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Andreas Batke aus Klein-Schauen gehörte zu den letzten, die noch mit Reisegenehmigung nach West-Berlin fuhren

Noch kurz zuvor durch den Tränenpalast

Ruth Buder / 03.11.2014, 21:00 Uhr
Klein Schauen (MOZ) Mit dem 9. November 1989, mit dem Mauerfall, verbinden sich auch viele persönliche Geschichten. Andreas Batke aus Klein-Schauen erzählte uns seine.

Schon lange war die Fahrt zur Oma, die in West-Berlin lebte, geplant. Die Eltern hatten sie schon öfter besucht, aber das erste Mal sollte auch Andreas Batke dabei sein. Da war er 14, und schließlich heiratete die Oma. Alles war schon genehmigt, doch als die Eltern die Ausreisepapiere abholen wollten, hieß es plötzlich: Der Junge kann nicht mit, der muss doch zur Schule. Noch einmal wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, Beziehungen ausgenutzt. Dann endlich hieß es: Andreas darf doch mit. Von Klein Schauen aus machte er sich mit seinen Eltern auf nach Berlin. In der Tasche hatte er den kleinen Zettel mit den Wünschen seiner Mitschüler: "Was alles draufstand, weiß ich nicht mehr genau, aber die Bravo war wohl mit dabei." Dann die ganzen Kontrollen im Tränenpalast, bis die Familie schließlich in der S-Bahn nach Neukölln saß. Zur Wohnung der Oma war es nur ein kurzes Stück zu Fuß. Es muss gegen 20 Uhr gewesen sein, als die Gäste aus dem Osten eintrafen. "Oma machte die Tür auf und sagte: Die machen die Mauer auf. Wir waren alle baff."

Nachdem voller Aufregung die Übertragungen im Fernsehen verfolgt wurden, mischte sich die ganze Familie unter die jubelnden Menschen. "Eine unvergleichliche Stimmung, alle waren so glücklich, so vergnügt", erinnert sich Andreas Batke. "Auf dem ganzen Ku'damm nur Menschen, es gab gar keinen Verkehr mehr. Es war unfassbar. Wir hatten alle ein großes Gefühl der Freiheit."

Am Tag danach war die Stadt immer noch voll Menschen. An der Gedächtniskirche standen Reporter und machten Interviews. Andreas Batke ließ seine Eltern weiter schlendern, er wollte lieber den Fernsehmachern zuschauen. Konnte erleben, wie Passanten nach ihrer Meinung gefragt - alles live für den ARD-Brennpunkt. Plötzlich wurde Andreas Batke das Mikrofon unter die Nase gehalten. Der Reporter fragte ihn nach seiner Meinung zur SED. "Ich habe vor Aufregung irgendwas gestammelt, dass es lange dauern wird, bis die Partei das Vertrauen zurückgewinnen kann." An diesem Tag hatten die wenigsten an eine schnelle deutsche Einheit gedacht.

Die Sendung hatten auch viele in seinem Heimatort und etliche Klassenkameraden gesehen - falls sie nicht gerade in Berlin unterwegs waren. Noch heute sieht sich der Klein-Schauener die aufgezeichneten Bilder immer gern an.

Wegen des ganzen Trubels um den 9. November hatte die Oma die Hochzeit verschoben. "Es war ja kein Standesamt mehr offen", erinnert sich der Enkel.Heute wohnt sie wieder in Klein-Schauen, ist in ihre Heimat zurück gekehrt.

Andreas Batke ist von Beruf Krankenpfleger und macht gerade Urlaub in Israel. "Wir haben zwar in der DDR sehr behütet gelebt, aber doch irgendwie ein Doppelleben geführt, man konnte nicht wirklich seine Meinung offen äußern", blickt er zurück auf den untergegangen Staat. Dessen Stützpfeiler sind vor 25 Jahren eingerissen worden, als Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz über den "Reisebeschluss" des Zentralkomitees informierte und damit einen Massenansturm auf die Berliner Mauer auslöste. Seitdem steht sie offen.

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