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Erfolg ganz ohne Schweinsleberwurst

Stolzer Geschäftsführer: Wer Jens Winter über die Hakenberger Fleischwaren reden hört, der merkt, dass der Mann 100-prozentig hinter seinen Produkten steht.
Stolzer Geschäftsführer: Wer Jens Winter über die Hakenberger Fleischwaren reden hört, der merkt, dass der Mann 100-prozentig hinter seinen Produkten steht. © Foto: MZV/Russew
Judith Melzer-Voigt / 17.11.2014, 19:40 Uhr
Hakenberg (MZV) Beinahe wäre alles an einer Schweinsleberwurst gescheitert. Genau diese wollte die Jury des Magazins "Der Feinschmecker" nämlich haben, als es um die Auswahl der 500 besten Metzgereien Deutschlands ging. Das Problem: Die Hakenberger Fleisch GmbH stellt so eine Wurst überhaupt nicht her.

Vor rund einem halben Jahr bekam Jens Winter, Geschäftsführer der Hakenberger Fleisch GmbH (Hafleg) ein Schreiben von dem renommierten Gourmet-Magazin "Der Feinschmecker". Darin stand, dass es eine Empfehlung der Metzgerei aus dem kleinen Dorf gebe. Um für den Wettbewerb "Die 500 besten Metzger Deutschlands" aber ein Unternehmen auswählen zu können, braucht die Jury eine Schweinsleberwurst. Diese sollte Winter in den Verlag nach Hamburg schicken. In einer Blindverkostung wollten sich die Jurymitglieder anschließend von der Qualität der Ware überzeugen.

"Als ich das Schreiben bekommen habe, habe ich dort erst einmal angerufen", so Winter. Er teilte den Redakteuren mit, dass die Hafleg gar keine Schweinsleberwurst herstellt. "Wir sind eine absolute Fleischproduktion", erklärte Winter. Beste Stücken vom Havellandrind, falsche Filets vom Linumer Wiesenkalb und Fleisch vom Ruppiner Weidelamm - all das wäre überhaupt kein Problem gewesen. Aber Schweineleberwurst? Vollkommen unmöglich in einem Betrieb, der gar keine Schweine züchtet, geschweige denn Wurst selbst produziert. Diese stellen nur Fleischereien für die Hakenberger her. "Ich dachte: Dann haben wir eben Pech gehabt und können nicht dabei sein", so Winter. "Das ist doof, aber nicht zu ändern."

Umso überraschter war Jens Winter, als er vor rund einer Woche eine E-Mail vom Verlag bekam, der den "Feinschmecker" herausgibt. Darin wurde er gefragt, ob er nicht einige Ausgaben des neuen Magazins kaufen möchte - schließlich sei die Hafleg darin erwähnt. Und tatsächlich, auf Seite 85 im Extra-Heft zu den 500 besten Metzgern in Deutschland befindet sich der Hinweis auf die Firma in Hakenberg. "Näher dran geht eigentlich gar nicht", steht dort geschrieben. "Der kleine Hofladen der ,Hakenberger Fleisch GmbH' ist lediglich durch eine große Glasscheibe von der Halle getrennt, in der Havelland-Rind, Linumer Weidekälber und Ruppiner Weidelamm zerlegt und verarbeitet werden." Gelobt werden die Regionalität, die kurzen Wege zwischen Hof und Schlachtung sowie die Qualität des Fleisches und dessen Reifezeit. "Der Betrieb beliefert vor allem die gehobene Hotellerie und Gastronomie mit Rind- und Lammfleisch, ist biozertifiziert und bietet Lohnschlachtungen für Biohöfe an. Der Hofladen ist nur ein kleiner Teil des Unternehmens, weshalb er auch nur an drei Tagen pro Woche geöffnet hat. Aber die Fahrt hierher lohnt sich", lautet das Fazit der Tester.

"Sie müssen es sich also anscheinend anders überlegt haben", meinte Jens Winter. "Jemand hat vielleicht anonym bei uns vorbeigeschaut." Und tatsächlich gehört dieser Spontanbesuch ebenfalls zu den Schritten, durch die die Jury des "Feinschmeckers" zu ihrem Urteil gelangt.

"Das ist eine mächtige Auszeichnung für uns alle", so der Geschäftsführer über die Erwähnung in dem Magazin. Es gebe allen Mitarbeitern eine Bestätigung, dass der Kurs, den die Hafleg in den vergangenen Jahren verfolgt hat, genau der richtige war. "Wir versuchen, die beste Qualität zu bieten", erklärte Winter. Er selbst ist - nach einer Zeit außerhalb der Region - nach der Jahrtausendwende erneut zum Unternehmen gestoßen. Damals habe die Firma vor der Frage gestanden: Worauf konzentriert sie sich? "Machen wir weiter mit 08/15 und stehen in Konkurrenz mit den Großschlachthöfen oder versuchen wird, eine Marge für uns zu finden?" Die Entscheidung fiel auf Letzteres. Seitdem achtet das Team bei der Hafleg darauf, das Fleisch lange abhängen zu lassen, die Zucht genau im Auge zu behalten und die Tiere ohne unnötigen Stress zu schlachten. Seit 2010 gibt es größere Reiferäume. Außerdem wurde besagte Glasscheibe zwischen Hofladen und Arbeitsräumen eingerichtet. Es könne auch mal sein, dass ein Metzger mit nicht ganz sauberer Schürze im Geschäft auftaucht, so Winter. "Das sieht dann vielleicht für den einen oder anderen nicht schön aus, aber wir wollen zeigen, woher das Fleisch kommt."

Dieses Konzept kommt nicht nur bei den Kunden an, sondern anscheinend auch bei den Redakteuren des "Feinschmeckers" - und das ganz ohne Schweinleberwurst.

Infos zur Fleischerei gibt es unter www.hafleg.de

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