Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Rund um den Hobrechtsfelder Speicher sollen Gartenbau und regionale Landwirtschaft mit Gastronomie entstehen

Vom Gutshof zum Mustergut

Landwirtschaft um Vorzeigen: Während im Besucherzentrum des Kornspeichers mit Aussichtsplattform über die frühere Bedeutung des Stadtguts informiert wird, sollen auf dem Gelände wieder Gewächshäuser, ein Hofladen und kleinere Gewerbe entstehen.
Landwirtschaft um Vorzeigen: Während im Besucherzentrum des Kornspeichers mit Aussichtsplattform über die frühere Bedeutung des Stadtguts informiert wird, sollen auf dem Gelände wieder Gewächshäuser, ein Hofladen und kleinere Gewerbe entstehen. © Foto: MOZ
Olav Schröder / 20.02.2015, 05:45 Uhr
Hobrechtsfelde (MOZ) Ehrgeizige Pläne bestehen für das Gut Hobrechtsfelde. Die Anlage, die einst über Jahrzehnte zur Versorgung der Bevölkerung in Berlin und Brandenburg beitrug, soll sich zu einem Mustergut mit Gastronomie, Anbau, Veredelung und Vermarktung regionaler Produkte sowie zur Freizeitgestaltung entwickeln.

Die erste Phase der Wiederbelebung der Landschaft um das alte Berliner Stadtgut geht ihrem Ende entgegen. In einem insbesondere vom Bundesamt für Naturschutz geförderten Projekt wurde die ganzjährige Waldweide-Wirtschaft von Rindern und Pferden eingeführt und die Sanierung des Wasserhaushalts der einstigen Rieselfeld- Landschaft begonnen. Das 2011 gestartete Projekt wurde mit mehr als zwei Millionen Euro gefördert.

Vom ehemaligen Gut sind noch der historische Speicher, die Scheune mit einer Fläche von 800 Quadratmetern und das Verwalterhaus vorhanden. Das riesige Gelände, von dem aus einst eine Feldbahn Obst und Gemüse nach Berlin-Buch beziehungsweise in Richtung Lobetal transportierte, wirkt daher auf die Besucher "sehr kahl", wie Planer Martin Schmidt-Roßleben von ArtPro Consulting& Kulturmanagement in einer Informationsveranstaltung des Panketaler Ortsentwicklungsausschusses sagte. Ziel sei es, das Gut in seinen Beziehungen zum Ort und zur umliegenden Rieselfeld-Landschaft wieder herzustellen. So soll der Speicher wieder Funktionsanbauten erhalten, zum Beispiel eine Küche. Im Speicher ist eine gastronomische Einrichtung mit Freisitz vorgesehen. Alle Ebenen des Gebäudes werden barrierefrei erschlossen. Die einzelnen Etagen können für weitere Ausstellungen, Tagungen oder ähnliche Veranstaltungen genutzt werden. Der Dachturm soll als Ausblick dienen. Die sechs Eingänge der großen Veranstaltungsscheune eignen sich für Garderoben und WC.

Wo früher die Gutshofställe standen, ist die Errichtung eines energiesparenden Gewächshauses mit Hofladen vorgesehen, der durch die Hoffnungstaler Werkstätten Lobetal betrieben wird. Diese kooperieren bereits mit dem Naturpark Barnim und werben beispielsweise mit ihrem Bio-Joghurt für ihn.

Außerdem sollen Bauten zur Veredelung von regionalen Produkten wie Fleisch, Obst oder Milch errichtet werden. Martin Schmidt-Roßleben denkt beispielsweise an eine Fleischräucherei oder eine Obstsafterei. Für die Wärmeversorgung der gesamten Anlage ist ein Blockheizkraftwerk geplant. Im Bereich des Klettergartens, in dem sich nie Rieselfelder befanden, könnten Kleingärten vermietet werden. Unter dem Stichwort "Urban Gardening" - städtisches Gärtnern - entsteht derzeit auch in Berlin eine große Nachfrage nach kleinen Anbauflächen.

Darüber hinaus sollen die im 19. Jahrhundert angelegten Sichtachsen wieder entstehen, Apfelbaum-Alleen auf das Gutsgelände verlängert und die alte Feldbahn zumindest in Teilen wieder angelegt werden.

Das A und O aber sei die Öffnung und Wiederherstellung der Zugangswege insbesondere von den S-Bahnhöfen Buch und Röntgental zum Gut und in die Landschaft hinein, betonte Martin Schmidt-Roßleben. Wanderwege seien zugewuchert, bei Radwegen fehle oft ein Anschluss. Auch die Reste der ehemaligen Zugangstore, die heute in der Landschaft stehen, könnten wieder rekonstruiert werden. Für Besucher, die mit dem Pkw kommen, ist ein Parkplatz auf dem Gutsgelände vorgesehen. Grundsätzlich sollen nur wenige Großveranstaltungen durchgeführt werden. Für diese ist außerhalb des Ortes, eventuell auf dem alten Fußballplatz, eine weitere Parkmöglichkeit vorgesehen. Anwohner beklagen bereits, dass Hobrechtsfelde bei den bisherigen besucherträchtigen Festen zugeparkt worden sei und Abfälle in den Vorgärten landeten. Petra Bierwirth als Vorsitzende des Fördervereins Naturpark Barnim sagte zu, die Anwohner nach dieser ersten Informationsveranstaltung noch näher einzubeziehen.

Um das Entwicklungsprogramm zu realisieren, ist an die Gründung einer Betreibergesellschaft unter Einbeziehung der Berliner Stadtgüter als Eigentümer gedacht. Ihre wichtigste Aufgabe wird es sein, sich um eine Förderung des Vorhabens durch die Kommunen und Landkreise, die Länder Berlin und Brandenburg sowie durch den Bund zu kümmern, die bereits das Erprobungsprojekt der ersten Phase unterstützt haben. In der Förderperiode 2015 bis 2020 sollen laut Peter Gärtner, dem Chef der Naturparkverwaltung, insbesondere europäische Fördermittel den Grundstein für das Projekt bilden. Von der Betreibergesellschaft seien rund acht Millionen Euro "zu stemmen".

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG