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Umstrittener Kita-Neubau

Judith Melzer-Voigt / 30.06.2015, 19:15 Uhr
Kränzlin (MZV) Kommunaldiktatur: Mit diesem Wort bezeichnete Hans Loths, Gemeindevertreter in Märkisch Linden, den Prozess, der nun zum Bau einer neuen Kita in Kränzlin führen soll. Sein Ausbruch zeigt: Das Projekt ist nicht unumstritten.

146 Unterschriften hat Loths nach eigenen Angaben bisher gegen den Wegzug des Kindergartens aus Werder gesammelt. Die Kinder sollen - wenn denn eine neue Kita in Kränzlin gebaut worden ist - nicht mehr im eigenen, sondern im Nachbardorf betreut werden (RA berichtete). "Und es werden noch mehr Unterschriften folgen", so Loths. Nur war von seinen Unterstützern während der Sitzung der Gemeindevertreter Märkisch Lindens am Montagabend wenig zu sehen: Einwohner, die sich zum Thema Kita äußern wollten, gab es nicht. Und auch von wütenden Eltern, die ihre Kinder weiterhin in Werder untergebracht wissen wollen, war keine Spur.

Hintergrund des geplanten Neubaus in Kränzlin ist, dass die Mädchen und Jungen dort bisher in einem gepachteten Gebäude betreut werden, das in keinem guten Zustand ist (RA berichtete). Daher wurde die Idee eines Kita-Neubaus, die schon länger diskutiert wurde, wieder aufgegriffen. Damit sich das Projekt in Kränzlin aber lohnt, müssten rund 60 Kinder dort untergebracht werden - mehr als das Dorf allein leisten kann. Daher sollen auch die Werderaner künftig nach Kränzlin kommen.

Hans Loths kritisiert vor allem, dass der Amtsausschuss dem Kita-Neubau unter diesen Voraussetzungen bereits zugestimmt hat - eine Einwohnerversammlung in Werder gab es aber bisher noch nicht. "Hier geht es etwas schief", so der Abgeordnete am Montagabend. "Wir leben in einer Demokratie", sagte Loths. "Da kann nicht etwas gegen den Willen der Bürger unternommen werden." Seiner Meinung nach sind auch Eltern aus Gottberg betroffen, die ihren Nachwuchs bisher nach Werder gebracht haben. Für sie fielen bisher laut Loths' Berechnungen rund 1 100 Euro Benzinkosten an. Würde es nur noch einen Kindergarten in Kränzlin geben, würde diese Summe auf mehr als 2 000 Euro steigen, erklärte er. "Wir haben in Werder einen Kindergarten, der ist tadellos", sagte er und meinte, er werde sich mit diesem Fall zur Not auch an Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) wenden.

Doch von all diesen Einwänden wollten die anderen Gemeindevertreter wenig hören: Sie zogen ihre Beschlüsse, die den Kita-Neubau in Kränzlin vorbereiten, am Montagabend durch. Um das Projekt umzusetzen, muss der Flächennutzungsplan (FNP) der Gemeinde geändert werden. Denn bisher ist das Areal am Weg "An den Eichen" noch für Natur und Landschaft vorgesehen. Ein Silo und ein Teich befinden sich dort. Ersteres müsste abgerissen werden, letzterer soll auch auf dem Kita-Gelände bestehen bleiben, da er ein gesetzlich geschütztes Biotop ist. Damit das alles möglich ist, muss das Areal zu einer Fläche für Gemeindebedarf werden. Sowohl dem Aufstellungsbeschluss für diese Änderung des Flächennutzungsplanes als auch dem Entwurf zur frühzeitigen Beteiligung stimmten die Gemeindevertreter zu - bis auf Hans Loths. Gleiches galt für den Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplanes, der nötig ist, um den Neubau auf der später umgewidmeten Fläche errichten zu können. Ein Wohnhaus und ein Betrieb, die sich in der Nähe des neuen Kindergartens befinden, werden durch das Projekt ihre jetzige Zufahrt verlieren, aber eine neue bekommen. Am Ende könnte die Einrichtung maximal 800 Quadratmeter groß sein. Gebaut wird eingeschossig, da es sich laut Planerin Anja Timm um eine Kita mit Integrationsmodell handeln soll, in der auch Kinder mit Behinderungen betreut werden können.

Timm war es auch, die in einer ersten Zeichnung zeigte, wie die künftige Kita einmal aussehen kann - mit Stellplätzen, viel Grün, einem Spielhügel sowie einem Obst-, Gemüse- und Kräutergarten. Bis das Projekt umgesetzt werden kann, wird aber noch Zeit ins Land gehen. Wenn FNP und Bebauungsplan stehen, kommt es auch darauf an, ob Fördermittel fließen.

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