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Ehrenrettung für die Köchin im Wald

Nadja Voigt / 19.12.2014, 01:22 Uhr
Croustillier (MOZ) Mit "Hänsel und Gretel. Die Hexe war eigentlich eine interessante Frau" erscheint in diesem Jahr das vorerst letzte Buch im Aufland Verlag. In der Geschichte, aufgeschrieben von Kenneth Anders und illustriert von Martin Klingeberg, geht es zunächst mit dem bekannten Kinderlied von den beiden Geschwistern los, die sich im Wald verirren und beinahe Gefahr laufen, von der bösen Hexe im Ofen gegart zu werden. Doch dann kommt die überraschende Wendung der mit Bleistiftzeichnungen illustrierten Geschichte. Denn dann heißt es: " So schlimme Dinge erzählt uns die Geschicht', Märchen und Oper und auch der Filmbericht. Passiert ist was ganz andres, sperrt Eure Augen auf, spitzt mal die Ohren, sonst kommt Ihr niemals drauf."

"Hänsel und Gretel beschäftigen mich seit meiner Kindheit. Das Märchen ist ja eigentlich sehr gruselig, schon das Verhalten der Eltern hat mich immer vollkommen vor den Kopf gestoßen - und dann ist die Hexe auch noch Kannibalin", berichtet Autor und Verleger Kenneth Anders aus Croustillier. Und dann sei da noch die Oper von Engelbert Humperdinck, bei der die Eltern in ein anderes Licht gerückt werden, sodass die Verbindung mit dem Weihnachtsfest, die ja durch die Lebkuchen angelegt war, noch enger werden konnte, so Kenneth Anders weiter. "Und schließlich sah ich vor einigen Jahren die großartige Puppentheater-Inszenierung von Karl Huck und seiner Seebühne Hiddensee. Da hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, zu verstehen, was diese Geschichte mit uns heute zu tun hat. Seither denke ich darüber nach, ob man die Hexe nicht rehabilitieren müsste."

Das Versgedicht habe er schließlich aus einer Laune heraus auf den alten Liedtext Gretel geschrieben. "Dann lernte ich Martin Klingeberg kennen, der Musiker in Berlin ist - Trompeter, Sänger, Alleskönner - und eben auch ein sehr begabter Zeichner. Er hat zu dem Text Bilder gezeichnet, die meine Erwartungen bei weitem übertroffen haben. Die Bilder sind witzig, frech, aber auch irgendwie lieb", sagt Kenneth Anders. Dadurch sei es eine wunderbare Ehrenrettung der Hexe geworden, denn die sei eigentlich eine interessante Frau. Im Buch bringt sie den Kindern die Freude am Kochen nahe. "Die Kinder wiederum kann man auf neue Weise - nämlich als Gören unserer Zeit, die eigentlich zu viel vor der Mattscheibe hocken - dann doch ins Herz schließen", findet Anders. "Außerdem spielen wir mit den Landschaftsveränderungen unserer Zeit, denn die Wildnis ist nicht mehr da, stattdessen steht das Hexenhaus mitten auf einem Maisacker, am Horizont sind nur ein paar Windräder zu sehen."

So habe er versucht, das Motiv der Hexe in unserer Zeit nochmal zu drehen. "Bleibt nur ein Wunder - und das wäre, dass sich die zu Hause vernachlässigten Kinder bei Stromausfall überhaupt auf die Straße begeben und raus in die offene Landschaft laufen ..." Aber es sei eben ein Märchen, fügt Kenneth Anders an.

Martin Klingeberg & Kenneth Anders' "Hänsel und Gretel. Die Hexe war eigentlich eine interessante Frau" ist für 19 Euro im Buchhandel oder unter www.auflandverlag.de erhältlich.

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