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Überwältigende Hilfsbereitschaft

Brian Kehnscherper / 18.12.2014, 18:02 Uhr
Lentzke (MZV) Die Hilfsbereitschaft vieler Ostprignitz-Ruppiner für Flüchtlinge ist groß. Zahlreiche Sachspenden belegen das. In Lentzke haben sich 15 Einwohner bereit erklärt, den Asylsuchenden, die in Wohnungen untergebracht wurden, zu helfen.

"Wir sind schier überwältigt von der Hilfsbereitschaft der deutschen Menschen in Ostprignitz-Ruppin. Das wiegt den Blödsinn, den die Pegida macht, hundertfach auf", sagt Martin Osinksi. Osinski arbeitet bei den Ruppiner Kliniken, die die Flüchtlingsunterkünfte im Auftrag des Landkreises betreuen. Und in den vergangenen Wochen gab es eine wahre Schwemme an Sachspenden. Am Donnerstag brachten Simone Rauer und Christine Eder von der Krankenkasse AOK weitere Geschenke in Lentzke vorbei. Die AOK hatte dazu aufgerufen, vor allem Spielzeug für die Flüchtlingskinderzu spenden. "Die Leute haben an den Sammelstellen so viel abgegeben, dass wir kaum noch treten konnten", so Rauer. Plüschtiere, Feuerwehrautos, Puppenwagen, Inlineskates mitsamt Protektoren und Bücher stapeln sich in den Räumen von Sozialarbeiterin Josephine Gutzeit, die die Asylbewerber in Lentzke betreut. Die meisten Sachen sollen in ein zentrales Spielzimmer kommen. "So haben alle etwas davon", sagt Gutzeit. Einiges von dem Spielzeug erhalten die Kinder aber auch direkt. So beglückte Gutzeit am Donnerstag schon einmal die Familie Mansour, die mit drei Kindern aus Syrien geflüchtet war.

Insgesamt leben derzeit 58 Menschen in den Wohnungen an der Brunner Straße. 34 von ihnen sind Kinder. Erst am Mittwoch kam eine siebenköpfige Familie in Lentzke an. Insgesamt können bis zu 70 Personen in den vier Aufgängen der Neubaublöcke aufgenommen werden. Da der Ort abgelegen ist, kommt es Osinski darauf an, dass die Menschen sozial gut betreut werden.Die Einwohner helfen dabei tatkräftig mit. Eine Frau gibt ehrenamtlich Deutschkurse. Eine weitere Dame hat angeboten, mit den Kindern zu basteln. Zudem wurden Fahrräder und Fernsehgeräte gespendet. Und einmal pro Woche fahren Freiwillige die Flüchtlinge zum Einkaufen nach Fehrbellin. Am Montag werden im Gemeindezentrum des Dorfes Kekse gebacken. Und mittelfristig möchte Osinski weitere Freizeitangebote schaffen. Denkbar wäre die Zusammenarbeit mit Sportvereinen.

Was die Ausstattung mit Kleidung betrifft, ist der Bedarf dank der großen Spendenbereitschaft vorerst gedeckt. Aber das könnte im kommenden Jahr wieder anders aussehen. Für 2015 und 2016 werden in Brandenburg doppelt so viele Flüchtlinge erwartet wie 2014. Der Landkreis bereitet sich bereits darauf vor. In wenigen Tagen nimmt das Übergangswohnheim in Wusterhausen mit 100 Plätzen seinen Betrieb auf. In Protzen, Kyritz und Neustadt sind weitere Wohnverbände, ähnlich denen in Lentzke, geplant. Auch in Rheinsberg sollen Asylbewerber in Wohnungen untergebracht werden. Zudem teilte die Kreisverwaltung auf Nachfrage mit, dass weiterhin kreisweit Gebäude akquiriert und durch Vorort-Termine auf ihre Eignung geprüft werden.

Fest steht, dass es viele Menschen gibt, die die Flüchtlinge willkommen heißen - den fremdenfeindlichen Strömungen in Deutschland zum Trotz.

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