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Keller des Schlosses frei gelegt

Sahen sich die Grabungen an: Albrecht Laue und Wolfgang Ockert vom VBGO hatten am Montag Besuch von Historiker Uwe Klar und dem Leiter der Seelower Gedenkstätte, Gerd-Ulrich Herrmann (v.l.)...
Sahen sich die Grabungen an: Albrecht Laue und Wolfgang Ockert vom VBGO hatten am Montag Besuch von Historiker Uwe Klar und dem Leiter der Seelower Gedenkstätte, Gerd-Ulrich Herrmann (v.l.)... © Foto: Johann Müller
Ines Rath / 05.05.2015, 06:43 Uhr
Klessin (MOZ) 30 Mitglieder des Vereins zur Bergung Gefallener in Osteuropa (VBGO) und des Wuhdener Heimatvereins haben vom 1. bis 4. Mai wieder bei Klessin nach Kriegstoten gesucht. Doch diesmal ging es um mehr: Die Freiwilligen, darunter Russen, Polen, Holländer und Schweizer, haben die Keller des einstigen Schlosses und von Nebengebäuden freigelegt.

Jahrzehnte lang waren die Überreste nach dem Abriss des zum Kriegsende stark zerstörten Klessiner Schlosses unter der Erde versteckt. Nun sind die Keller von Schloss und Stall frei gelegt. Die Freiwilligen des VBGO haben am langen Mai-Wochenende, unterstützt von Mitgliedern des Wuhdener Heimatvereins, mit Baggern und Radladern Unmengen von Schutt heraus geholt. Bergeweise türmen sich Erde, Ziegelschutt und Schrott auf dem einstigen Gutshof auf der Bergkuppe am Oderhang. "Laut Zeitzeugenberichten sollten in den Kellern Soldaten begraben sein", erklärt VBGO-Vorsitzender Albrecht Laue.

Kriegstote haben Laue und seine Mitstreiter diesmal noch nicht gefunden. Aber jede Menge Kriegsgerät und Munition. Mitarbeiter der Firma Röhl haben alles geborgen und zum Abtransport durch den Kampfmittelräumdienst bereit gelegt.

Die Gutsanlage, die zum Kriegsende zur Front geworden war, wurde kartiert, eingemessen und fotografiert. Mit Hilfe einer kleinen Drohne seien Luftaufnahmen gemacht worden, berichtet Laue. Die Dokumentation erfolgt auf Bitten des Wuhdener Heimatvereins. Dessen Mitglieder wollen das Schloss-Areal zur Erinnerungsstätte machen.

Doch die Ruinen werden dann nicht mehr zu sehen sein. "Das wird alles wieder mit Erde verfüllt", sagt Reinhard Tietz. Der Podelziger hatte das Gelände mit weiteren Freunden aus dem Wuhdener Heimatverein vorm Beginn der Grabungsarbeiten von Wildwuchs befreit. Im Nachgang werden sich die Wuhdener auch um die Entsorgung des Mülls und Schuttes kümmern. Denn der Verein ist jetzt Eigentümer des historischen Areals.

"Wir konnten das Gelände im Zuge des Bodenordnungsverfahrens relativ günstig von der BVVG erwerben", erklärt Reinhard Tietz. Die oberirdischen Müllberge habe der Verein mit gekauft, sagt er und verweist auf "Unmengen alter DDR-Puppen".

Die Freiwilligen hatten während der Grabungen viel Besuch. Unter anderem erneut von Barbara von Albedyhll, der Tochter des letzten Klessiner Gutsherren. "Sie saß am Rande der Baugrube und hat uns immer wieder erklärt, was wir da so gefunden haben - von Scherben des Kaffeeservices ihrer Eltern bis zum Arm des Kronleuchters", erzählt Albrecht Laue.

Am Sonntag sahen sich die Podelziger Gemeindevertreter die Grabungsstätte an, am Montag kamen der Lebuser Amtsdirektor Heiko Friedemann und seine Mitarbeiterin Heidemarie Rust, der Leiter der Seelower Gedenkstätte Gerd-Ulrich Herrmann und Historiker Uwe Klar. Letzterer ist des Russischen mächtig und recherchiert in russischen Archiven.

Die VBGO-Freiwilligen haben am Wochenende übrigens einen Grabungs-"Ausflug" nach Alt Tucheband gemacht. "Wir haben eine russische Grablage sondiert", sagt Albrecht Laue nur. Es werde später weiter gesucht. Auch in Klessin.

Das Betreten des Klessiner Schloss-Geländes ist aus Sicherheitsgründen jetzt verboten, betont Reinhard Tietz.

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