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Fußballplatz verwaist in Gühlen-Glienicke

Keiner kickt am Waldrand: Der Gühlen-Glienicker Fußballplatz wird trotz Flutlichtanlage nicht mehr genutzt. Auch das Dorfgemeinschaftshaus ist nur zur Hälfte ausgelastet.
Keiner kickt am Waldrand: Der Gühlen-Glienicker Fußballplatz wird trotz Flutlichtanlage nicht mehr genutzt. Auch das Dorfgemeinschaftshaus ist nur zur Hälfte ausgelastet. © Foto: MZV
Daniel Dzinian / 18.03.2015, 17:53 Uhr
Gühlen-Glienicke (RA) So kann es manchmal auch kommen: Die Stadt Neuruppin investiert viel Geld in ein Dorfgemeinschaftshaus. Und dann wird es nur wenig genutzt. Das ist in Gühlen-Glienicke der Fall.

Seit etwa einem Jahr trainiert die Spielvereinigung Gühlen-Glienicke-Rägelin nicht mehr auf dem Sportplatz. Er sollte das Haus eigentlich in erster Linie nutzen. Der Verein ist, wie der Name schon sagt, auf zwei Dörfer aufgeteilt. Kurz zuvor hatte die Stadt Neuruppin erst rund 130000 Euro für die Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses ausgegeben. Es entstanden vier Kabinen und Duschen. Auch neue Flutlichtmasten stehen dort. Heute ist der Platz weitgehend verwaist.

Einerseits sind die Kicker des Vereins selbst nicht richtig froh, dass sie den Platz nicht mehr nutzen können. "Wir haben viele Arbeitsstunden und auch viel eigenes Geld in die Anlage gesteckt", sagt der Vorsitzende Olaf Müller. Das Flutlicht wurde über Sponsoren finanziert. Der wichtigste Grund, warum die Kicker Gühlen-Glienicke den Rücken gekehrt haben, sei laut Müller aber eine Laune der Natur. Weil der Rasen von Engerlingen, also von den Larven des Maikäfers befallen war, entschied sich der Verein, auf den Rägeliner Platz auszuweichen. "Eine Bekämpfung wäre nach meinem Wissen sehr teuer gewesen", so Müller. "Und es ist nicht einmal sicher, dass der Schädling ein paar Jahre später nicht wieder da gewesen wäre." Engerlinge fressen die Wurzeln der Grashalme und befinden sich so dicht unter der Erdoberfläche, dass Vögel und Waschbären sie sich allzu gern schnappen. Für einen gepflegten Rasen ist das kontraproduktiv. Allzu viele Mitglieder hatte der Verein aber auch nicht mehr. Ein Platz war völlig ausreichend. Und so entschieden sich die Kicker für den mit den besseren Bedingungen.

So richtig verstanden hat Gühlen-Glienickes Ortsvorsteher Michael Peter (CDU, auch Stadtverordneter in Neuruppin) den Weggang des Vereins nicht. "Seit Mai 2014 bin ich dort nicht mehr im Vorstand", so Peter. "Kurz nachdem es den neuen Vorstand gab, hat dieser sich für Rägelin entschieden." Nun ist das Dorfgemeinschaftshaus nur noch zu maximal 50 Prozent ausgelastet. Der Ortsbeirat tagt dort etwa.

Auch im Rathaus der Fontanestadt ist man mit der Entwicklung nicht glücklich: "Ja, das ist ärgerlich", sagte Baudezernent Arne Krohn dem RA auf Nachfrage. "Nun muss der Ortsbeirat beziehungsweise ein anderer Verein sich Gedanken machen, wie die Auslastung wieder erhöht werden kann. Denn die Betriebskosten der Dorfgemeinschaftshäuser sollen ja durch die möglichst intensive Vermietung an Dritte mit aufgebracht werden." Doch aktuell hat auch die Stadtverwaltung Mühe mit dem Management der Ortsteile. Eine Stelle ist bislang nicht ausgeschrieben, das bislang damit beauftragte Planungsbüro hat keinen Vertrag mehr. Wenn sich das wieder ändert "wird die Stadtverwaltung bei der Suche nach alternativen Nutzungen gerne helfen", so Krohn.

Derweil harrt der Sportplatz am Waldrand mit vier Flutlichtanlagen weiter der Dinge, die da kommen mögen. Der Engerling wäre möglicherweise noch zu bekämpfen gewesen. Laut dem Experten des Vereins der Deutschen Rasengesellschaft mit Sitz in Nordrhein-Westfalen, Dr. Harald Nonn, müsste man zunächst genau bestimmten, um welche Engerling-Larve es sich handelt. "Für den Einsatz von Insektiziden bräuchte man eine Genehmigung, das ist nicht der beste Weg", so Nonn. "Viel besser wäre eine biologische Herangehensweise. Man setzt sogenannte Nematoden, also Fadenwürmer, als natürliche Gegner ein." Nonn räumt ein, eine Behandlung für einen Fußballplatz könnte gut und gerne 900 Euro kosten. "Wenn man eine kleine Population der Würmer im Rasen aufbaut, breiten sich die Engerlinge aber weniger aus", so der Spezialist.

Aber auch die wirtschaftlichen Bedingungen könnten für die Spielvereinigung in Gühlen-Glienicke ein Grund für den Weggang des Vereins sein. Denn auch die Gemeinde Temnitzquell hat vor fünf Jahren in den Sportplatz Rägelin investiert - nur rund 10 000 Euro. Unter anderem gibt es hohe Ballfangnetze. Laut dem Bauamtsleiter des Amtes Temnitz, Hartmut Pieper, hat der Verein den Platz kostenlos übertragen bekommen und zahlt dort lediglich die Betriebskosten.

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