bildern getroffen. Aber jetzt, sagen die Besucher, wenn die Bilder abgehängt werden, ihnen fehle etwas.

Wenn man die Kirche Gersdorf aus dem 13. Jahrhundert betritt, spürt man sofort die Kühle der geschichtsträchtigen Mauern. Der hölzerne Altar zieht sich über eine ganze Seite und stammt aus dem Jahr 1772.

Nun hängen daneben die in quietschigen Farben gehaltenen großformatigen Werke der Künstler. Tobias Biering hat im Altarraum ausgestellt. Abstrakte Formen. Man könne sich überlegen, wie sich Rot zu Grün auf seinen Bildern verhält, sagt er. Für ihn sind die Bilder "eine Suche nach der inneren Würde". Aber, so betonen die Künstler, jeder solle sich natürlich zu den Bildern seine eigenen Gedanken machen.

Eine klare Landschaft zu erkennen ist auf den Bildern von Astrid Kaupert. In Gute-Laune-Frühling-Neongrün gehalten mit ein wenige Gelb. "Erinnerungen an Heimat, an verlorene Heimat kommen bei mir auf", sagt sie. Es seien Bilder einer wünschenswerten Landschaft. An gemalte Töne denkt man bei einem der Bilder, dieses Mal überwiegen Schallwellen in Rot und Blau, es ist eine Art Gitarre zu erkennen. "Ja, dabei habe ich an Musik gedacht", sagt Astrid Kaupert.

Kristian Novack schließlich hat Architektur in Weimar studiert, was man seinen Bildern auch ansieht. Reduziert auf Form und Farbe seien seine Werke, sagt er. Er ist ein Anhänger der Bauhaus-Schule. "Sie lebt immer noch", sagt er. Reduzierung ist sein Credo. "Lebensschwung" nennen die Künstler die Ausstellung, die nun an den weißgetünchten, hohen Feldsteinmauern der Kirche zu sehen ist. "Es schwingt, das Leben, die Landschaft, es ist alles Leben um uns herum", sagt Pfarrerin Jutta Biering.

In dem hohen Foyer stellt wieder Tobias Biering aus. "Ich habe mich gefragt, was kann man zeigen, das die Ruhe dieses Raumes würdigt", sagt er.

Nun, Ruhe strahlen allerdings seine Bilder nicht gerade aus. "Ich liebe das Leben" steht auf dem farbenprächtigen Großformat, das den Raum bestimmt. Die Linien geschwungen. Aber gerade dieser Gegensatz des tiefernsten Raums mit dem comic-haften, fröhlichen Bild ist interessant. Gemalt hat er es 2013, in "kühlen, rationalen Farben", wie er sagt. Für ihn ein Werk, das auch jüngere Generationen anregen soll. "Die Suchenden", wie er sie nennt. Daneben ein Vater-Sohn-Motiv. Ein Junge, den Vater sieht man nicht, aber einen Hut, ein Schwert. Das Bild zu lösen, sei die Verantwortung des Betrachters. Auf einem anderen eine Scheibe, ein Mond, ein Kelch. Ein Kelch? "Vielleicht der heilige Gral?", scherzt Tobias Biering lieber. Nein, christliche Symbole sucht man hier vergebens.

Für die Pfarrerin ist moderne Kunst in der Kirche kein Gegensatz. Gerade die Landschaftsbilder passen doch gut. "So manch einer geht hier nach dem Kirchgang noch im Gamengrund schwimmen", sagt sie.

Zeit genug ist für jedermann, sich die Bilder anzusehen. Sie werden ein Jahr lang in der Kirche Gersdorf hängen.

Eröffnung der Ausstellung "Lebensschwung" ist am 4. Oktober um 17 Uhr in Gersdorf.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG