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Die ersten Brote aus eigenem Getreide

Thomas Berger / 15.06.2015, 04:44 Uhr
Dahmsdorf (MOZ) Zahlreiche Bauernhöfe hatten am Wochenende zur Brandenburger Landpartie eingeladen. Erst das zweite Mal dabei war der noch junge Waldpferdehof in Dahmsdorf - der aber zugleich die Besucher mit etlichen Besonderheiten begeistern konnte.

Der Name, erklärte Jan Sommer seinen Gästen, deutet noch immer auf die Vergangenheit hin, als er mit seinen Tieren als Rückepferde in den Wäldern der Umgebung im Einsatz war. Jetzt gehen Henrieke, Stella, Ole, Punta und Liane ihm und seiner Partnerin Carmen Becker bei der Landwirtschaft zur Hand. Auf dem Hof in Dahmsdorf, der inzwischen 30 Hektar umfasst, verrichten sie nach alter Tradition ganz viele Arbeiten, die eben so anfallen. "Wir sind hier keine Pferdefetischisten, nicht religiös wie die Amish in den USA. Und sogar ein bisschen technikfasziniert", wie Jan Sommer in einer seiner Vorführungen klarstellte.

Natürlich gibt es Technik, beispielsweise die Strohpresse. Nur dass diese hier nicht an einen Traktor angehängt, sondern von den Pferden gezogen wird. So wie bei der Präsentation unmittelbar zuvor gerade schon der Trommel-Brechwender. Ein vielseitig einsetzbares Gerät, bei dem der Landwirt beinahe ins Schwärmen gerät.

Sie ergänzen sich. Carmen Becker, Gärtnerin aus Libbenichen im Oderbruch, und er, der sich neben seinen Pferden inzwischen auch sehr viel Wissen in Sachen Feldbau angeeignet hat. Gern gibt er das weiter, und schnell ist man bei solchen Gesprächen bei den großen Themen angelangt, die die Debatte um die Landwirtschaft in der Region wie bundesweit derzeit prägen. Angemessene Preise für Nahrungsmittel etwa - oder die Schwierigkeit, noch Land zu finden. Das Dahmsdorfer Duo will zwar nicht mehr viel weiter mit dem Hof wachsen. "Ein paar Hektar mehr, um beim Getreide eine bessere Fruchtfolge hinzukriegen, wären aber schon noch gut."

Auf dem Gemüseacker, etwa anderthalb Hektar, wachsen Kartoffeln, Lauchzwiebeln oder Rote Beete. Auch Kürbisse wird es im Herbst wieder geben, sagt Jan Sommer. Derzeit sind es wiederum frische Erdbeeren, die die Besucher kosten dürfen.

"Das macht hier einen sehr guten Eindruck", loben Birgit und Frank Reska aus Frankfurt (Oder), die beinahe jedes Jahr zur Landpartie unterwegs sind. "Faszinierend ist, wie man die alte Technik einsetzen kann und wie gut durchkonstruiert das ist." Maren Piehl-Miculcy aus dem nahen Müncheberg hat selbst mit Pferden zu tun - für therapeutische Zwecke. Jetzt steht sie mit ihren Söhnen bei einem der liebevoll-kreativ eingerichteten Infopunkte. Samen gilt es in diesem Fall zuzuordnen - Roggen und Radieschen, Bohnen und Buchweizen, Möhren und Rote Beete. Die Auflösung anhand der Nummern zeigt, das lediglich zwei Drittel korrekt war, trotz gemeinsamer Anstrengung mit einer anderen Familie. "Das gibt einem zu denken", wie die Münchebergerin sagt.

Das Gemüse, das Jan Sommer und Carmen Becker ernten, wandert vorrangig in die Abokiste der Hofgemeinschaft Apfeltraum ein Stück weiter in Eggersdorf. Insbesondere mit ihrem Getreide sind die Dahmsdorfer die kleinen Zulieferer für die Berliner Öko-Bäckerei Märkisches Landbrot. Passend zur Landpartie konnte denn auch das erste aus eigenen Produkten gebackene Brot in Dahmsdorf selbst angeboten werden. In Geschmacksrichtungen wie Dinkel-Möhre oder Dinkel-Rosine zum Beispiel. Das fand auch Anna Schrade, ursprünglich Münchnerin und jetzt aus Massachusetts/USA kommend der wohl weitgereisteste Gast, interessant.

Das sechste Jahr nun läuft der Hof. Vieles dauert seine Zeit. Im Dorf integriert sind die beiden aber allemal. Jan Sommer gehört zu den Mitbegründern des neuen Vereins Kulturwiese, der nebenan Kaffee und Kuchen sowie Kartoffeln mit Quark anbot. Auch andere Dahmsdorfer hatten sich eingeklinkt: Auf zwei Grundstücken luden kleine Trödelmärkte zum Stöbern.

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