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Paukenschlag im gallischen Birkholz

Feine Familie: Der Bernauer Bürgermeister André Stahl bekam von den Birkholzern für das Foto den Asterix in die Hand gedrückt, Ortsvorsteher Dieter Geldschläger freut sich über die Baugenehmigung und ein kleines Stoffferkel, dann folgt Obelix.
Feine Familie: Der Bernauer Bürgermeister André Stahl bekam von den Birkholzern für das Foto den Asterix in die Hand gedrückt, Ortsvorsteher Dieter Geldschläger freut sich über die Baugenehmigung und ein kleines Stoffferkel, dann folgt Obelix. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Hans Still / 07.06.2015, 19:45 Uhr
Birkholz (MOZ) Mit einem Paukenschlag begann am Sonnabend das Birkholzer Dorffest. Der Bernauer Bürgermeister André Stahl brachte die Baugenehmigung für das künftige Dorfgemeinschaftshaus mit in den Ortsteil, der zuweilen als "kleines gallisches Dorf" betitelt wird.

Strahlender Sonnenschein, das befürchtete Unwetter blieb aus. Stattdessen überraschte Stahl die Birkholzer mit der Baugenehmigung für das Dorfgemeinschaftshaus, das die Birkholzer Einwohner der Stadt Bernau regelrecht abgetrotzt hatten. Unter Beifall wechselte das Schriftstück den Besitzer. "Birkholz beschäftigt im Verhältnis zu den Einwohnern gesehen die Bernauer Verwaltung überdurchschnittlich stark.Das macht nicht nur Freude, sondern wird irgendwann hoffentlich auch Ergebnisse bringen", frotzelte Stahl bei dieser Gelegenheit.

Der Birkholzer Ortsvorsteher Dieter Geldschläger blieb wenig später nichts schuldig. "Die am 28. November 2002 von den Bernauer Stadtverordneten beschlossene Birkholzer Dorfentwicklungskonzeption gilt noch heute unverändert. Nur dass 90 Prozent der Vorhaben von damals noch immer nicht umgesetzt wurden", gab er zurück.

Zu diesem Zeitpunkt hielt Geldschläger bereits ein Stofftier in der Hand, das er von Stahl geschenkt bekommen hatte. Ein kleines Ferkel, "um dem Ortsvorsteher die Gelegenheit zu geben, immer wieder mal eine neue Sau durchs Dorf zu treiben", bemerkte Stahl dazu.

450 000 Euro sieht der Haushalt der Stadt Bernau für das Dorfgemeinschaftshaus vor, das neben der Kirche entstehen wird. Der von Geldschläger avisierten Weihnachtsfeier des Seniorenvereines im neuen Gebäude blickte Stahl mit einiger Skepsis entgegen. "Wir schreiben im Sommer aus, da wird wohl zum Jahresende erst der Rohbau stehen", gab er zu bedenken. Die Birkholzer Bürger verfolgten den kleinen Schlagabtausch mit sichtbarer Freude. Sie wissen, dass Geldschläger äußerst initiativ zu Werke geht und mit seinem Ortsbeirat den Ort aus dem Dornröschenschlaf erwecken konnte. Geldschläger und Stahl stießen auch wenig später freundlich gestimmt mit einem kühlen Bier an.

Dass es in Birkholz immer wieder mal etwas strittig zugeht, zeigt sich aktuell auch an einem weiteren Thema: der Kirche. Die Kirchengemeinde feiert im kommenden Jahr das 750. Jahr des Gotteshauses. Doch über die vergangenen sechs Monate entbrannte offenbar ein Streit, der auch am Sonnabend seine Schatten warf und entsprechend thematisiert wurde. Pfarrer Ralf Wenzel sparte dieses Thema in seinen Begrüßungsworten nicht aus. "Als Kirchengemeinde haben wir es in den letzten sechs Monaten nicht leicht gehabt, uns schlägt ein eisiger Wind ins Gesicht", hatte er festgestellt und beklagt, dass leider kein Gespräch zustande komme. "Ich bin heute ansprechbar, der Gemeindekirchenrat ist fast vollständig vertreten, es braucht auch keine weiteren Briefe an meine Vorgesetzten", machte er klar und warb für die Ideenwerkstatt "750 Jahre Dorfkirche Birkholz", die als Auftakt eines Gespräches am Rande des Dorffestes stattfinden sollte.

Worum es inhaltlich geht, hatte Wenzel zuvor in einer Sonderausgabe des Kirchenboten zum Ausdruck gebracht. "Die Sicherung des Jochbogens in der Kirche ist ein zweites Vorhaben das ansteht, um das Denkmal vor dem weiteren Verfall zu schützen und um den Kirchenraum zu sichern und ihn wieder in Gänze nutzen zu können."

Seit immerhin viereinhalb Jahren ist ein Teil der Kirche gesperrt. Dort drohe Einsturzgefahr, so der Pfarrer. Vier Sachverständige hätten das bestätigt, darunter Experten der Denkmalpflege. 2016 solle aber mit der Sicherung des Jochbogens begonnen werden. Eine Holzkonstruktion könnte demnach entstehen, die fest mit dem Boden verankert wird. Einen Wiederaufbau des Turmes sieht Wenzel kritisch. Die Denkmalpflege stellt die Bestandssicherung vor den Neubau und auch der Kirchenkreis unterstützt eine Sicherung, aber keinen Neubau. "Zuvor müsste sich sicher ein stärkeres kirchliches Gemeindeleben entwickeln, wir haben hier aktuell 38 Mitglieder."

Der Kirchturm war 1972 gesprengt worden. Angeblich drohte der Turm damals zu kippen. Also wurden Sprengladungen angebracht, um den Turm zu beseitigen. Dann aber zerschlug der Turm das Kirchendach.

Ortsvorsteher Dieter Geldschläger benannte indes beim Dorffest seine nächsten Ziele: Der Wiederaufbau der Kirche auf Basis von 1829 gehört dazu.

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