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Haufenweise Liebhaberstücke

Internationaler Besuch: Melisa, Alisa und Manuela aus Serbien ließen sich von ihrem Vater die Erklärungen von Norma Strauß in Lentzke übersetzen. Diese ermöglichte es den Besuchern, ihr bei der Arbeit zuzuschauen.
Internationaler Besuch: Melisa, Alisa und Manuela aus Serbien ließen sich von ihrem Vater die Erklärungen von Norma Strauß in Lentzke übersetzen. Diese ermöglichte es den Besuchern, ihr bei der Arbeit zuzuschauen. © Foto: MZV/Bandoly
Inez Bandoly / 15.03.2015, 18:21 Uhr
Hakenberg/Lentzke (MZV) Zum Tag der offenen Töpferei hatten Keramiker für das zweite Wochenende im März eingeladen. Allein in Berlin-Brandenburg konnten Interessierte 36 Töpfereien, Werkstätten, Studios und Ateliers zu besuchen - zwei davon auch in der Gemeinde Fehrbellin.

Bereits am frühen Sonnabendvormittag war der Arbeitsraum der Hof-Werkstatt von Norma Strauß in Lentzke voller Menschen. Kaum ein Fuß breit war noch Platz, denn die meisten schauten der Keramikerin auf die Hände, während sie an der Drehscheibe einen Klumpen Ton in eine bauchige Form verwandelte. Dabei tauchte Norma Strauß ihre Hände zwischenzeitlich immer wieder ins Wasser. Melisa, Alisa und Manuela aus Lentzke waren zum ersten Mal in der Werkstatt. Die drei Schwestern aus Serbien erfuhren von ihrem Vater, der sich mit Norma Strauß in englischer Sprache verständigte, einiges über das Handwerk.

Töpfern ist eine der ältesten Handwerkstechniken. Menschen haben schon seit der Jungsteinzeit Figuren aus Ton hergestellt. Die ersten Gefäße aus diesem Material, wie Krüge und Schüsseln, stammen aus China und sind zirka 18 000 Jahre alt. Die Töpferscheibe soll es bereits seit dem sechsten Jahrtausend vor Christi geben. "Dieses Handwerk vorzustellen, dazu ist dieser Tag gedacht", sagte die Keramikerin Norma Strauß. Sie freute sich über das große Interesse der Besucher, die genauer nachfragten - ob nach der Herstellung oder auch nach Unterschieden zwischen industriell und manuell hergestellter Keramik.

Strauß ist auf letztere spezialisiert und die Besucher konnten sich am Wochenende in ihrer Werkstatt über eine Vielzahl von Unikaten freuen. Dort verarbeitet die Keramikerin lederfarbenen Ton, der Eisenspots enthält. Diese schmelzen beim zweiten Brand bei 1 260 Grad Celsius und hinterlassen eine schöne Struktur unter der grünen Glasur an Tassen, Krügen, Schüsseln - jedes Stück hat seine Note.

Es gibt inzwischen Menschen, die regelmäßig ihre Rundtouren an solchen Aktionswochenenden wie dem Tag der offenen Töpferei machen. So fuhren viele von ihnen auch dieses Mal in die Töpferei nach Hakenberg. Dort öffneten Töpfermeisterin Susann Noeske-Heisinger und Steffi Barchewitz die Türen zu Ausstellungsraum und Werkstatt. Die Töpferscheibe stand dort still, stattdessen wurde Platz zum Verweilen für die Besucher geschaffen. Bei Kaffee und selbst gebackenem Kuchen kamen sie schnell ins Gespräch mit der Töpfermeisterin. Susann Noeske-Heisinger verwendet vorzugsweise rotbrennenden Steinzeugton und bedient sich Techniken wie Fayence. Das heißt, sie malt die Motive mit der Hand auf. Für Einzelstücke wie Windlichter, Landschaften, Rosen und Kerzenteller wendet sie entweder Graffito, Auflege- oder Ausschneidetechnik an und schafft wunderbare Unikate.

Für ihre Vielzahl an Gebrauchsgeschirr mit Motivserien wie Wiese, Stadt, Libellen und Katze und ebenso für ihre vielen Einzelstücke ist sie bereits überregional bekannt. Das Ehepaar Haßfeld aus Zehlendorf im Havelland besuchte zum ersten Mal die Töpferei in Hakenberg. Die beiden suchten nach einem Geschenk, einer kleinen Vase für nur eine Blume, und wurden zu ihrer Freude schnell fündig.

Stammgäste wurden dieses Mal von der Töpferin mit neuen Stücken wie Uhren, Vogeltränken und Lampen überrascht. Während ein Besucher einen der dekorativen Zeitmesser näher betrachtetet, hockten zwei junge Frauen vor einem Regal. Dort standen viele Tellern gestapelt. Sie nahmen jedes einzelne Stück vorsichtig in die Hand und sahen es sich genauer an. "Hier ist das Bienchen auf einer gelben Blume", sagte die eine. "Hier ist ein Käfer zwischen den Gräsern", freute sich die andere. Beide waren entzückt über die unterschiedlich gestalteten Motive und hatten die Qual der Wahl beim Kauf.

Wer sich für ein Stück mit den Katzenmotiven entschied, hatte es aber auch nicht einfacher, denn es gibt eine neue Kollektion. Neben den Tassen und Tellern mit den Samtpfoten sind jetzt auch Stubentiger allein zwischen Blumen sitzend zu sehen. Bei genaueren Hinschauen werden dabei kleine verspielte Details wie ein Mäuschen oder Schmetterlinge entdeckt.

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