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Beckelhering im Schnack mit der Magd

Töpfer, Gaukler, Schuhmacher: Das mittelalterliche Marktleben wird im Archäologiepark Freyenstein durch neue Tafeln noch einmal ein Stück weit lebendiger. Ein Hörspielgeschichte mithilfe eines Audio-Guides tut ihr Übriges dazu.
Töpfer, Gaukler, Schuhmacher: Das mittelalterliche Marktleben wird im Archäologiepark Freyenstein durch neue Tafeln noch einmal ein Stück weit lebendiger. Ein Hörspielgeschichte mithilfe eines Audio-Guides tut ihr Übriges dazu. © Foto: MZV/Schönberg
Christian Schönberg / 09.04.2015, 18:25 Uhr
Freyenstein (MZV) Zwei Meter hoch, sechs Meter breit, die Silhouetten von Figuren und Gegenständen nach vorn versetzt: Mitten auf dem weiten Freigelände des Archäologieparks Freyenstein fallen die neuen Cortenstahl-Tafeln sofort ins Auge.

In dieser Woche sind die letzten aufgestellt worden; heute ist die Bauabnahme. Die Tafeln gehören zu einem der umfassenden Bauabschnitte, die dazu dienen, die Kluft zwischen der staubig wirkenden Archäologie und der Lebendigkeit vergangener Zeiten zu überbrücken. "Das, was unter der Erde schlummert, lässt kaum erahnen, was sich auf der Erdoberfläche abgespielt hat", sagt Stephanie Kroll. Das darzustellen, wie es "oberhalb ausgesehen" haben könnte - "das war unsere Herausforderung" fügt sie hinzu.

Die Diplom-Museologin aus Potsdam hat mit ihrer Gestaltungsfirma "Kreativköpfe" das Konzept für den Park erarbeitet. Nach Entwürfen der Berliner Bildhauerin Barbara Krücke-meyer hat die Firma Kronmark aus Rosenwinkel Figuren und Tafeln aus Cortenstahl gefertigt, einem als besonders wetterfest geltenden Material.

Doch es galt nicht nur, das Marktleben bildlich zu veranschaulichen. Die Brücke zwischen dem Leben im Mittelalter und den modernen Ansprüchen des Geschichtsinteressierten zu schlagen - das gelingt mit Fantasie. So ist der Perleberger Fischer und Fischhändler Heinrich Beckelhering nicht nur als Stahlsilhouette zu sehen, sondern auch zu hören - wenn man sich des Audio-Guides bedient, den Besucher erhalten können: Per Ansprachen im Kopfhörer wird man durch den Park geführt. So lässt sich dem redseligen Fischer aus Perleberg lauschen, wie er beispielsweise im Plausch mit der Magd deren Klagen über eine verloren gegangene Münze über sich ergehen lassen muss - was selbst ihm kurz die Sprache verschlägt.

Die anderen Handwerker haben bei der Audioführung ebenfalls Namen. Der Schmied heißt Claus Rodekopp, der Töpfer Friederich Hefener und der Bäcker Conrad Beckhus. "Die Namen sind natürlich nicht belegt", sagt Kroll. Dass es aber Fischhändler, Schmiede und andere fürs Stadtleben wichtige Handwerker auf dem Markt gegeben hat, wird nur dadurch besonders lebendig: Der Besucher fühlt sich - im doppelten Wortsinn - "gleich angesprochen", sagt Kroll.

Dennoch wird Faktentreue gewahrt: Neben der Hörspiel-Ebene enthält der Audio-Guide auch eine sachliche Ebene: In dieser geht es dann vor allem um die Fakten, welche Bedeutung die einzelnen Handwerke im mittelalterlichen Stadtleben hatten. Die neuen Tafeln stellen zumeist Marktstände dar. Mit Stichworten wie "Buntes Tuch und Sommerwolle" fürs Tuchmacherer- oder "Riemenschuh und Lederstiefel" fürs Schusterhandwerk sind die wesentlichen Wirtschaftzweige dargestellt: Töpferei, Bäckerei und Fischerei kommen hinzu. Symbole und Nummern bilden die Brücke zur Bedienung des Audio-Guides, so dass man dem Wissenswerten lauschen und gleichzeitig die Tafeln betrachten kann. Schließlich gibt es da noch die "Marktordnung und Stadtrecht". Gotische Fensterformen markieren dort den Weg - eine Erinnerung daran, dass der 970-Einwohner-Ortsteil von Wittstock einst tatsächlich eine nicht nur für den Markgrafen Brandenburgs bedeutende Stadt war(siehe Infokasten).

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■ Freyenstein ist zu Beginn des 13.Jahrhunderts vom Markgrafen angelegt worden - als Grenzfestung gegen Mecklenburg. Es erhielt schon früh das Stadtrecht.
■ Durch seine Grenzlage ist der Ort aber oft von Mecklenburg aus heimgesucht worden. 1287 wurde die Stadt aufgegeben und ist in unmittelbarer Nähe in kleinerem Ausmaß wieder aufgebaut worden.
■ Die Grundmauern der aufgegebenen Siedlung sind fast unzerstört erhalten. Freyenstein gilt als eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtwüstungen in Deutschland. Der Archäologiepark ist am 4.August 2007 gegründet worden. (crs)

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