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Günterberg hat wieder Zeit

Daniela Windolff / 21.04.2015, 06:55 Uhr
Günterberg (MOZ) Den Günterbergern schlägt wieder die Stunde. Die seit Jahrzehnten stillstehende Kirchturmuhr wurde restauriert und zeigt nun wieder weithin sicht- und hörbar die Zeit an.

Wenn am Freitag die Uhr des Kirchturms fünfmal schlägt, dann ist für das kleine Dorf Günterberg eine historische Stunde angebrochen. Nach vielen Jahrzehnten des Stillstands dreht sich der Zeiger der historischen Turmuhr wieder und setzt das Schlagwerk in Bewegung, das den Tag weithin hörbar in Stunden teilt.

Selbst für die ältesten Dorfbewohner ist das eine ganz neue Erfahrung und ein besonderer Moment, denn niemand weiß, ob das rund 200 Jahre alte Uhrwerk überhaupt jemals ging.

Der Uhrenbastler und Tüftler Christian Koch hat die Kirchturmuhr im Auftrag des Denkmalvereins Günterberg in seiner Werkstatt in Grünow mühevoll restauriert. Dabei hat man festgestellt, dass die historische Einzeiger-Uhr einen Konstruktionsfehler hat und auf Grund ihrer Gewichte und Gehänge gar nicht funktionieren konnte. Das Schlagwerk wurde vermutlich 1945 abgebaut, als die Glocken zum Einschmelzen abgebaut wurden. Dazu kam es zum Glück nicht mehr. Die Glocken kamen nach Günterberg zurück. Das Schlagwerk blieb jedoch verschollen.

Für den an alten Uhren begeisterten Christian Koch, der das Handwerk beim Angermünder Kunstschmied Wilfried Schwuchow lernte, war die Restaurierung der Günterberger Uhr in mehrfacher Weise eine besondere Herausforderung. Zum einen musste die Konstruktion so verändert werden, dass das Uhrwerk funktionsfähig wird. Die Gewichte mussten verändert werden. Doch inzwischen hat das Kirchgebäude, das mit dem Turm bis 2006 Schritt für Schritt saniert wurde, eine neue Trauerhalle bekommen, die sich genau darunter befindet. Um Platz für die Gewichte zu erlangen, musste das Uhrwerk höher gehängt werden. Dafür wurde ein eigens dafür konstruierter Uhrenkasten gebaut, der das empfindliche Räderwerk nun auch vor Verschmutzungen schützt. Das verschwundene Schlagwerk musste Christian Koch komplett neu "erfinden" und anfertigen. Jetzt ertönt der Glockenschlag zu jeder vollen Stunde und die Uhr strahlt in neuem Glanz, schöner als je zuvor, vom Kirchturm herunter. Die Ziffern wurden nämlich nachträglich vergoldet, um sie durch die Bäume hindurch besser sichtbar zu machen. Künftig wird sie sogar angeleuchtet. Für das regelmäßige Aufziehen der Uhr hat sich der Günterberger "Türmer" René Lippski bereit erklärt.

Insgesamt 4800 Euro wurden für die Rekonstruktion der Turmuhr veranschlagt, die gänzlich aus Spenden aufgebracht wurden. Für den Denkmalverein Günterberg, der vor zehn Jahren mit dem Einbau einer weltlichen Trauerhalle in den Turm die Sanierung der Kirche gemeinsam mit der evangelischen Gemeinde angeschoben hatte, ist mit dem ersten Stundenschlag eine weitere Etappe geschafft. Die komplette Außenhülle der Dorfkirche ist saniert. Nun funktioniert endlich auch die Uhr, die einst bei den Bauarbeiten am Kirchturm abgenommen wurde. Perspektivisch stehen noch die Renovierung des Kircheninneren und die Restaurierung des Altars an.

Doch erst einmal wird sich die Zeit genommen und gefeiert, um auch den vielen Spendern zu danken. Am Freitag lädt der Denkmalverein um 17 Uhr zu einem Uhrenfest nach Günterberg ein, der mit einem Festgottesdienst und Orgelmusik beginnt. Punkt 18 Uhr wird das Uhrwerk symbolisch in Gang gesetzt. Danach haben Besucher die einmalige Gelegenheit, das Uhrwerk hoch oben im Turm zu besichtigen und dazu den Erläuterungen von Christian Koch zu lauschen.

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