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Wild aus den Verstecken getrieben

Durch dichte Bestände von Jungbuchen: Treiberführer Jörg Sprößig legt die Route fest, auf der er mit Hartmut Matthies und Wolfgang Köhn (von links) durch den Wald geht, um das Wild aus den Verstecken zu treiben.
Durch dichte Bestände von Jungbuchen: Treiberführer Jörg Sprößig legt die Route fest, auf der er mit Hartmut Matthies und Wolfgang Köhn (von links) durch den Wald geht, um das Wild aus den Verstecken zu treiben. © Foto: MZV
Mandy Oys / 09.01.2015, 10:00 Uhr
Altglobsow (MZV) Knacken im Unterholz, Pfiffe und Rufe - 75 Jäger aus dem gesamten Bundesgebiet und aus Dänemark sind zur Jagd ins Revier Neuroofen gekommen.

Es sind Hundeführer darunter und Privatjäger. Knapp einhundert sind zudem für die Jagd am nächsten Tag im Menzer Revier von Jörg Sprößig angemeldet. Sprößig fungiert heute nicht als Organisator, sondern als Treiberführer. Die Förster der umliegenden Reviere der Landesforst unterstützen sich während der Jagdsaison gegenseitig. Von Anfang November bis Ende Januar wird Rot-, Dam- und Schwarzwild nachgestellt. Drei Jagden finden allein bis zum Sonnabend nördlich von Gransee statt.

800 Hektar Wald werden heute bejagt. Jörg Sprößig, Ehefrau Marita und die zwei Waldarbeiter Hartmut Matthies und Wolfgang Köhn laufen durchs Dickicht, sie rufen und pfeifen. Sie gehören zu den Treibern, die das Wild beunruhigen sollen - wie es im Fachjargon heißt. Es gilt, das Wild aus dem Unterholz vor die Flinten der Jäger zu treiben. Es sind Schwarzwildbracken wie Don im Einsatz und Terrier. Einige sind sogenannte selbstjagende Hunde, die das Wild aus seinen Verstecken jagen. Andere begleiten die Treiber - wie Don. Er meldet sich bellend, sobald er Wild aufgespürt hat. Jörg Sprößig verharrt kurz, um auszumachen, was der Hund aufgespürt hat. Sein Hund soll die Rotten in Bewegung bringen. Rehe und einen Hasen stöbert er heute auf. Die Hatz nach dem Hasen ist zwar aussichtslos, dennoch gibt der junge Hund lange nicht auf. "Er findet uns, egal wie weit er auf der Jagd nach dem Hasen davonläuft", sagt Jörg Sprößig. Wenige Sekunden später taucht Don zwischen jungen Buchen wieder auf.

Viele der Bäume leiden unter Wildverbiss. Ist zu viel Wild im Wald hat der Buchennachwuchs wenig Chancen zu stattlichen Exemplaren heranzuwachsen. Das ist schließlich auch der Grund, warum die Revierförster Jagden wie diese organisieren. Es wird auch nachgepflanzt, nachdem im Revier gesammelte Bucheckern in einer Gärtnerei vorgetrieben wurden. Aber der Idealfall und die günstigste Methode, den Wald aufzuforsten, ist die natürliche. Wo heute noch riesige Kiefern stehen, soll in ein paar Jahrzehnten die Buche herangewachsen sein, die heute knapp 1,50 Meter groß ist. Beim Marsch durch den Wald zeigt Sprößig immer wieder, wie junge Bäume aussehen, deren Haupttriebe vom Wild abgefressen wurden. Sie verzweigen sich stark. Schäden richten Rot- und Damwild auch an den Rinden junger Bäume an. Sie schälen sie regelrecht. "Die sind dazu verdammt, abzusterben", sagt Jörg Sprößig. Der Menzer Revierförster und seine Begleiter sind auch im Dickicht schon von weitem auszumachen. Die orangen Westen und Jacken leuchten selbst an einem trüben Tag wie diesem. Nicht nur um das Wild aufzuscheuchen, sondern auch um von den Jägern ausgemacht werden zu können. Zusätzlich machen sie sich rufend bemerkbar.

Die Jäger mit ihren Repetier- und Kipplaufwaffen, die heute zur Jagd nahe Altglobsow gekommen sind, sitzen allesamt auf Hochständen. Sie werden von Ortskundigen dorthin gebracht und dürfen den Sitz nicht verlassen, bevor die Jagd beendet ist. Das ist eine der Sicherheitsvorschriften, die eingehalten werden muss. "Sie geben ihren Schuss vom Hochsitz aus ab. So landet die Kugel im Boden, sollte sie das Wild verfehlen", sagt Jörg Sprößig. Ein parallel im Gelände ausgeführter Schuss, der daneben geht, könnte weit entfernte Menschen treffen- zu gefährlich.

An Drückjagden können Försterkollegen, Waldarbeiter und Hundeführer teilnehmen, ohne einen Obolus entrichten zu müssen. Für Trophäen zahlen sie ein sogenanntes Knopfgeld, erklärt Jörg Sprößig. Die Revierförster geben zudem Begehungsscheine an Jäger heraus, die ein Jahr lang gültig sind. Privatjäger zahlen etwa 100 Euro für einen Jagdtag wie diesen bei Altglobsow. Autos mit Erfurter und Osnabrücker Kennzeichen stehen am Waldweg. Wer von den angereisten Jägern einen Keiler erlegt, der mehr als 75 Kilogramm wiegt und älter als zwei Jahre ist, muss zusätzlich 300 Euro entrichten.

Während der Jagd im Neuroofener Revier werden am Donnerstag schließlich 14 Sauen, zwölf Rehe, ein Stück Damwild und ein Waschbär erlegt. "Ein durchschnittliches Ergebnis, ich bin zufrieden", resümiert der zuständige Revierförster Matthias Henkel am Nachmittag.

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