Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Ein Platz für alte Grabsteine

Kulturgeschichte bewahren: In Breslack gibt es für Grabsteine seit einiger Zeit ein Lapidarium.
Kulturgeschichte bewahren: In Breslack gibt es für Grabsteine seit einiger Zeit ein Lapidarium. © Foto: MOZ/Caroline Reul
Caroline Reul / 12.04.2015, 08:18 Uhr
Breslack (MOZ) Nach Ende der Grablaufzeit müssen die Gräber entfernt werden und mit ihnen die Grabsteine. Oftmals werden diese dann einfach entsorgt. In Breslack haben die Angehörigen aber mittlerweile eine andere Möglichkeit. Sie können die Grabsteine in einem Lapidarium aufbewahren lassen.

Oftmals beinhalten Lapidarien Steinwerke, etwa Skulpturen, Sarkophage oder Meilensteine von historischem Wert. Auch Grabsteine von berühmten Menschen werden in ihnen gesammelt, beispielsweise auf Friedhöfen. Breslacks Ortsvorsteher Gerhard Kotte hatte vor einigen Jahren ebenfalls die Idee, dass hier ein Lapidarium geschaffen werden könnte.

"Aber nicht nur für "berühmte' Einwohner. Bei uns sind alle besonders", erklärt er mit einem Lächeln. Im Jahr 2012 konnte seine Idee in die Tat umgesetzt werden, denn damals wurde die Friedhofssatzung geändert. "Es war ein harter Kampf", erinnert er sich. Denn nicht alle Gemeindevertreter waren zunächst von der Idee begeistert. Schließlich aber gaben sie die Erlaubnis.

Seitdem werden die Angehörigen von Verstorbenen, bei denen die Grablaufzeit endet, gefragt, ob sie den Grabstein nicht künftig im Lapidarium aufbewahren möchten. Die Alternative wäre es, den Stein gänzlich zu entsorgen, wenn das Grab entfernt wird. Erfolgt ihre Zustimmung, ebenso wie die der Friedhofsverwaltung und des Ortsvorstehers, kann der Stein umgesetzt werden. "Die meisten entscheiden sich dafür", weiß Gerhard Kotte und freut sich gleichermaßen, dass die Möglichkeit so gut angenommen wird.

So sind es mittlerweile schon zehn Steine, die von innen an die Friedhofsmauer gelehnt sind, ein elfter wird bald folgen. Dort stehen sie auf einem kleinen Wall, der vor einigen Jahren hatte aufgeschüttet werden müssen, weil die Friedhofsmauer sich durch den Druck der Straße immer mehr in Richtung der Ruhestätten neigte. Aus heutiger Sicht ein kleiner Glücksfall, findet der Ortsvorsteher, denn so haben die Grabsteine des Lapidariums eine exponierte Stelle bekommen. Ist der Platz entlang der Mauer irgendwann einmal voll, soll eine nächste Reihe Grabsteine unten an den Wall angelehnt werden.

Der Großteil der schon vorhandenen Steine, die dort steht, stammen aus den 70er Jahren. Etwa in dieser Zeit war es, dass der alte Friedhof, der bis heute an der Schule in Breslack besteht, keine weiteren Gräber mehr aufnehmen konnte und ein neuer geschaffen werden musste. Dieser befindet sich am Ortsrand in Richtung Wellmitz, an einem sonnigen Fleckchen am Waldrand. An diesem Frühlingsmorgen liegt er ruhig da, auf vielen Gräbern haben Angehörige schon Blumen gepflanzt. Ganz unaufdringlich fügen sich die Grabsteine des Lapidariums nun in das Gesamtbild ein.

Für Gerhard Kotte sind sie eine Stück Kulturgeschichte und damit erhaltenswert. Auch auf dem alten Friedhof haben die Breslacker deshalb schon einmal Grabsteine neu befestigt, die lose waren. Solche, die aus Sandstein bestehen und bei denen die Schrift durch Witterung und den Zahn der Zeit kaum noch zu lesen sind, will der Ortsvorsteher erneuern lassen.

"Ich habe da schon mit unserer ortsansässigen Restauratorin Dorothee Schmidt-Breitung gesprochen. Sie sagt, es wäre für sie kein Problem, die Schrift wieder sichtbar zu machen", berichtet er. Somit kann ein weiteres Stück Breslacker Kuturgut erhalten werden.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Pommern 2010 14.04.2015 - 21:32:04

Warum nicht in Eisenhüttenstadtß

Die Bewahrung aufbewahrenswerter Grabsteine in einem Lapidarium wie in Breslack müsste doch auch für die städtischen Friedhöfe Eisenhüttenstadt möglich sein. doch die dafür vorgesehenen Plätze blieben bis dato leer. Statt dessen werden die Grabsteine entsorgt oder wohl von Steinmetzen verarbeitet. Warum die Geschichtslosigkeit? Macht es zuviel Arbeit, die Grabsteine woanders aufzu stellen? Lieber lassen die Verantwortlichen sie entsorgen. Vor Jahren wurde mal ein großer Grabstein von der Stadt für Opfer eines Flugzeugunglücks am Grab der Verunglückten aufgestellt. Auch dieser Stein ist verschwunden! Tabula rasa - es soll vergessen werden.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG