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Hirschfelder Kirche geweiht

Dieses aus Stahl gefertigte Modell der Hirschfelder Kirche stellt eine Kasse dar. Der Fördervereinsvorsitzende Hans-Jürgen Albrecht (r.) sammelt mit seinen Mitstreitern Geld für den Wiederaufbau. Pfarrer Johannes Menard hielt den feierlichen Gottesdienst.
Dieses aus Stahl gefertigte Modell der Hirschfelder Kirche stellt eine Kasse dar. Der Fördervereinsvorsitzende Hans-Jürgen Albrecht (r.) sammelt mit seinen Mitstreitern Geld für den Wiederaufbau. Pfarrer Johannes Menard hielt den feierlichen Gottesdienst. © Foto: MOZ/Hans Still
Hans Still / 10.05.2015, 18:15 Uhr
Hirschfelde (MOZ) Mit einem feierlichen Gottesdienst konnte am Sonnabend die evangelische Kirche in Hirschfelde geweiht werden. Das mit 750 Jahren älteste Gebäude des Werneuchener Ortsteiles wurde seit 2001 durch die mühevolle Arbeit eines Fördervereins wieder ins öffentliche Leben zurückgeholt.

Wenn der Vorsitzende des Fördervereins, Hans-Jürgen Albrecht, von der Geschichte der Kirche erzählt, entstehen zuerst typische Bilder des letzten Kriegsjahres. "Eigentlich hatte eine Flak-Abteilung auf dem Werneuchener Flugplatz den Auftrag, vor ihrem Abzug die Kirche zu sprengen. Aber dann erschoss ein russischer Scharfschütze den deutschen Kommandanten, worauf die Flak auf den Turm der Kirche feuerte, um den Schützen umzubringen. Das war eigentlich die einzige Zerstörung an der Kirche." Der erste, mit Billigung der russischen Verantwortlichen eingesetzte Bürgermeister von Hirschfelde verfügte nach dem Krieg den Abriss der Kirche. "Man könnte das verstehen, es fehlte schließlich Baumaterial für die Bauern. Allerdings wollten jene Bauern Jahre später die Kirche wieder aufbauen, da wurde dem Vorhaben die Baugenehmigung verwehrt", schildert Albrecht weiter und kommt zum Schluss: "Eigentlich ist die Kirche nicht durch den Krieg, sondern durch Vandalismus zerstört worden."

Mehr als 80 Gäste sind am Sonnabend zum feierlichen Gottesdienst gekommen, dicht gedrängt sitzen sie auf Bänken und Stühlen. Pfarrer Johannes Menard spart in seiner Predigt die schwierige Vergangenheit nicht aus. "Die Kirche versank in den Schlaf, Menschen entfernten sich, die Kirchengemeinde zerfiel", beschreibt er den Prozess, der in der frühen DDR den Verfall beförderte. Das Licht der Kirche erlosch indes nicht. 1970 vermochte es der damalige Pfarrer Uwe-Peter Eckert, das hintere Kirchenschiff wieder aufbauen und das Dach reparieren zu lassen, sodass die Kirchengemeinde wenigstens wieder Gottesdienste feiern konnte.

Menard nutzt den freudigen Anlass, den Anwesenden versöhnende Worte mitzugeben. Denn nach der schweren Vorgeschichte ging auch der Wiederaufbau der Kirche nicht ohne Probleme einher. "Mancher fragte, ob dieses alte Gebäude die ganze Mühe wert ist, ob es nicht sogar Besseres gäbe? Heute haben wir eine heile Kirche. Sie kann die Sehnsucht wecken, den Streit zwischen uns zu beenden", so der Geistliche.

2001 hatte sich der so segens- und erfolgreiche Förderverein mit dem Ziel gegründet, der Kirche wieder zu altem Glanz zu verhelfen. Zuerst wurde der Schutt beräumt, wurden Leitungen verlegt, Maler- und Isolierarbeiten begannen. Immerhin 40 000 Euro Spenden konnte der Verein akquirieren und damit sichtbare Baufortschritte erzielen. Aber erst die EU-Förderung aus dem ILE-Programm (Integrierte ländliche Entwicklung) brachte den Durchbruch. Rund 270 000 Euro flossen seit März 2013 in den Kirchenbau, der nunmehr auch öffentlich genutzt werden kann. Im Hauptschiff wartet als Magnet eine Dauerausstellung über den Kunstsammler und -mäzen Eduard Arnhold auf Besucher. Arnhold ist der berühmteste Hirschfelder, der mit schlesischer Steinkohle in Berlin Geld verdiente und später, auch Dank seines Vermögens, Kontakte zum Kaiser und sämtlichen Industriellen Deutschlands unterhielt.

Werneuchens Bürgermeister Burkhardt Horm (Linke) unterbreitete am Sonnabend das Angebot, später im Werneuchener Adler-Saal auf die Arnhold-Ausstellung hinzuweisen. Horn will der Kirche ohne Berührungsängste begegnen und diese auch für Veranstaltungen der öffentlichen Hand nutzen.

Gedankt wurde besonders dem Ehepaar Giesela und Hans-Jürgen Albrecht, der Architektin Bettina Krassuski und Petra Kobalz, die als Baubeauftragte des Kirchenkreises Oderland-Spree mit ihrem Management viel zum Gelingen des Wiederaufbaus leisten konnte.

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