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Feiertag für Lichtenberg

Kommt eine Spitze geflogen: Am Donnerstag, kurz nach 13 Uhr, hob sie ab, die Lichtenberger Kirchturmspitze und landete kurz darauf sicher an ihrem Bestimmungsort.
Kommt eine Spitze geflogen: Am Donnerstag, kurz nach 13 Uhr, hob sie ab, die Lichtenberger Kirchturmspitze und landete kurz darauf sicher an ihrem Bestimmungsort. © Foto: moz/thomas gutke
Thomas Gutke / 13.03.2015, 04:15 Uhr
Lichtenberg (MOZ) Es ist geschafft: Seit Donnerstag hat die historische Lichtenberger Kirch-ruine wieder eine Turmspitze. Ein Kran hob die hölzerne Konstruktion am frühen Nachmittag zentimetergenau an die richtige Stelle. Einige Anwohner, die das Schauspiel verfolgten, hatten Tränen in den Augen.

"Dass ich das noch miterleben darf", meinte ein sichtlich bewegter Hans Joachim Bär. Der 84-Jährige ist in Lichtenberg geboren und sei noch, wie er erzählte, am 6. April 1945 in der alten Dorfkirche konfirmiert worden. Wenige Tage später wurde das Gebäude dann bei Kämpfen durch Artilleriefeuer beschädigt. Nach dem Krieg verfiel es zusehends. Vor Bäumen und Sträuchern war die Ruine bald kaum noch zu erkennen.

2001 begannen die Lichtenberger mit der behutsamen Sanierung ihrer Dorfkirche. Jahr für Jahr wurde ein kleines Stück geschafft - das Mauerwerk ausgebessert, der Turm rekonstruiert und begehbar gemacht, der offene Altarbereich hergerichtet. "Die Lichtenberger haben hier etwas gemeinsam aufgebaut, in ihrem ganz eigenen Rhythmus", erklärte Pfarrerin Katharina Falkenhagen, die das Projekt von Anfang begleitet. Der Kirchenbau stifte Identität.

Das findet auch Ellen Thom, die Ortsvorsteherin. "Das ist ein unglaublich bewegender Moment für mich, und vor allem für Lichtenberg", sagte sie, als die Spitze gen Kirchturm abhob.

Glockenstuhl und Turmspitze haben zusammen 25 000 Euro gekostet - finanziert ausschließlich aus Spendengeldern. Im Dezember hatte der Holz- und Ingenieurbaubetrieb von Olaf Sawall aus Golzow die Spitze aus Lärchenholz zusammengebaut. Metallbau Treseler aus Treplin lieferte den Spitzenaufsatz samt das Kreuz. Eine Außenhülle soll das hölzerne Skelett erst später bekommen.

Ein erster Versuch, die Turmspitze zu heben, war am 23. Dezember gescheitert - der Weg hinauf zur Kirche war für den Kran zu nass und rutschig.

Am Donnerstag ging alles glatt. Die nächste Etappe beim Wiederaufbau ist damit geschafft. Das nächste Ziel: der Einbau einer alten Glocke in den Kirchturm noch in diesem Jahr. Sie stammt aus der Schlosskirche Cottbus, die kürzlich zur Synagoge umgewidmet wurde.

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