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"Der Stern von Bethlehem"

Probe: In der Patronatskirche Hohenjesar wird Heiligabend wieder eine Weihnachtsgeschichte aufgeführt. Die Akteure wechseln zum Teil die Kostüme.
Probe: In der Patronatskirche Hohenjesar wird Heiligabend wieder eine Weihnachtsgeschichte aufgeführt. Die Akteure wechseln zum Teil die Kostüme. © Foto: Matthias Lubisch
Doris Steinkraus / 16.12.2014, 00:01 Uhr
Hohenjesar (MOZ) Die Handlung basiert auf der uralten Weihnachtsgeschichte und ist doch eine ganz andere. Zum sechsten Mal wird es am Heiligen Abend in der Kirchenruine die etwas andere Aufführung geben. Eine Laienspielgruppe probt dafür intensiv.

Die Optik wird in diesem Jahr anders sein. Zur Probe ist das offene Kirchenschiff schon komplett eingerichtet. Die Bänke stehen quer. Aus gutem Grund, wie Drehbuchautor Hartmut Henicke erklärt. "Die Geschichte wird in diesem Jahr erstmals auf drei Ebenen spielen, vorn, im Turmzimmer und in der Loge. Damit die Zuschauer das auch verfolgen können, wurden die Bänke völlig anders gestellt."

Und noch etwas wird anders sein an der Geschichte, die sich zwar an den Figuren und der Handlung der biblischen Weihnachtsgeschichte entlang hangelt, aber doch eine sehr weltliche ist. Von den heiligen drei Königen sind nur Melchior und Baltasar präsent. Warum Kaspar fehlt, wird zu Beginn im Zwiegespräch von Melchior und Baltasar aufgeklärt. Kasper steht für den zum Zeitpunkt der Handlung noch unbekannten Norden, das Abendland. Das ist heute die westliche Welt und die hat anderes zu tun als sich mit Änderung der Weltgeschichte, die da in Bethlehem ihren Lauf nimmt, zu beschäftigen. Und die beiden Könige blicken schon voraus, was 2000 Jahre später Alltag ist. Melchior: "Das Abendland kann ja in der Zukunft die Welt missionieren. Vielleicht sind wir ja dann die Zurückgebliebenen."

Helmut Henicke hat in seinem Drehbuch viele Passagen eingebaut, deren Inhalt Bezug auf aktuelle Themen nimmt. "Die Idee für die Weihnachtsgeschichte hängt immer von den aktuellen politischen Themen ab. Stoff gebe es genügend", sagt er. Zur Einführung ruft eine Stimme in Erinnerung, wie ehrfurchtsvoll sich die Menschen einst verneigten, als sie rational wahrnahmen, dass es Größeres gibt als sie selbst - die Allmacht der Natur in Raum und Zeit.

Seit sechs Jahren wird in der Patronatskirche Hohenjesar die Weihnachtsgeschichte aufgeführt. Helmut Henicke und Jörg Oldinski sind von Anfang an dabei. Seit drei Jahren arbeitet eine Stammgruppe an dem jeweils neuen Stück. Vivien Thiel spricht Zwischentexte und schlüpft in die Rolle der Maria. Christoph Thiel bleibt auch in der Geschichte ihr Mann, der einfache Hirte Josef. Einige wechseln zwischendurch ihre Kostüme. König Herodes, der neben sich keine andere Macht duldet auch nicht die eines Kindes, das die Welt laut Prophezeihung erlösen soll, wird auch zum Hirten, gespielt von Holger Krumnow. Nadine Buchholz steht als Herodes Frau Malthake für die weibliche Fähigkeit, Dinge vorauszuahnen und ihren Mann in seinem Handeln zu leiten. In einer anderen Szene ist sie eine einfache Hirtin. Sohn Lucas erlebt seine Premiere. Der Sechsjährige darf auch im Stück der Sohn sein. Er bringt bereits Auftrittsfahrungen aus der Kita mit. Jörg Oldinski ist der nachdenkliche und Erklärungen suchende Balthasar, Helmut Heinecke sein Pendant Melchior.

Komplettiert wird die etwas andere Weihnachtsgeschichte durch die Kombination mit moderner Technik. Auf einer großen Leinwand rückt der Weltraum näher, die Sterne, die aus dem Bösen entstanden sind. Denn kein Geringerer als der Teufel hatte den Sack mit Sand, mit dem Gott Erzengel Gabriel auf die Erde schickte, über Arabien aufgeschlitzt, alles Grün verdeckt und so die Wüste geschaffen. Aus Mitleid schuf Gott eine Kuppel aus Gold, die der Teufel mit einem schwarzen Tuch verdeckte. Gotts Engel bohrten mit Lanzen Löcher in die Kuppel, so entstand der Sternenhimmel.

Schon immer lagen Gut und Böse dicht beieinander. Vor allem davon erzählt die Geschichte, die alljährlich erzählt wird. Wer sie in Hohenjesar erleben will, sollte sich warm anziehen und am besten Decken mitbringen. Das, was die Akteure um Sabine Krumnow, die die Regie führt, zu erzählen haben, dürfte auch in einer kalten Weihnachtsnacht so manches Herz erwärmen.

"Der Stern von Bethlehem", Aufführung am 24. Dezember, 15.30 Uhr, Kirche Hohenjesar

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