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Siegfried Meyer engagiert und interessiert sich auch mit 88 Jahren noch für seinen Geburtsort Luckow

"Ich habe immer Glück gehabt"

Bilder, Dokumente und Aufzeichnung geben Auskunft über das lange und bewegte Leben des gebürtigen Luckowers Siegfried Meyer.
Bilder, Dokumente und Aufzeichnung geben Auskunft über das lange und bewegte Leben des gebürtigen Luckowers Siegfried Meyer. © Foto: Kathrin Putzbach-Timm
Kathrin Putzbach-Timm / 05.01.2015, 07:50 Uhr
Luckow-Petershagen (kpt) Wenn am Heiligen Abend in Luckow die Kirchenglocken zum Gottesdienst läuteten und die Weihnachtslieder auf der Orgel begleitet wurden, dann ist dies auch in großem Maße Siegfried Meyer zu verdanken. Für beide Projekte hat sich der gebürtige Luckower engagiert.

Er ist kein Sonntagskind, sondern am Ostermontag des Jahres 1926 geboren. Und doch würde er sich als Glückskind bezeichnen.

Bereits als Halbwüchsiger eignet er sich vom Vater Kenntnisse in der Elektrotechnik an und trägt mit zwölf Jahren zur Elektrifizierung des Dorfes bei, indem er in Luckower Wohnzimmern Lichtleitungen verlegt. Nach der achtjährigen Schulzeit besucht er ein Jahr die Handelsschule in Stettin. Mit siebzehn wird er zum Reichsarbeitsdienst eingezogen, nur sechs Tage nachdem seine Mutter an Lungenkrebs verstorben ist. Das letzte Kriegsjahr überlebt er bei der Kriegsmarine als Funker auf Fehmarn. Auch den Einsatz auf einem Minenräumboot übersteht er unbeschadet.

"Ich habe nie einen Menschen töten müssen, weil ich nie in eine solche Situation geraten bin. Da war viel Glück dabei." Mit Kriegsende hat er sich geschworen, nie wieder eine Waffe in die Hand zu nehmen, um sie auf Menschen zu richten. "Deshalb war ich auch nie bei der NVA."

Trotz fehlender abgeschlossener Berufsausbildung erweist sich der junge Siegfried Meyer als Tausendsassa, wie seine dicht beschriebenen Sozialversicherungsausweise aus dieser Zeit bezeugen. Er verdingte sich auf einem Schlepper, arbeitete in der Harzgewinnung, besuchte die Bauernhochschule. Er war Mitarbeiter der Kreisverwaltung und Instrukteur beim Verein der gegenseitigen Bauernhilfe. Er arbeitete als Anbauleiter im VEB Rohtabak Schwedt und war als Montagehilfsarbeiter beim Aufbau des Erdölverarbeitungswerks beteiligt. Während seiner Beschäftigung im PCK holte er den Abschluss der zehnten Klasse nach. Als im Chemiebetrieb der Einsatz des ersten Großrechners geplant wird, belegt er Weiterbildungskurse auf dem Gebiet der Datenverarbeitung. "Jede neue Herausforderung hat mich gereizt. Sobald mich die Routine langweilte, machte ich mich auf zu neuen Ufern", erzählt der 88-Jährige, dem seine Lehrer nicht zu Unrecht bescheinigten: "Sein mündlicher Ausdruck war stets mit gut bis sehr gut einzuschätzen".

Ihn, der selbst ursprünglich Lehrer werden wollte, begleitete lebenslang das bereits im Kindesalter und vom Vater geweckte Interesse an der Elektrotechnik. Folgerichtig legte er im Jahr 1975 die Meisterprüfung ab. Doch weil das PCK keine Verwendung für ihn hatte, verschlug es ihn zum Autobahnbau nach Michendorf, wo er zwölf Jahre als Revisionsmeister für die Sicherheit sorgte.

Bis zur Berentung im Jahr 1991 war er erfolgreich im Pektinwerk Werder tätig. Gern wäre er länger geblieben, doch die Pflege der Schwiegereltern brachte ihn und seine Frau Luise zurück nach Luckow. Heute wohnen die beiden, die bereits diamantene Hochzeit feierten, in Schwedt. Die Verbundenheit zum Geburtsort blieb. Und die zur Kirche. "Nach dem Krieg dachte ich, es kann nicht sein, dass ein Gott zulässt, dass Millionen von Menschen ermordet und vertrieben werden." Später erkannte er, dass man einem Gott nicht die Schandtaten anlasten kann, die der Mensch begeht und trat 1988 wieder in die Kirche ein.

"Mir hat das schon Jahre auf den Nägeln gebrannt mit der Glocke", sagt Siegfried Meyer, der 1941 mit ansehen musste, wie sie demontiert wurde, um sie dem Krieg zu opfern. In Pfarrer Tauchert fand er einen begeisterten Mitstreiter, sodass sich in seinem Notizbuch schon bald die akribisch genauen Aufzeichnungen über die Maße der Stahlkonstruktion befanden. Im Jahr 2010 wurde die neue Glocke feierlich eingeweiht. Und auch die Elektroinstallationsarbeiten für die im vergangenen Jahr aufgebaute Schwarzenbach-Orgel hat er eigenhändig ausgeführt.

Der nach wie vor politisch wache und interessierte Mann ist angesichts der gegenwärtigen Situation in der Welt beunruhigt. "Der Mensch scheint nichts dazu zu lernen."

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