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Sechseinhalbstündige Rettungsaktion in Berkholz wegen Unklarheiten über die Bezahlung

Endloser Kampf um Jungstörche

Prekäre Situation: Die PCK-Betriebsfeuerwehr sorgte dafür, dass Uwe Schünmann zu den Jungstörchen kam. Zwei Tiere waren trotzdem nicht mehr zu retten.
Prekäre Situation: Die PCK-Betriebsfeuerwehr sorgte dafür, dass Uwe Schünmann zu den Jungstörchen kam. Zwei Tiere waren trotzdem nicht mehr zu retten. © Foto: PCK-Feuerwehr
Kerstin Unger / 24.06.2015, 05:45 Uhr
Berkholz-Meyenburg (MOZ) Aufregung um die gefiederten Sommergäste im Dorf hat es am Sonntagnachmittag in Berk-holz gegeben. Die Rettungsaktion, die nur einer der drei Jungstörche überlebte, dauerte mehr als sechs Stunden.

Das Storchennest steht auf dem Grundstück von Wolfgang Birthler. Mit dem Fernrohr beobachtet er immer interessiert, was sich im Sommerquartier von Adebar tut. Nachdem im vorigen Jahr vier Jungstörche wegen der Kälte und Nässe starben, freute er sich über den dreifachen Nachwuchs des Storchenpaares in diesem Jahr. "Am Sonntagnachmittag sah ich, dass einer der Jungen an einem Strick würgte. Wir haben überlegt, wie man dort hochkommt, um zu helfen", schildert er. Mit der Leiter ging das nicht.

Der Berkholzer rief die Leitstelle an. "Dort sagte man, dass eine Alarmierung nur möglich ist, wenn der Storchenbeauftragte Uwe Schünmann dabei ist." Der war dann zur Stelle. Alarm wurde ausgelöst. Die Ortswehr kam. Doch im Amt Oder-Welse gibt es keinen Leiterwagen. Dann begann die Diskussion, wer die Kosten für einen Einsatz übernimmt, ob der Landkreis zuständig ist oder das Amt. "Es ging etwa zwei Stunden hin und her", schildert Uwe Schünmann die Situation. Hilfe kam schließlich von der PCK-Werksfeuerwehr.

Den Helfern, die mit dem Teleskopmast hochstiegen, bot sich ein trauriger Anblick. Von den drei Jungstörchen war einer bereits tot. Ein anderer kämpfte um sein Leben. Ein Feuerwehrmann befreite ihn von dem Strick, der vermutlich von einem Strohballen stammte. "Der Hals des Tieres war schon ganz entzündet. Der Jungstorch starb leider kurz Zeit später", erzählt Ronny Appelt von der Werksfeuerwehr. Der dritte Jungstorch war unversehrt.

"Wir sind der PCK-Feuerwehr sehr dankbar, dass sie so unkompliziert geholfen hat. Sonst hätten wir bis Montag warten müssen", sagt der Storchenbeauftragte. Sicherlich sei es nicht einfach, wenn sich ein solcher Vorfall am Wochenende zuträgt, wo Behörden nicht besetzt sind. "Aber es bedarf einmal einer grundsätzlichen Klärung, wer im Falle einer solchen Aktion zuständig ist", findet er.

In dieser Situation sei er zum ersten Mal gewesen, meint Uwe Schünmann, der schon seit vielen Jahren der Storchenspezialist in der Region ist und sich um die großen Vögel, ihre Nester und die Zählung kümmert. "Früher war es unkompliziert. Die Feuer-wehr hat im Notfall geholfen. Heutzutage müssen die Kommunen sehen, wie sie die Kosten wieder reinholen", erzählt er. Heute will er darüber mit der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises sprechen, um Klarheit für die Zukunft zu schaffen und zu vermeiden, dass sich eine Rettungsaktion, die in 20 Minuten beendet sein könnte wie am Sonntag, letztlich sechseinhalb Stunden hinzieht.

Auch Wolfgang Birthler war von dem Erlebnis am Sonntagnachmittag sehr mitgenommen." "In die Feuerwehren wird vom Staat viel Geld investiert. Das ist natürlich auch berechtigt und der Einsatz der Leute nicht hoch genug zu schätzen. In Berkholz wurde für sechs Feuerwehrleute ein neues Gerätehaus gebaut, obwohl wir in Meyenburg eins haben. Da sollte ein solcher Einsatz, zumal so etwas selten vorkommt, für die Gesellschaft mal drin sein. Das muss geklärt werden", sagte er. "Für den Tierschutz ist die untere Naturschutzbehörde des Kreises zuständig."

Die beiden toten Jungstörche aus Berkholz-Meyenburg wurden nach dem Einsatz in die Wildtierstation nach Melchow gebracht, wo der Tierarzt sie sich genauer anschauen wollte.

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entsetzte Leserin 24.06.2015 - 19:46:12

Tiere sind nichts wert

Mit Unmut las ich den Artikel und bin entsetzt. Tiere sind nichts wert, das sieht man hier wieder deutlich. Es ist traurig, dass in Deutschland die Bürokratie nicht mal außer Acht gelassen wird, wenn schnelle Hilfe nötig ist. Die Macher aller Gebührenordnungen sollten sich schämen, denn Tierliebe scheint ihnen ein Fremdwort zu sein. Wer weiß, ob sich solche Bürokratie eines Tages auch mal auf die Menschenrettung ausweitet. Wundern würde es mich nicht. Hierzu nur die Daumen nach unten.

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