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Siedlerscheune zeigt Kulturgeschichte

Noch vor dem Einräumen: 55 Jahre alt und nach der Sanierung fast wie neu zeigt sich der hölzerne Ständerbau neben dem Gebäude des Internationalen Fledermausmuseums. Die sogenannte Siedlerscheune gehörte ursprünglich nicht zum Gut Julianenhof. Sie dient kü
Noch vor dem Einräumen: 55 Jahre alt und nach der Sanierung fast wie neu zeigt sich der hölzerne Ständerbau neben dem Gebäude des Internationalen Fledermausmuseums. Die sogenannte Siedlerscheune gehörte ursprünglich nicht zum Gut Julianenhof. Sie dient kü © Foto: MOZ Gerd Markert
Gabriele Rataj / 02.11.2014, 06:58 Uhr
Julianenhof (MOZ) Die Siedlerscheune ist ein Stück Heimat- und Kulturgeschichte von Julianenhof. Zum Ende der Museumssaison 2014 ist sie saniert einer neuen Bestimmung übergeben worden. Als Teil des Internationalen Fledermausmuseums beherbergt sie die Kreativwerkstatt und eine kulturgeschichtliche Ausstellung.

Das frische Holz an dem Zweckbau leuchtet in der Sonne. Kombiniert ist es mit brauchbaren alten, dunklen Brettern und Bohlen. Obenauf sitzt ein neues Dach. Mit diesem farblichen Dreiklang "protzt" die Siedlerscheune neben dem schon länger sanierten Pferde- und Kuhstall am Gutshof Julianenhof etwas.

Ingenieurbaubüro Trenczek, H&F Compaktbau GmbH, Elektro-Technik GmbH Müncheberg haben hier ihre Handschrift hinterlassen. Vor allem aber ist das Holzhaus den Bemühungen von Akteuren rund um das hier etablierte Internationale Fledermausmuseum zu verdanken. Und der Förderung durch das EU-Leader-Programm. "Denn den Winter hätte es nicht mehr überstanden", erklärt Nabu-Museumsleiterin Ursula Grützmacher und dankt allen am Erhalt Beteiligten.

Das Ständerbauwerk beherbergt auf 115 Quadratmetern einen weiteren Ausstellungsbereich. Einen Ackerwagen hat Uwe Steinkamp vom Zachariashof Ihlow bereits instandgesetzt. Für die Häckselmaschine steht schon mal das Schild da. Auch der Kreativwerkstatt bietet das Bauwerk Platz. Auf dem kindgerechten Arbeitstisch kann an Hand einer ausgelagerten Fledermauskasten-Sammlung des Berliner Lehrkabinetts Teufelssee sogar Entwicklung nachvollzogen werden.

Außerdem ist die Scheune selbst ein Stück Kulturgeschichte, wurde 1949 vom Bauern Hugo Venohr mit den Zimmerleuten Kröger und Tamkus errichtet - zu einer Zeit, als Bauern und Umsiedler neue Wohnbauten und landwirtschaftliche Räumlichkeiten benötigten.

Das und mehr hat Juliane Grützmacher recherchiert, zusammengetragen oder sich von Julianenhofern bzw. Nachfahren jener berichten lassen. Die junge Kulturwissenschaftlerin beschäftigte sich in zwei Projekten intensiv mit der Geschichte des einstigen Vorwerks Stobberow. Die einer neuen Verwendung als Ausstellungstafeln zugeführten alten Stallfenster zeigen es anschaulich.

An diesem Tag wird Geschichte auch in einer Präsentation vor eingeladenen Bürgern und Gästen lebendig - "so, wie es unser Ansatz neben dem Wirken für den Artenschutz von jeher ist", betont die ehrenamtliche Museumsleiterin. Die Entstehung des Namens bringt Juliane Grützmacher mit Flora Ernestine Juliane in Verbindung, der Frau des Besitzers George Wilhelm von Baerensprung um 1800, dem später u. a. von Tettenborn und Wolff, der Berliner Kaufmann Oskar Seidel, Max Reincke und Walter A. Rode als Besitzer folgten.

Zur Verfügung gestellte Fotos von Frank und Heinz Reincke sowie Mario Damke und Dokumente wie alte Hofkarten ergänzen die Ausführungen, erzählen vom prächtigen Herrenhaus, das 1945 ausbrannte, von Brennerei, Geflügelhof, Lokomobil ...

Die Kinder des Scheunen-Erbauers, Rudi Venohr und Ruth Opitz, sind ebenso unter den Zuhörern wie Frank Reincke. Sein Großvater war es, der 1931 mit Familie und acht Kindern - aus dem heute polnischen Kulm kommend - das Gut Julianenhof erwarb,und bis 1941 erfolgreich bewirtschaftete. "Schön, dass sich jemand so um das Bewahren von Geschichte kümmert", findet der Enkel.

Was der nachfolgende Besitzer mit dem kunstbesessenen Hermann Göring, einer Kaffeeplantage und jüdischen Auswanderern zu tun hatte - das könnten weitere Nachforschungen ergeben.

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