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An der Friedrichsthaler Dorfeiche hängen viele Erinnerungen / Einwohner suchen für Stahlmanschette Baumpaten

Rettung eines Wahrzeichens

Stellen sich als Retter vor die Dorfeiche: Förster Jörg Kabelitz, Ortsbeirätin Kerstin Niemann und Eckhard Emeling. Sie suchen Geldgeber für eine Stahlmanschette um den Stamm.
Stellen sich als Retter vor die Dorfeiche: Förster Jörg Kabelitz, Ortsbeirätin Kerstin Niemann und Eckhard Emeling. Sie suchen Geldgeber für eine Stahlmanschette um den Stamm. © Foto: MOZ/Dietmar Rietz
Dietmar Rietz / 27.12.2014, 06:45 Uhr
Friedrichsthal (MOZ) Seit hunderten von Jahren trotzt die Dorfeiche in Friedrichtshal schon Wind und Wetter. Jetzt droht die Braunfäule sie zu kippen. Eine Gruppe von Baumfreunden um Revierförster Jörg Kabelitz versucht eine Rettungsaktion. Für die rettenden Stahlmanschetten werden Sponsoren gesucht.

Ortstermin in Friedrichsthal. Die Eiche auf dem früheren Festplatz ist ein Wahrzeichen des einstigen Kolonistendorfes und ein Naturdenkmal. Sie hat schon mehr Winter gesehen als der Ort Einwohner hat - 300 bis 350. Ein Radweg führt vorbei. Tafeln vom Nationalpark stehen davor. Ein kleiner Holzzaun bricht in sich zusammen. Die Eiche dahinter streckt an diesem kalten Wintertag ihre kahlen Äste wie anklagend in den Himmel, als schrie sie um Hilfe. Ihre Krone ist gesund, ihr Stamm von Braunfäule ausgehöhlt. Der nächste starke Orkan könnte sie kippen.

"Ehe das Land hier dem Landesforst zugeschlagen worden ist, gehörte es zur Gemarkung Hohenfelde und damit zu Schwedt. Die Stadt wollte unsere Eichen fällen lassen, der entsprechende Antrag lag schon auf dem Tisch, aber die Friedrichsthaler wollen ihre Eiche behalten, da hängen Erinnerungen von Generationen dran, deshalb wollen wir sie retten", erklärt Revierförster Jörg Kabelitz. "Aber die Sicherheit von Menschen geht vor. Wollen wir beides in Einklang bringen, braucht unsere Friedrichsthaler Eiche zwei Stahlmanschetten und wir suchen für das Naturdenkmal Sponsoren oder anders gesagt: Baumpaten."

Vor einigen Jahren hatte Kabelitz mit Unterstützung der PCK Raffinerie und der Papierfabrik Leipa auf diese Art schon mal in Damitzow einen wunderschönen Baum gerettet. Eckhard Emeling unterstützt den Förster: "Die Eiche stand wahrscheinlich schon, als mein Vorfahre, Friedrich Emeling, 1751 als Koloniste hier ankamen. Sie hat Dürren, Kriege und Kaiser überstanden. Als Kinder sind wir auf ihr herum geklettert. Als Schüler haben wir auf dem Platz Handball gespielt, als Erwachsene schöne Dorffeste rund um die Eiche gefeiert. Da standen Schießstände, Eis- und Brausebuden ringsherum. Es wurde getanzt. Wir sind es ihr schuldig, sie muss gerettet werden."

Ortsbeirätin Kerstin Niemann möchte die Eiche auch erhalten: "Die Radtouristen freuen sich über sie genau wie wir. Sie ist ein Wahrzeichen von Friedrichsthal. Sie muss bleiben."

Ein Anwohnerin gesellt sich zu der Runde an der Eiche. Sie weiß sogar, wie und wann dem Baum schwere Wunden geschlagen worden sind: "Das sind Kriegswunden. Aufklärungsflugzeuge der Russen haben hier 1945 auf zwei Deutsche geschossen. Die Eiche hat ihnen das Leben gerettet. Aber Geschosse und Splitter haben den Baum verletzt. Ja, sie müssen versuchen, unserer Eiche das Leben zu retten", erklärt sie.

Der Heimatautor Günther Ballentin hat in einem Buch die schweren Kämpfe an der Oder beschrieben.

Luftbildaufnahmen vom Sommer zeigen, dass die Krone der Eiche noch sehr vital ist. Förster, Denkmalschützer und Dorfbewohner sehen das als hoffnungsvolles Zeichen. Jörg Kabelitz, Kerstin Niemann und Eckhard Emeling meinen: "Wir können es mit etwas Hilfe schaffen. Dann können auch die nächsten Generationen Friedrichsthaler und Touristen sich an ihrem Anblick erfreuen."

Kommentare

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Ulla Wendt 27.12.2014 - 22:06:58

Was Wunder

Zitat: Die Stadt wollte unsere Eichen fällen lassen, der entsprechende Antrag lag schon auf dem Tisch, aber die Friedrichsthaler wollen ihre Eiche behalten... Ja da knallt die NATIONALPARKSTADT so richtig rein, nicht zu fassen...

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