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Ende der 1960er-Jahre waren sie Heimkinder und Freunde in Bollersdorf/Buckow / Jetzt sucht Hartmut Enstipp nach Andreas Schwericke

Die Zeit läuft: Auf der Suche nach Andreas

© Foto: moz
Gabriele Rataj / 09.12.2014, 07:19 Uhr
Bollersdorf/Buckow (MOZ) Es zieht die Blicke vieler Gäste und Touristen in der Märkischen Schweiz auf sich: das weithin sichtbare Haus im Schweizer Baustil am Hochufer des Schermützelsees. Nicht Hotelgäste beziehen hier Quartier, sondern seit Jahrzehnten Kinder und Jugendliche. Einer von diesen wird dringend gesucht.

"Ich würde mich freuen, meinen besten Freund Andreas wiederzusehen." Mit diesem Satz beginnt die Geschichte von Hartmut Enstipp, einem der früheren Bewohner der "Weißen Taube" Bollersdorf oder des ehemaligen Hauses "Sonnenschein" in Buckow.

Hunderte Kinder sind in den Jahrzehnten der Nutzung als Kinderheim hier eine Zeitlang heimisch gewesen, und jedes hatte seine Geschichte. So auch Hartmut Enstipp aus Mecklenburg-Vorpommern, der etwa 1968 als Sechsjähriger Bollersdorfer oder Buckower auf Zeit wurde. So genau weiß das der heute 52-Jährige nicht mehr.

Mit einer Schrotflinte ins Bein geschossen hatte ihm damals sein Vater. Und die Behörden hätten nicht lange gefackelt. Sie brachten den kleinen Hartmut in einem Heim für schwer erziehbare Kinder unter, ist dem Exposé des Teams Populärfilm zu entnehmen, das für den Norddeutschen Rundfunk die Reihe "Das Poesiealbum: Auf der Suche nach verlorenen Freunden" dreht.

Diese blättert in alten Poesiebüchern, von denen fast jeder Schüler früher eines besaß. Und sie fragt danach, was aus Menschen geworden ist, die einstmals Zeilen wie "In allen vier Ecken soll Freundschaft drin stecken" zu Papier brachten. Wie oft ist jeglicher Kontakt mit den Jahren abgebrochen - doch je weiter das Alter fortschreitet, desto häufiger tauchen Wünsche auf, Freunde oder Schulkameraden aus jener Zeit wiederzutreffen.

Die dreiteilige NDR-Dokumentation begleitet dabei verschiedene Menschen auf jener Suche über Radio, Internet, Zeitungsanzeigen ... Das Mädchen aus der Rostocker Heide, das unbeschwerte Ferienerlebnisse mit Hartmut aus Westberlin teilt, der im Sommer in der Nachbarschaft wohnt. Christiane aus Hannover und ihren jugoslawischen Mitschüler Sascha, dessen Familie nach Belgrad zurückging. Carsten aus Neubrandenburg, der in Andrés Poesiealbum Worte schrieb, für die er sich heute schämt. Oder eben Hartmut Enstipp.

Für ihn ist es ein Wettlauf mit der Zeit, denn der 52-Jährige ist schwer krank. Er "leidet an einem Hirntumor und ist ein menschliches Wrack", schreibt Wiebke Possehl vom Team Populärfilm. "Er spricht langsam, mühsam. Sein nicht gerade einfaches Leben ist ihm anzusehen.Und seine Krankheit." Doch seinen damaligen Freund Andreas Schwericke möchte er noch einmal wiedersehen.

Denn Andreas war damals ein Glücksfall für den schmächtigen, ruhigen Hartmut Enstipp, haben die Filmemacher im Gespräch herausgefiltert. Er war älter, breitschultrig und kräftiger. Wie ein großer Bruder bzw. Freund beschützte er Hartmut. Man spielte zusammen Schalmei in der Heimkapelle und verbrachte die meiste Zeit miteinander. Hartmut kam sogar früher aus den Sommerferien von zu Hause zurück, weil er Andreas vermisste.

Für Hartmut Enstipp hat sich das Fernsehteam auf die Suche nach Andreas Schwericke gemacht. "Hoffentlich hat es Andreas besser getroffen im Leben", schreibt Wiebke Possehl, "und er kann seinem alten Freund Hartmut noch etwas Kraft geben - für die hoffentlich noch folgenden Lebensjahre."

Wer etwas über den Verbleib von Andreas Schwericke weiß, ihn womöglich kennt oder für ein Wiedersehen der beiden Hinweise geben kann, der sollte sich mit den Dokumentarfilmern in Verbindung setzen. Ein Wiedersehen der Jungs aus den 1968ern wäre berührend. Die Zeit läuft.

Informationen und Kontakt-Möglichkeit: Wiebke Possehl, Tel. 0179 2148921 oder E-Mail an team@populaerfilm.de

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