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Abwechslung bei der Landpartie

Als Horst Hildebrandt mit dem Striegelkamm die Weide betritt, streckt ihm der Zuchtbulle die Zunge raus. Das ist keine Missfallensbekundung - im Gegenteil: Gordon möchte nur zu gern gestriegelt werden.
Als Horst Hildebrandt mit dem Striegelkamm die Weide betritt, streckt ihm der Zuchtbulle die Zunge raus. Das ist keine Missfallensbekundung - im Gegenteil: Gordon möchte nur zu gern gestriegelt werden. © Foto: MZV/Schönberg
Christian Schönberg / 20.05.2015, 18:43 Uhr
Freyenstein (MZV) Seit Jahren lockt die Landpartie insbesondere Städter auf Bauernhöfe und in die Agrarbetriebe. Nicht jeder will den Aufwand betreiben und seinen Hof öffnen. Immerhin 15 Betriebe im Landkreis sind in diesem Jahr aber dabei - darunter auch der Hirschhof Hildebrandt in Freyenstein.

Als Urgestein der Landpartie bezeichnet sich Horst Hildebrandt mittlerweile. Der einstige Neuruppiner Standortleiter der Rentaco hat seine Damhirsch-, Wildschaf- und Hochlandrind-Zucht in den 1990er-Jahren aufgebaut. Der Entschluss stand, als er diese Form der Tierhaltung in Süddeutschland kennen lernte - wo sie, wie er sagt, "sehr verbreitet ist" - und er eine Landwirtschaft im Nebenerwerb aufbauen wollte. Die Wildtiere sind genügsam und können das ganze Leben auf der Weide verbringen. "Man zäunt die Tiere ein und hat erstmal keine Sorgen", sagt Hildebrandt.

Das heißt nicht, dass nicht eine Menge Arbeit dahinter steckt: Jedes Jahr muss im Herbst Heu für die Winterfütterung gemacht werden. Hildebrandt musste einen Jagdschein erwerben, da das Erlegen auch von landwirtschaftlichen Wildtieren das erfordert. Um das Weideland wurden Schritt für Schritt Hecken gepflanzt - unter anderem mit Eichen, deren Früchte als Herbstfutter dienen. Der Aufbau einer EU-zertifizierten Schlachtung, einer Pension mit guter Küche - all das wurde in den vergangenen 20Jahren gestemmt.

1998 dann gab es die erste Teilnahme an der Landpartie, "damals noch mit vielen Marktständen", erinnert sich Hildebrandt. Doch die Händler brauchen sicheren Zustrom von 300 bis 500Gästen. Das können die zwei Tage der Landpartie nicht zwingend bieten - und müssen sie auch nicht, findet der Freyensteiner: "Es ist ein bisschen so wie auf der Grünen Woche, dass man mit den Leuten ins Gespräch kommen und vermitteln will, was Urlaub auf dem Lande bedeutet."

Dabei ist es nicht allein das, was die Leute in drei Wochen zum Hirschhof locken wird. Musik wird auch gspielt, zumindest am Sonntag. Das durch sein Festival in Flecken Zechlin bekannte Ruppiner Alphornbläser-Ensemble tritt auf. An beiden Tagen gibt es Touren mit dem Traktor-Kremser. "Wenn der auf die Wiese fährt, kommen die Tiere neugierig angelaufen", sagt Hildebrandt. Sonst zeigen sie sich eher scheu. Doch beim Kremser wissen sie mittlerweile: Da gibt es auch Leckerbissen abzuholen.

Leckerbissen werden auch für die Gäste aufgetischt. Dafür sorgt Björn Hildebrandt. Dass er einmal in die Fußstapfen des Vaters tritt - und das auch noch im Haupterwerb - war gar nicht abzusehen. Björn Hildebrandt begann nach dem Abitur ein Sport-Studium und schloss es auch erfolgreich ab. Dann entschloss er sich zur Überraschung seiner Eltern doch, den Hirschhof zu übernehmen. Er machte eine Kochlehre und ist nun Herr in der Küche und Chef der Pension. "Die Pensions-Gäste wollen Abwechslung auf dem Tisch", sagt Björn Hildebrandt. Mit seiner Ausbildung falle es ihm leicht, diese zu bieten.

Nicht zum Zuge kommt ein vierbeiniges Leckermaul: der Wolf, der sich seit 2009 im Ruppiner Land angesiedelt hat(RA berichtete). Horst Hildebrandt hat 2010 und 2011 nach 70 Rissen in anderen Gehegen auch Angst um seine Herden gehabt. Vom Brandenburger Wolfsmanagement redet er nur kopfschüttelnd. Dennoch wird der Graupelz auf seine Wiesen nicht mehr kommen. Mithilfe des mit Lottomitteln gefütterten Naturschutzfonds konnte er seinen Zaun so umgestalten, dass der Wolf sich nicht mehr, wie er es so häufig bei eingehegtem Gelände tut, durchgraben kann. Rüber kommt er auch nicht. "Wir sind aber nur einer von drei Betrieben, die das bekommen haben", sagt Hildebrandt. "Es gibt aber insgesamt 60", macht er deutlich, dass er seinen Frieden mit dem räuberischenRückkehrer noch nicht wirklich gemacht hat.


■ Ökohof Kuhhorst, Dorfstraße 9, Fehrbellin, Ortsteil Kuhhorst, www.diekuhhorster.de
■ Sonnenlandhof, Jörg Stockhammer, Dorfstraße23, Wuthenow, www.sonnenlandhof.de
■ Sunna Alpakas, Ingeborg Papenbrock, Mühlenweg 27, Walsleben, www.sunna-alpakas.de
■ Kremserhof Zermützel, Jürgen Strache, Dorfstraße4, Zermützel, www.kremserhof.de
■ Gartenbau Wimmer, Gundula Tittel, Reuterpromenade10a, Rheinsberg
■ Landleben Linum, Gwendalina Bluhm, Nauener Straße46, Linum, www.landleben-linum.de
■ Linumer Landhof, Regine Scholz-Berg, Nauener Straße50, Linum, www.linumer-landhof.de
■ Hakenberger Fleisch GmbH, Jens Winter, Fehrbelliner Straße3a, Hakenberg, nur sonnabends, www.hafleg.de
■ Gestüt und Pension Lindenhof, Siegfried Dörge, Dorfstraße 17, Rohrlack, nur sonnabends, www.pension-gestuet-lindenhof.de
■ Keimzelle/Ökosaatgut, Eve Bubenik, Dorfstraße 20, Vichel, www.keimzellebichel.culturebase.org
■ LPDG Biesen, Burkhard Schultz, Eichenfelder Weg1, Wittstock, Ortsteil Biesen, nur sonnabends offen
■ Hirschhof Hildebrandt, Horst und Björn Hildebrandt, Küsterland 19, Freyenstein, www.hirschhof-hildebrandt.de
■ Garten "An der Grünen Oase", Petra Puls, Dorfstraße20, Jabel, www.sonntagscafe-jabel.de
■ Pension Kattenstiegsee, Angelika Grünbein, Kattensteigweg 2, Königsberg, www.kattenstieg.de
■ Ferien- und Gesundheitshof Ginkgo, Marina Gensch, Zempower Straße 34, Zempow, www.palohamet-ginkgo.de (crs)

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