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In Kunow ziehen Uckermärker mit Axt und Säge in den Wald zum Weihnachtsbaumschlagen

Sieben Jahre wächst der Baum fürs Fest

Baumexperten: Werner und Matthias Mundt öffnen am 10. Dezember ihre Weihnachtsbaumplantage in Kunow.
Baumexperten: Werner und Matthias Mundt öffnen am 10. Dezember ihre Weihnachtsbaumplantage in Kunow. © Foto: MOZ/Dietmar Rietz
Dietmar Rietz / 08.12.2014, 06:50 Uhr
Kunow (MOZ) Alljährlich werden in deutschen Wohnzimmern an schätzungsweise 23 bis 29 Millionen Weihnachtsbäumen Heiligabend die Lichter angezündet. Im Lichterglanz beseelt der Geist der Weihnacht die Menschen. Woher die Bäume kommen, darüber macht sich kaum jemand Gedanken. Seit fast einem Vierteljahrhundert liefern Werner und Matthias Mundt aus Kunow, einem Schwedter Ortsteil, vielen Menschen den Baum, der das Fest noch schöner macht.

"Für die Zucht von Weihnachtsbäumen braucht man Geduld", sagt Werner Mundt. Sieben Jahre lang düngt, stutzt und beschneidet er sie, schützt sie vor Schädlingen und Wildtieren, bis zum Beispiel die Nordmanntanne, der beliebteste unter den Weihnachtsbäumen der Deutschen, so geformt ist, dass sie auch in eine kleine Wohnung passt.

Seit 1990 führt Werner Mundt sein Familienunternehmen und seinen ältesten Sohn Matthias ajetzt n dessen Spitze. Der Zimmermann ist Miteigentümer und dabei, das Weihnachtsbaum-Familiengeschäft zu übernehmen. "Ich habe als Kind schon geholfen und bin da rein gewachsen", erzählt der Juniorchef. Allein davon leben könne man aber nicht, schätzt er ein. Es sei eine gute Ergänzung zur Zimmerei. In der Region ist Matthias Mundt bekannt für den Bau von Carports und Lauben aus Baumstämmen.

Wie ist aber nun der perfekte Baum fürs Fest geformt? "Besonders gefragt sind schmale Nordmanntannen, mit schöner Spitze, etwa 1,50 Meter bis höchstens 1,80 Meter hoch. Damit sie gut in die Wohnungen passen", meinen Vater und Sohn. Für größere Säle gibt es auch größere Bäume, die bis zu sieben Metern hoch sein können.

In ihrem Privatwald züchten sie diese und andere Bäume auf ungefähr sieben Hektar Land. Das ist Arbeit für das ganze Jahr. Als Setzlinge kauft Werner Mundt seit Jahr und Tag die künftigen Weihnachtsbäume in Dänemark. Warum? "Erstklassige, kontrollierte Qualität", flüstert er beschwörend. Zu Hause werden sie aneinandergereiht. Sieben Jahre lang werden sie gepflegt. Nach dem Pflanzen werden die 20 bis 25 Zentimeter großen Setzlinge erstmals beschnitten. Die unteren Kränze werden gekappt. So bekommt der Baum von unten genügend Luft und Licht.

Die Mundts fahren mit ihrem Traktor durch die Baumreihen und bekämpfen das Unkraut mechanisch mit Krautschlegeln. Später folgen Form- und Korrekturschnitte. Neue Seitentriebe werden abgeschnitten. Denn schlank muss der Wunschbaum sein. Aber nicht zu hoch. Deshalb ritzen die Mundts die Haupttriebe an und bremsen so die Nährstoffzufuhr. Am Ende stoppt eine Top-Stopp-Zange das Wachstum. Im Sommer werden die Bäume gedüngt, damit sie starke Nadeln entwickeln, die später nicht so schnell abfallen.

Wer so lange solche Bäume züchtet wie die Mundts, darf zu den alten Hasen in der Branche gezählt werden. Ihre Erfahrung besagt "Weihnachtsbäume sind nichts für Leute, die über Nacht reich werden wollen." Denn ehe der erste Baum verkauft werden kann, vergehen Jahre.

Zudem sind die Risiken hoch. Bei ungünstiger Witterung drohen Ausfälle. Schimmel, Tannennadelrost, Mäuse, Läuse, Hagel, saurer Boden sind Feinde der Bäume und der Weihnachtsbaumzüchter, zählt Matthias Mundt, einige Gefahren auf. Schlagen die und noch die "Eisheiligen" zu, ist der Schaden mitunter sehr groß.

Werner Mundt hat mit seiner Plantage mitten in der Wendezeit den Sprung ins kalte Wasser der Marktwirtschaft gewagt und beginnt mit dem Anbau von "wohnungsgerechten" Weihnachtsbäumen. Wie es dazu kommt, ist des Erzählens wert. Mundt ist studierter Ingenieur für landtechnische Instandhaltung, am Ende der DDR-Ära Leiter des Agrochemischen Zentrums in Schwedt. In der Wendezeit verkauft er Baustoffe. Nach der Wende begegnet er einem Berater aus Osnabrück, der Aufbauhilfe leistet. Werner Mundt hat seinerzeit das LPG-Land seiner Eltern zurückbekommen. So recht weiß er nicht, was er damit anfangen soll. Nach dem Ende des lukrativen Tabakanbaus zu DDR-Zeiten will er eigentlich einen Zuverdienst auf seinen privaten Flächen, der weniger Zeit kostet.

Da bekommt er von einem Berater, mit dem er bis heute befreundet ist, den Tipp: "Versuch es mit kleinen Weihnachtsbäumen!" Er lässt sich schließlich von der Idee aus Osnabrück verführen. Sie ist so einleuchtend wie die Lichter am Weihnachtsbaum selbst: Viele Schwedter wohnen in Plattenbauwohnungen, die keinen Platz für große Weihnachtsbäume haben.

Mundt startet mit ein paar hundert Bäumen vor seinem Haus. Dabei setzt er auf die gradstämmige Nordmanntanne, benannt nach dem finnischen Biologen Alexander Davidovich von Nordmann (1803-1866). Diese stammt aus dem westlichen Kaukasus sowie aus der Nordosttürkei. Vor ungefähr hundert Jahren, so erzählt es Werner Mundt, hat es im Kaukasus einen gewaltigen Waldbrand gegeben, bei dem nur die größten und stärksten Nordmanntannen überlebten. Diese Bäume samten wieder aus. Durch Auslese entstand eine robuste Population."

Heute wissen die Mundts ganz sicher: Weihnachtsbäume züchten und wachsen lassen, ist eine Aufgabe fürs Leben. Sie einfach wachsen lassen und ernten, funktioniert bei Traum-Weihnachtsbäumen, die für das Fest verkauft werden sollen, schon gar nicht.

"Das ganze Jahr freue ich mich auf diese Wochen vor dem Jahresende. Weihnachtsbäume verkaufen ist meine Leidenschaft", bekennt Werner Mundt. Seinem Sohn Matthias geht es ähnlich.

Einmal selbst den Holzfäller spielen und mit der großen Säge in den Wald ziehen, das ist für viele Uckermärker jedes Jahr zu Weihnachten ein Muss. In Kunow kann, wer will, sich bei Werner Mundt seinen Baum fürs Fest bis zum 23. Dezember täglich von 8 bis 17 Uhr selbst schlagen. Spätentschlossene auch noch am Heiligen Abend von 8 bis 12 Uhr.

Wenn dann der Ruf erklingt: "Jetzt fällt der Baum", ist Mundt in seinem Element. Aus dem Baumschlagen im Weihnachtsbaumwald hat er mit seinem Sohn ein Ereignis für die ganze Familie gemacht, mit Waldspaziergang, Lagerfeuer vor der Blockhütte, Glühweintrinken und Knüppelkuchenbacken. Unter Nordmanntannen, Rot- und Blaufichten oder einzelnen Douglasien findet sich in der Plantage der passende Baum fürs Fest.

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