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Günter Höppner in Mescherin weiht unter großer Anteilnahme Denkmal am Oder-Neiße-Radweg ein

Schlichte Tafel erinnert an 3000 Gefallene

Bei der Einweihung des Ehrenmals: Direkt am Oder-Neiße-Radweg in Mescherin öffnet sich ein kleiner Hain mit Gedenktafel und Sitzbank im Grünen.
Bei der Einweihung des Ehrenmals: Direkt am Oder-Neiße-Radweg in Mescherin öffnet sich ein kleiner Hain mit Gedenktafel und Sitzbank im Grünen. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Eva-Martina Weyer / 20.04.2015, 04:45 Uhr
Mescherin (MOZ) Günter Höppner aus Mescherin hat auf seinem Grundstück ein Ehrenmal errichtet. Es ist den Gefallenen gewidmet, die bei den Kämpfen um den Brückenkopf Mescherin vom 19. bis 25. April 1945 ihr Leben ließen. Am Sonntag wurde das Ehrenmal eingeweiht.

Tulpen und Forsythien hat Elke Wohlthat am neuen Denkmal niedergelegt. Sie ist in der Nachbarschaft von Günter Höppner aufgewachsen und erzählt: "Meine Oma ist 1945 nicht geflohen. Sie hat hier als einzige Frau im Ort die deutschen Soldaten mit Essen versorgt. Die Tulpen hier, das hätte meine Oma so gewollt."

Wo sich der Gartzer Schrey lichtet, direkt am Oder-Neiße-Radweg, steht Höppners Haus. Als zwölfjähriger Junge hat er den Durchbruch der Roten Armee in Mescherin miterlebt. Die Ereignisse haben ihn geprägt, wie so manchen Besucher dieser Denkmalseinweihung.

Eine große Traube von Interessenten hatte sich vor Höppners Haus versammelt. Ab und zu hielten Radfahrer und Wanderer an und verfolgten das Geschehen. Mescherins Bürgermeister, der Ortsvorsteher und der Gartzer Amtsdirektor waren ebenso Augenzeugen wie andere Dorfbewohner und Besucher aus Tantow, Casekow, Schwedt und Stettin. Günter Höppner hat mit der Errichtung des Denkmals offenbar den Nerv vieler Menschen getroffen. Er hat einen Teil seines Grundstücks für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht, den Gedenkstein samt Tafel und eine Mauer aus großen Findlingen errichtet. Eine Bank neben Stiefmütterchen lädt zum Verweilen und Besinnen ein. "Es ist für mich eine Ehre, dieses Denkmal zu errichten. Das habe ich auf eigene Kosten gemacht. Ich war ja mal Baumeister von Beruf, jetzt bin ich Rentner und 82", erzählte Höppner.

Er erinnerte an den Kampf um den Brückenkopf Mescherin, wo 1945 der einzige Oderübergang weit und breit möglich war. "Mit 3000 Mann haben die Russen hier in drei Tagen und Nächten zwei Holzbrücken gebaut. Die Stahlbrücke war ja gesprengt worden. Hier sind allein am 20. April 60 000 Artilleriegeschosse verballert worden. Überlegen Sie mal, was hier los war", wandte er sich an die Zuhörer. Der 82-Jährige sprach eine halbe Stunde aus dem Kopf, nur einen kleinen Zettel in der Hand. Er dankte Uli Nikolaus aus Penkun, der die Findlinge spendiert hat, dem Baumaschinenverleih Amelow aus Schwedt sowie anderen unentgeltlichen Helfern.

Der Schriftzug des Denkmals erinnert an 1711 Soldaten der Wehrmacht und 812 Soldaten der Roten Armee, die in Mescherin ihr Leben ließen. Zu den Gefallenen gehören auch 260 Schülersoldaten aus Flandern, die in SS-Uniform steckten. Höppner ist es ein Bedürfnis, auch an sie zu erinnern. "Die Schüler waren 16, 17 Jahre alt und sind im Handgranatennahkampf gefallen. Die Russen haben keine Gefangenen gemacht. Elf dieser blutjungen Soldaten sind auf meinem Grundstück gefallen."

Der Gartzer Pfarrer im Ruhestand, Oswald Wutzke, segnete das Denkmal und sagte: "Wir alle tragen Verantwortung, dass nie wieder Feindschaft gesät wird."

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