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Protagonisten des Oster-Kloster-Festes werden probehalber lebendig / Mittelalterband Spilwut feiert 33-jähriges Bestehen

Die Drachen sind los

Ellen Werner / 02.03.2015, 06:58 Uhr
Golzow (MOZ) Noch einen Monat dauert es bis zum Auftritt. Zur großen Drachenprobe hat Roman Streisand den größten Protagonisten des Oster-Kloster-Festes aber schon Leben eingehaucht. Auch die Musiker proben bereits. Zum Jubiläum holt Spilwut frühere Kollegen aus bekannten Bands wie In Extremo mit auf die Bühne.

Probenatmosphäre auf dem Künstlerhof: Im Ofen lodert ein Feuer. Dutzende Instrumente, überwiegend Flöten, Rohrklarinetten und Sackpfeifen aus der eigenen Werkstatt, hängen an den Wänden.

Zwei Hümmelchen, kleine Kammerdudelsäcke, wie sie in der Renaissance- und Barockzeit schon gespielt wurden, klingen leiser als erwartet, bestimmen aber doch die Geräuschkulisse. "Ach, ihr Männer, alte und neue, fürchtet nicht mein' ungeheuer großen Arsch und Pracht der Brust", beginnt das Lied der Frühlingsgöttin. Spilwut-Chef Roman Streisand und Sängerin Michaela Menda führen die Melodie. Posaune, Basstrommel, Krummhorn und die Thüringer Waldzither, ein Zupfinstrument mit neun Saiten, ergeben den typisch mittelalterlichen Klang.

Zum Teil nach vielen Jahren kommen die Musiker wieder zusammen. "Wir haben diesmal eine Supergroup", erklärt Roman Streisand. Der Mann, der vor 33 Jahren mit Spilwut eine der ersten Mittelalterbands begründete und die ostdeutsche Mittelalterszene prägte, hat für das Oster-Kloster-Spektakel in Chorin frühere Bandmitglieder zusammengetrommelt. "Da gibt es einige Kollegen, die vor längerer Zeit bei Spilwut waren und jetzt in berühmten Bands spielen."

Von allen am bekanntesten sind heute In Extremo, die den Mittelaltermetal erfanden, es an die Spitze der Charts geschafft haben, Welterfolge feiern und inzwischen selbst gern als Mutter aller Mittelalterbands bezeichnet werden. Dudelsackspieler Marco Zorzytzky, genannt auch Flex, der Biegsame, spielte vor über 20 Jahren bei Spilwut. Wie es ist, an die Wurzeln zurückzukehren? "Sehr schön", sagt er in einer Probenpause. Gerade zu Ostern hat der 42-Jährige die alte Band schon häufiger als Gastmusiker unterstützt. Angezogen "in erster Linie vom Markttreiben und dem Gefühl einer historischen Identität", weil es doch etwas anderes ist, als auf den großen Bühnen zu stehen, sagt er. "In der Halle ist man sehr eingeschränkt in der Show, so ein Markt hat da ganz andere Möglichkeiten."

Ausgeholfen haben noch früher auch Pan Peter und Castus von den heute ebenfalls als altgediente Stars der Szene zählenden Spielleuten Corvus Corax. Auch weitere Bandkollegen von einst wie der international anerkannte Perkussionist Michael Metzler holen noch einmal die gemeinsame Vergangenheit zurück. "33 Jahre - das finde ich besser, als ein 35-jähriges Jubiläum zu feiern", sagt Streisand.

Die aus allen Phasen der Band bestehende Spilwut-Truppe wird in verschiedenen Besetzungen zum Oster-Kloster-Fest aufspielen. Seit wenigen Tagen schreibt Streisand am Programm. Dazu gehört auch das neue Stück fürs Drachentheater, das erst noch zu Papier gebracht werden muss. Fest steht aber schon, dass Höllenmaul Sulpur, der rote Lindwurm und der grüne Drache Braxchileus Rammdorn sich feuerspuckend spektakuläre Kämpfe liefern werden.

Wie die zwei anderen Theaterstücke, die Passionsgeschichte sowie das Winteraustreiben, die seit den Oster-Kloster-Anfängen vor 26 Jahren dazugehören, hat Roman Streisand Sulpur nach historischen Quellen aus dem Mittelalter erstehen lassen. Der Halbdrache, den es eigentlich schon sehr lange gibt, trat im vorigen Jahr zum ersten Mal wieder in Erscheinung. Beim großen Brand von Streisands Kulturscheune in Schönhof war das alte Höllenmaul den Flammen zum Opfer gefallen.

Zwei Jahre brauchte Streisand für den Nachbau. Im Laufe des vorigen Jahres ist der Lindwurm, der früher nur aus einem Kopf bestand, sogar noch gewachsen. In Chorin wird er zum ersten Mal mit einem 15 Meter langen Körper zu sehen sein.

Das Oster-Kloster-Fest mit Theater, Konzerten, Gauklern, Handwerkermarkt und Ritterlager steigt vom 2. bis 6. April auf dem Mittelaltergelände zwischen Sandkrug und dem Kloster Chorin.

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